Gemeinsam Familie und Betrieb zum Blühen bringen

Mein Familienbetrieb hält die ganze Familie in Betrieb!

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Einen Familienbetrieb zu führen, erfordert viel Kraft und eine gewisse Frustrationstoleranz. Auch birgt die Doppelbelastung Familie und Beruf Risiken, die manchmal erst entdeckt werden, wenn es schon zu spät ist. Daher sind Leidenschaft für den Beruf und Balance gefragt.
Ausbildung und Beruf
Ein Segeltörn gleicht dem Auf und Ab im Familienbetrieb. Vertrage ich den Seegang, der teilweise in seiner Stärke unvorhersehbar ist oder werde ich seekrank? Foto: Artur Didyk/AdobeStock

Frühmorgens am gemeinsamen Frühstückstisch, werden noch kurz die heutigen Kunden besprochen, während die Kinder schon gleich zum Bus gebracht werden müssen.

Kennen Sie diese Szenen aus Ihrem Alltag?

Der Seniorchef kommt ins Büro und hat über einen Nachbarn erfahren, dass auf der letzten Baustelle etwas schiefgelaufen ist. Warum hat ihm das keiner gesagt?

Die mitarbeitende Ehefrau fährt noch schnell Getränke für die Firmenfeier holen, weil zu wenig kalkuliert worden ist und die Feier nun länger dauert und mehr getrunken wird als gedacht.

"Das habe ich Dir doch gesagt! Warum hast Du es dann nicht gemacht? Auf keinen ist Verlass!"

Dann haben Sie wohl auch einen Familienbetrieb. In Deutschland gibt es rund drei Millionen Familienunternehmen und wir alle kennen die Herausforderung, sowohl der Familie als auch dem Betrieb gerecht zu werden. Wie oft vergessen wir im stressigen Alltag uns gegenseitig zu informieren. Wichtiges bleibt liegen, Essentielles wird vergessen.

Die Doppelbelastung Familie und Beruf in familiengeführten Unternehmen birgt Risiken, die wir gewohnt sind, jedoch gerne übersehen. Sie werden erst entdeckt, wenn es manchmal schon zu spät ist. Konflikte stauen sich auf und kommen meist ungehalten zum Platzen. Die Stimmung schwappt ins ganze Unternehmen und macht selbst vor den Mitarbeitenden keinen Halt. Wie die eigene Mitte bewahren, wenn alles schon zu viel ist? Sich dann auch noch um die Kinder, Versorgungslücken, Übergabe und Nachfolge oder Mitarbeiterbindung kümmern, wenn der Druck sowieso schon so hoch ist?

Scheinbar kaum zu lösendes Chaos

Einen Familienbetrieb zu führen vergleiche ich mit Segeln. Privat ist das Segeln einer meiner liebsten Hobbys. Es hilft mir dabei vom Alltag Abstand zu gewinnen und völlig im Hier und Jetzt zu sein. Und dennoch erinnert mich jeder Segeltörn an das Zusammenspiel zwischen Familie und Betrieb. In dem Moment, wo ich auf das Schiff steige, weiß ich noch nicht wirklich, wie das Wetter wird, wie die Crew zusammenpasst, wie wir in stürmischen Zeiten umgehen, wie resilient sich die einzelnen Mitglieder bei Stress-Situationen an Bord verhalten. Vertrage ich den Seegang, der teilweise in seiner Stärke unvorhersehbar ist oder werde ich seekrank?

Damit vergleiche ich gerne den Alltag in einem Familienbetrieb, und begegne dabei täglich neuen Herausforderungen, die ich am Vortag noch nicht kannte. Aber eines weiß ich sicher, wenn ich an Bord gehe, welches Ziel wir ansteuern und wann wir wieder an Land gehen. Ein ganz wichtiges Ziel haben wir in unseren Familienunternehmen und wissen auch, wann der Jahresabschluss kommt, wie wir unsere positiven Jahreszahlen erreichen und gesund und munter bleiben. Dafür sorgen wir täglich mit unserem Herzen und unserem Verstand.

Wir wissen nicht, wann die nächste Krise kommt, wie wir sie bewältigen oder wann der nächste Konflikt zu schwelen beginnt. Finden wir wieder zusammen und finden gemeinsam eine Balance zwischen Familie und Betrieb?

"Segeln ohne Segel ist wie Leben ohne Liebe."

Die beste Grundlage, damit die Balance zwischen Unternehmen und Familie gelingt ist die Liebe. Die Liebe ist das Fundament eines Familienbetriebs mit der alles gelingen kann. Damit die Liebe auch erhalten bleibt, gibt es einzelne Tools, die die Verbundenheit füreinander wachhalten. Ohne Liebe ist ein Unternehmen nur eine Hülle, und eine Familie nur eine Ansammlung sich bekannter Menschen.

