Mehr Wildschweine auf städtischen Grünflächen
Wegen günstiger Witterungs- und Vegetationsbedingungen werden im Spätwinter und Frühjahr 2025 überdurchschnittlich viele Wildschweine geboren, wodurch Begegnungen und Konflikte mit Menschen in Städten – etwa in der grünen Metropole Berlin – wahrscheinlicher werden. Das teilten Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im Februar mit, die zur Anpassung der Tiere an Stadtlebensräume forschen. Es sei zu erwarten, dass ein Teil der Wildschweine vor allem nachts in urbane Gebiete vordringen würden, erläuterte Dr. Konstantin Börner, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Ökologische Dynamik. Auf der Suche nach Insektenlarven und Regenwürmern könnten die Tiere dabei sichtbare Schäden an Grünflächen verursachen. Sie hätten gelernt, dass die Futtersuche in der Nähe menschlicher Siedlungen weitgehend gefahrlos möglich ist. Dieses Wissen werde durch die Bachen an ihre Frischlinge weitergegeben und damit tradiert.
Die Wildschweinpopulation kann einer erheblichen Dynamik unterworfen sein. Die Schwankungen in den jährlichen Reproduktionsraten liegen laut Börner zwischen 150 bis 300 Prozent. Angekurbelt wird die Reproduktion der Wildschweine über das Futter. Besonders nach Jahren mit viel energiereicher Nahrung wie Eicheln, Getreide oder Mais steigt die Zahl der Frischlinge und damit die Populationsdichte. Eine dauerhafte Verdrängung der Wildschweine aus städtischen Gebieten sei nicht möglich, sagt Börner. Wildschweine seien mittlerweile ein fester Bestandteil urbaner Lebensräume und würden es auch bleiben. Der Forscher: "Wir werden lernen müssen, sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte dieses Zusammenlebens zu akzeptieren und damit umzugehen."
Wildschweine seien nicht grundsätzlich gefährlich, aber durchaus wehrhaft, erklärt Börner: "Sollten Sie einem Wildschwein begegnen, bleiben Sie zunächst ruhig stehen und nähern sich nicht weiter." Kritische Situationen entstünden vor allem, wenn Frischlinge dabei sind, da die Bache ihre Jungtiere entschlossen verteidigt, wenn sie sich bedroht fühlt. Bevor es zu einem tatsächlichen Angriff komme, führten Wildschweine meist Scheinangriffe durch. Da die Schweine keine ausgeprägte Mimik besäßen, seien ihre Absichten schwer zu deuten. Besonders aufmerksam sollte man jedoch werden, wenn die Tiere ihre Ohren hochstellen und den Schwanz aufrichten. Diese Signale sollten unbedingt als Warnung verstanden werden und sei der Zeitpunkt, sich langsam und ruhig zurückziehen. Der IFZ-Forscher: "Solche Situationen sind jedoch äußerst selten und treten fast nur auf, wenn Wildschweine überrascht werden."
Grundsätzlich haben Wildschweine mehr Angst vor Menschen als umgekehrt. "Sollten Sie ihnen dennoch unerwartet nahekommen, machen Sie durch ruhige Geräusche auf sich aufmerksam – das Tier wird in der Regel den Rückzug antreten", so Konstantin Börner.
cm/Leibniz-IZW
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