Mitgliederversammlung in LVGA Großbeeren und Potsdam

QBB: Klimawandel ist Generalthema für mehrere Generationen

Die Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) versammelte sich Ende Mai zu ihrer diesjährigen Schulung und Mitgliederversammlung in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik (LVGA) in Großbeeren. 120 Geschäftsführer und Mitarbeitende aus QBB-Mitgliedsunternehmen nutzten die Gelegenheit, um sich fortzubilden und aktuelle fachliche Herausforderungen der Baumpflege zu diskutieren.
Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e.V. (LVGA) Baumpflege
Rund 120 QBB-Mitglieder trafen sich zur jährlichen Schulung und Mitgliederversammlung in Großbeeren und Potsdam. Foto: QBB

Praxisorientierte Workshops

Christian Draeger, 1. Vorsitzender der QBB, begrüßte die Teilnehmenden mit Blick auf den Anlass und den Ort: „Der Klimawandel und seine mitunter dramatischen Folgen für die Umwelt beeinflussen unsere Arbeit immens. Er ist das Generalthema unserer und folgender Generationen, mit dem wir uns dauerhaft in vielen Details auseinandersetzen müssen.

Wir alle wissen, Qualität fällt einem dabei nicht einfach in den Schoß, sie will kontinuierlich erarbeitet werden. Das erfordert Neugier, Fleiß und stetes Wissen-Wollen!“ Genau dafür, so Draeger, böte die LVGA mit ihrer Verbindung aus Lehre, Weiterbildung und Versuchswesen einen idealen Rahmen.

Den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung bildeten am Freitag vier praxisorientierte Workshops auf dem Gelände der LVGA in Großbeeren. Die Themenvielfalt spiegelte die Bandbreite moderner Baumpflege wider: Ein Workshop der Fachfirma Terrafit führte die Teilnehmenden durch den Ablauf einer Bodenbelüftungsmaßnahme am praktischen Beispiel, von der richtigen Standortbeurteilung über den Einsatz geeigneter Technik bis hin zur Auswahl passender Zuschlagsstoffe.

Peer Wischenkow von der LVGA Großbeeren beleuchtete in seinem Workshop die Artenvielfalt in der Baumpflege, ein Thema, das angesichts des Artensterbens und des Klimawandels zunehmend in den Fokus der Branche rückt.

Streuobstbaum als Alleenbaum

Maria Bach, ebenfalls von der LVGA, widmete sich dem Berufsbild des Obstbaumwarts und der Streuobstbaumpflege als Sonderfall innerhalb der Baumpflege. Viel Aufmerksamkeit erhielt auch der Workshop „Streuobstbaum als Alleebaum“ von Sören Hobohm von der Baumschule Nauen. „Obstalleen haben früher Menschen mit vielfältigen Früchten versorgt. Heute muss man sich erst informieren, um sich mit der Ernte nicht strafbar zu machen", sagte der Referent und verwies anschließend auf das Potenzial von Obstalleen, im Rahmen der Umsetzung von § 40 Bundesnaturschutzgesetz an untergeordneten Straßen zur Erhöhung der Artenvielfalt beizutragen.

Die praktische Umsetzung von Obstalleen scheitere trotz erreichbarer Lichtprofile jedoch oft an ihrer zu geringen Distanz zum Fahrbahnkörper. Hobohm machte weiterhin deutlich, dass ältere, vitale Obstbaumbestände, die heute noch gut dastünden, auch auf ihre Resilienz gegenüber längeren Trockenperioden hin bewertet werden müssten.

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Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e.V. (LVGA) Baumpflege
Sören Hobohm von der Baumschule Nauen erläuterte in seinem Workshop die Vorteile von Obstgehölzen als Alleenbäume. Foto: QBB

Sachverständige und Baumpfleger

Am zweiten Veranstaltungstag setzte die QBB ihre Schulung im Dorint Hotel Potsdam mit drei Kurzvorträgen fort. Der Sachverständige Christoph Beckschulte sprach über „Baumpflege aus Sicht des Sachverständigen“ und nahm gezielt mögliche Missverständnisse zwischen Sachverständigen und ausführenden Baumpflegern in den Blick.

Seine These: Während Sachverständige im Rahmen eines klar definierten Auftrags neutral auf konkrete Fragestellungen antworten müssten, verfolgten Baumpflegebetriebe in der Regel eine stärker handlungs- und lösungsorientierte Perspektive.

Beckschulte warb für gegenseitiges Verständnis: „Ob Baumpfleger oder Sachverständiger: Beide haben Ahnung von der Materie, kommen aber aufgrund ihrer verschiedenen Hintergründe zu anderen Ergebnissen.“ Sein Anliegen sei es, Respekt für die jeweils andere Sichtweise zu fördern und damit Missverständnisse in der Praxis zu verringern.

Philipp Sattler, Geschäftsführer der Stiftung „Die grüne Stadt“ beleuchtete in seinem Vortrag die Rolle von Bäumen als Schlüssel für lebendige Städte und Daniel Kaiser von der LVGA Großbeeren berichtete über die Baumartenwahl im Klimawandel und die „Allee von morgen“. Auch diese Themen zeigen, wie breit das berufliche Spektrum der Baumpflege inzwischen geworden ist.

Antje Kottich

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