4 Werkzeuge, die Familie und Betrieb in Balance bringen

1. Kommunikation fördern

Ich komme aus Franken, und den Franken, wird eine gewisse Wortkargheit nachgesagt. "Nix gsacht, is viel gredd." (Für nicht Franken: Nichts gesagt, ist viel geredet!) Diese Art von Kommunikation kennt vielleicht der eine oder andere im Betrieb, und das wollen wir ändern. Transparenz hilft, konstruktive Kritik hilft und Lob hilft auch. Probieren Sie es aus. Kommunikation ist wichtig und will gelernt sein. Gegenseitiges Verständnis leben, gemeinsame Lösungen finden und offen über Bedürfnisse und gemeinsame Herausforderungen sprechen gehören dazu. Erinnern Sie sich an die Sätze in meinem Anfangsszenario – "Das habe ich Dir doch gesagt. Warum hast Du es dann nicht gemacht? Auf keinen ist Verlass!" Solche Sätze sind verständlich, helfen aber niemanden.

Eine achtsame Gesprächskultur wie: Zuhören, Ausreden lassen und um Feedback fragen ist lernbar. Denn nur so können persönliche Bedürfnisse herausgefiltert werden, Gefühle wahrgenommen und konstruktive Lösungen gefunden werden. Und das alles für das Wohl der Familie und des Betriebs. Nur mit einer offenen Kommunikation können Verantwortlichkeiten getrennt werden, Verstrickungen gelöst und Streitigkeiten verhindert werden. Denn Konflikte entstehen meistens durch unausgesprochene und vorenthaltene Informationen oder durch aufgestaute Gefühle, die weder kommuniziert noch ernst genommen werden.

Ein ganz einfacher Trick, wie Sie Ihrem Gegenüber dabei helfen können Ihre Äußerungen besser anzunehmen, ist das Sprechen in Ich-Botschaften. Ich-Botschaften sagen etwas darüber aus, was man in Bezug auf das Verhalten Anderer gerade fühlt oder wie es einen berührt, ohne Vorwurf oder Angriff.

Ich-Botschaften halten Distanz, bleiben neutral und schaffen Klarheit:

  • Ich kann nicht arbeiten, wenn ich ständig gestört werde.
  • Ich bin wirklich ärgerlich, wenn ich sehe . . .
  • Ich bin ganz durcheinander, wenn . . .
  • Ich fühle mich . . .
  • Ich-Botschaften erfüllen drei wichtige Kriterien für die Konfliktlösung:
  • Sie fördern die Bereitschaft, sich zu ändern.
  • Sie enthalten kaum eine negative Bewertung des Gesprächspartners.
  • Sie vertiefen die Beziehungen.
  • Einfach ausprobieren!

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Gemeinsame Weiterbildung stärkt den Zusammenhalt im Unternehmen. Foto: ARochau/AdobeStock

2. Coaching integrieren

Eigentlich schreibt es sich leichter und es ist einfacher in Ich- statt in Du-Botschaften zu kommunizieren. Doch wir sind es gewohnt mit Vorwürfen, Anschuldigungen und Missbilligungen zu argumentieren. Das haben wir so gelernt.

Wir holen uns für Planzahlen, wirtschaftliche oder juristische Belange ganz schnell Hilfe, wenn es jedoch um das Zwischenmenschliche geht, kommt Scham und es wird peinlich. Bleiben Sie offen, holen Sie sich professionelle Hilfe. Es lohnt sich!

Eine externe Begleitung kann eine wertvolle Hilfe sein, um betriebliche Herausforderungen besser zu meistern, nachhaltige Strategien zu entwickeln und langfristig zu integrieren. So setzen sie vor allem immer wieder neue Impulse. Berater optimieren Prozesse im Betrieb, bieten Schulungen für das gesamte Team und sind Experten für Weiterbildungsangebote und Unternehmensentwicklung. Ein Coach kümmert sich gezielt um den Menschen und manchmal auch ums Team. Er sieht eingefahrene Prozesse, Familienkonflikte von außen und kann durch seine Neutralität alte Muster aufdecken und durchbrechen. Ein Coach bringt Klarheit, Struktur und neue Perspektiven in die menschliche und emotionale Seite des Familienbetriebs, die weder ein Unternehmensberater, noch ein Steuerberater lösen kann.

Professionelle Coaches findet man beispielsweise über Branchenverbände, IHKs, Handwerkskammern sowie über regionale Beratungsdienste für Wirtschaftsförderung für lokale Unternehmen. Außerdem gibt es Online-Beraterbörsen oder Coaching-Verbände, die Empfehlungen aussprechen können. Auch eine private Empfehlung eines Mediators kann eine Mögllichkeit sein. Familie und Betrieb wollen nebeneinander bestehen. Wenn man einen Coach gefunden hat, lohnen sich regelmäßige Treffen, denn Veränderungen brauchen Zeit und Perspektivwechsel.

