Ökonomisch betrachtet - Was wichtig war und bleibt

Ein Rück- und Ausblick

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Dank einer etwas besseren, allgemeinen Konjunktur und einer weniger starken Entwicklung bei den Automobilverkäufen konnte der Branchenumsatz 2023 wieder einmal deutlich auf 10,34 Mrd. Euro steigen. Und das trotz Leerstand und notleidenden Krediten im Bereich der Gewerbeimmobilien einerseits und Wohnungsmangel beziehungsweise Bauklemme andererseits

Doch so schön es scheint, ist die Lage im GaLaBau nicht. Manche Betriebe berichten von einer ungebrochenen Nachfrage, andere stellen einen deutlichen Rückgang der Anfragen aus dem Wohnungsbau oder einen erhöhten Wettbewerbsdruck bei öffentlichen Ausschreibungen fest. Auch die Auftragsgrößen ändern sich. Die unsichere Lage zeigt letztlich die Insolvenzquote, die schon 2023 deutlich gestiegen war. Auf der Kostenseite stabilisieren sich zwar die Materialkosten, dennoch suchen viele Betriebe nach Strategien, wie sie Personalkosten senken können und operieren zunehmend mit Fremdleistungen. Letztlich wurde 2023 so ein durchschnittliches Betriebsergebnis auf dem Niveau von 2020/21 erreicht. Angesichts der noch recht positiven, allgemeinen Konjunkturdaten schien auch 2024 einmal wieder ein Wachstumsjahr zu werden. Die sehr positive Prognose von 11 Mrd. Euro Branchenumsatz musste im Herbst aber auf rund 10,7 Mrd. Euro korrigiert werden, denn das nun doch sinkende Bruttoinlandsprodukt (BIP) drückt auch den GaLaBau-Umsatz. Üblicherweise wirkt sich der Rückgang der Inlands-Automobilverkäufe, stellvertretend für alle anderen Investitionsgüter positiv auf die Branche aus. Allerdings sinkt inzwischen auch die Konsum- und Investitionsbereitschaft und so könnte dieser Effekt in 2025 verpuffen und den GaLaBau mit in den Abwärtstrend ziehen.

Der Blick auf die allgemeine Konjunktur, das Investitions- und Konsumverhalten der privaten Haushalte und die Bau-/Immobilienkrise zeigt der Branche auf, wie lange die Durststrecke noch dauern wird und andererseits, welche Faktoren einen Wettbewerbsvorteil bedeuten (Werttreiber am Immobilienmarkt und Markttrends). Zumindest kann festgestellt, werden, dass das Investitionsinteresse in der Immobilienwirtschaft verhalten zurückgekehrt ist. Damit wächst zunächst wieder der Immobilienhandel und in der Folge die Bautätigkeit. Der Finanzbereich und die Realität treiben dabei das Thema Nachhaltigkeit. Und auch, wenn die Regierung so ziemlich jede Verlässlichkeit in diesem Bereich konterkariert hat, so klar ist der Trend bei den Marktakteuren. Klare Nachhaltigkeitsausrichtung, eine effiziente Kostenstruktur und eine solide Kapitalbasis für die Krisenjahre sind das Erfolgsrezept, um ab 2026/2027 wieder durchstarten zu können. Schade nur, dass Betriebe, die sich aktiv auf den Weg in eine nachhaltigere Zukunft machen wollten, nun doch keine Unterstützung durch die Innovationsprämie erhielten. Diese war noch Ende 2022 Teil des sogenannten Wachstumschancengesetzes mit Wirksamkeit ab 2024. Dieser Anreiz wäre für die Branche sicher wichtiger gewesen als die Forschungszulage, die nur für einen sehr kleinen Teil der Betriebe in Frage kommt. Das Wachstumschancengesetz eröffnete aber durchaus auch Chancen für die GaLaBau-Betriebe. Finanzielle Spielräume ergeben sich sowohl für Betriebe, für die das Geschäft gut läuft, als auch für diejenigen, bei denen die Lage angespannt ist.

Bedeutend blieb und bleibt das Thema Arbeit. Die Arbeitskosten im Landschaftsbau sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Dabei nimmt die Produktivität je Mitarbeiter ab. Die steigende Fremdleistungsquote könnte hierauf eine Reaktion sein, aber auch die verzweifelte Lage am Arbeitsmarkt, die trotz sinkendem Geschäftsklima bestehen bleibt. Die Zahl der offenen Stellen liegt immer noch bei enormen 8.000 bis 10.000 (siehe Beitrag NL 8/24). Hinzu kommt die Problematik des demographischen Wandels, befeuert insbesondere durch den Renteneintritt der Babyboomer bis 2036. Im GaLaBau werden so bis 2036 über 11.000 Stellen offen bleiben. Zwangsläufig wird damit der Branchenumsatz um eine knappe Milliarde Euro sinken, wenn keine Abhilfe geschaffen wird. Länger im Job zu bleiben oder dauerhaft mehr zu Arbeiten ist bei den körperlich belastenden Tätigkeiten auf dem Bau kaum realistisch. Nur Zuwanderung und Produktivitätssteigerung können das Problem kurzfristig lösen. Wie aber eine derartige Verbesserung der Produktivität erreicht werden soll, ist völlig unklar – auch mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz, da vieles von handwerklicher Arbeit abhängt. Insofern ist fraglich, ob die Erkenntnisse einer Studie des McKinsey Global Institute (MGI), die einen Produktivitätszuwachs von bis zu drei Prozent pro Jahr prognostizieren, im Baubereich verfängt.

Ein Aspekt, der zu wenig beachtet wird, ist die Beschäftigung von Frauen. Unter der Annahme, dass sich im GaLaBau die Frauenquote auf den Baustellen von nicht einmal 10 Prozent auf den, im Gartenbau allgemein vorhandenen Anteil von 20 Prozent erhöhen ließe, wäre das oben genannte Babyboomer-Problem mehr als behoben. Dazu müssen aber Teilzeitmodelle angeboten werden, damit sich Beruf und Familie besser miteinander verbinden lassen. Zudem müssen die Arbeitsbedingungen weiter verbessert werden, die die körperliche Tätigkeit weniger beschwerlich machen. Noch scheuen viele Betriebe den erhöhten Aufwand. Das das trotzdem eine gute Idee ist, unterstützt auch eine Untersuchung des ifo-Instituts (für den Automobilbereich). In grünen Firmen ist die Arbeitsplatzattraktivität generell deutlich höher als bei eher konventionellen Firmen (durchschnittlich 34 bis 50 %!). Damit schließt sich der Kreis.

Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen

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Prof. Dr. Heiko Meinen
Autor

Leiter des Instituts für nachhaltiges Wirtschaften in der Bau- und Immobilienwirtschaft (inwb), Hochschule Osnabrück

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