Ökonomisch betrachtet
Ohne Frauen sinkt der Branchenumsatz um 1 Mrd. Euro
von: Prof. Dr. Heiko MeinenBei 45,9 Millionen Erwerbstätigen ergibt sich so eine Lücke von etwa 8,7 Prozent. Der Vorschlag, mehr erwerbstätige Personen zu motivieren, länger im Job zu bleiben oder dauerhaft mehr zu Arbeiten (beispielsweise durch Anreize zu Überstunden), ist bei den körperlich belastenden Tätigkeiten auf dem Bau kaum realistisch und kann nur wenig Potenzial entfalten.
Zudem wird bereits mit Arbeitszeitkonten gearbeitet, um die Wintersaison zu überbrücken, was leidlich in Zeiten des Klimawandels funktioniert. Umgerechnet auf den GaLaBau werden also bis 2036 über 11.000 Stellen offenbleiben. Zwangsläufig wird damit der Branchenumsatz um eine knappe Milliarde Euro sinken.
Nur Zuwanderung und Produktivitätssteigerung können das Problem kurzfristig lösen. Wie aber eine derartige Verbesserung der Produktivität erreicht werden soll, ist völlig unklar – auch mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz, da vieles von handwerklicher Arbeit abhängt.
Ein Aspekt, der nach wie vor im Baubereich zu wenig beachtet wird, ist die Beschäftigung von Frauen. Noch liegt der Anteil in baugewerblichen Berufen bei nur 1,9 Prozent. Bei den gewerblichen Auszubildenden liegt der Anteil bei 3,5 Prozent, wie das RKW (RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft) berichtet. Im Garten- und Landschaftsbau liegt der Frauenanteil in der Ausbildung 2023 bei immerhin 14 Prozent. Offenbar ist die Branche attraktiver für Frauen.
Nach einem Bericht der Taspo auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) liegt der Frauenanteil im Berufsbild Gärtner bei 20 Prozent. Angesichts der deutlich geringeren Ausbildungsquote in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau scheint hier aber eine Korrektur nötig zu sein. Von den insgesamt 2.823 in Ausbildung befindlichen Frauen (Destatis, 2023) sind 49 Prozent im Berufsbild Garten- und Landschaftsbau beschäftigt. Es ist also anzunehmen, dass der Frauenanteil im Garten- und Landschaftsbau auf den Baustellen bei nicht einmal 10 Prozent liegt. Nur rund 13.000 Beschäftigte im GaLaBau sind also Frauen. Da ist viel Luft nach oben.
Wie das DIW berichtet, ist aber eines der größten Arbeitskräftepotenziale, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern. 2022 liegt der Anteil erwerbstätiger Frauen demnach bei 73 Prozent, wobei knapp 50 Prozent (Destatis, 2024) in Teilzeit arbeitet. Auch wenn viele gerne mehr arbeiten würden verhindern strukturelle Rahmenbedingungen, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gepaart mit Minijob-Grenzen und Ehegattensplitting, dass sich mehr Arbeit lohnt oder möglich ist. Auf den Baustellen ist zudem aus Sicht vieler Unternehmer ein Teilzeitmodell (noch) kaum vorstellbar.
Allerdings, nehme man einmal an, dass sich im GaLaBau die Frauenquote zumindest einmal auf den, im Gartenbau allgemein vorhandenen Anteil von 20 Prozent erhöhen ließe. Dann wäre das oben genannte Babyboomer-Problem bereits mehr als behoben. Dazu müssen aber Teilzeitmodelle angeboten werden, damit sich Beruf und Familie besser miteinander verbinden lassen. Zudem müssen die Arbeitsbedingungen weiter verbessert werden, die die körperliche Tätigkeit weniger beschwerlich machen. Lösungen wie Exoskelette oder eine gezielte Beschäftigung in der Pflege sind denkbar.
Einzelne Betriebe zeigen bereits, dass Teilzeitmodelle auch auf der Baustelle möglich sind. Allerdings ist ein höherer Organisationsaufwand nötig. Angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen, scheint aber um die Flexibilisierung der Arbeitszeit kein Weg herum zu führen. Damit das Ganze wirtschaftlich funktioniert, könnten KI-Anwendungen bei der komplizierten Personaldisposition helfen.
Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen
h.meinen@kullmann-meinen.de
NL-Stellenmarkt

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