3. Weiterbildung fokussieren

Gute Weiterbildung innerhalb der Familie trägt dazu bei, den Betrieb zukunftssicher zu machen und alle Familienmitglieder auf dem neuesten Stand zu halten. Gemeinsame Workshops oder Seminare fördern den Austausch und gemeinsames Lernen bringt außerdem Spaß. Schöne Nebeneffekte sind dabei zudem, dass man neue Menschen kennenlernt und sich über neue Lösungsideen austauschen kann.

Ein kurzer Einblick aus einem, der von mir geführten Seminare zu dem Thema Familienbetrieb: Zu den Teilnehmenden gehörte ein Betriebsinhaber mit seiner Frau, deren Thema die Betriebsübergabe war. Der Firmenchef hat ganz offen von seinen persönlichen Problemen erzählt. Ein paar Stühle weiter saß ein junge Mann, der gerade im Begriff war, seinen elterlichen Betrieb zu übernehmen. Er hörte aufmerksam zu. Bei meiner Frage, was die Anderen aus ihrer Sicht empfehlen würden, kam als Feedback von dem jungen Mann: "Jetzt verstehe ich meinen Vater, warum er so denkt. Das war jetzt sehr hilfreich und erlösend für mich."

Es geht in Familienbetrieben sehr viel um gegenseitiges Verständnis, Einfühlsamkeit und Empathie. Dazu kann auch ein Seminar beitragen. Nicht jeder will ein Einzelcoaching, daher bietet sich ein Workshop an, wie soeben beschrieben.

Zum besseren Verständnis ein weiteres Beispiel: Ein Garten- und Landschaftsbau-Betrieb wird seit 30 Jahren von den Eltern geführt, die Tochter möchte übernehmen, der Sohn ist unsicher, ob er einsteigen soll. Zwischen den Geschwistern entstehen Spannungen und die Eltern trauen sich in diesem Fall nicht die Verantwortung zu übergeben. Was bietet ein Workshop für alle Beteiligten? Die Moderation wird von einem Coach übernommen. Der Workshop bietet einen neutralen Rahmen unter Gleichgesinnten, Konflikte können sachlich aufgearbeitet werden, ohne persönlich zu eskalieren. Rollen werden geklärt, wer übernimmt die Verantwortung, welche Stärken werden in der Familie gesehen.

Es können die Übergabeschritte erarbeitet werden. Im Anschluss nach einem solchen Workshop wird auch der Nachfolgeprozess begleitet, wenn gewünscht, Führungsqualitäten werden gestärkt und der Sohn kann reflektieren, ob es für ihn besser wäre sich außerhalb des Betriebs zu verwirklichen. Es gibt weniger Streit, es gelingt Schritt für Schritt und eine Zukunftsstrategie ist vorstellbar.

Eine langfristige Weiterbildungsplanung, legt fest, was in Zukunft wichtig ist und welche Kompetenzen künftig für ein gesundes Wachstum relevant sind. Jedes Familienmitglied fühlt sich durch regelmäßige Weiterbildung und Workshops in der Firma besser intergiert und eingebunden. Regelmäßige Meetings können nach Weiterbildungen den jeweiligen Wissenstand vertiefen und auch Mitarbeiter am Wissen teilhaben lassen.

Ausbildung und Beruf
In Deutschland gibt es rund 3 Millionen Familienunternehmen. Foto: Mongkolchon/AdobeStock

4. Balance finden

Balance finden von Selbstzweifeln zu Selbstreflektion, von Ablehnung zu Annahme und von Chaos zur Klarheit, das sind die Hauptthemen um eine innere Balance zu finden. Einige Impulse, die im täglichen Beachtung finden können, Schritt für Schritt. Und wichtig, jeder einzelne kleine Schritt ist bereits ein Fortschritt. Dieses Tool hebt sich von dem Thema "Coaching integrieren" insofern ab, dass die innere Balance nur Du selbst finden kannst.

Setze klare Grenzen und lege feste Arbeitszeiten fest, denn auch Familie, Freundschaft und Freizeit/Sport/Hobby/Entspannung brauchen feste Zeiten. Spreche offen in der Familie über Bedürfnisse, Grenzen und Erwartungen. Plane gemeinsame Freizeit. Ein Familienkalender in der Küche kann einladen, um Familienevents einzutragen. Lerne zu delegieren und übertrage Arbeiten an andere Familienmitglieder oder an externe Helfer. Es entlastet und schafft Raum für andere Aktivitäten. Ein Staubsauger-Roboter kann in diesem Fall ein Gamechanger sein. Das wichtigste ist, auf Dich selbst und Deine Familie zu hören und gegenseitig die Grenzen zu respektieren. So bleibt der Familienbetrieb eine positive Erfahrung und das tägliche Arbeiten macht Freude.

Seien Sie mutig, probieren Sie sich aus, bleiben Sie gegenseitig füreinander offen. Ernten Sie den Mehrwert achtsamer Kommunikation, balancieren Sie täglich zwischen Ihrer Liebe zum Betrieb und Ihrer Familie. Und seien Sie gemeinsam stolz auf Ihren Familienbetrieb.

Mentoring und Coaching, Kommunikationswirtin Manuela Achhammer
Autorin

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