Ökonomisch betrachtet

Risikomanagement in der Bauwirtschaft

von:
Eigentlich ist es nur ein kurzer Paragraph, der für die Bauwirtschaft eine besondere Bedeutung entfaltet. Der Paragraph 1, Nr 1 des Gesetzes über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) verlangt, dass die Geschäftsführung fortlaufend über Entwicklungen, welche den Fortbestand des Unternehmens gefährden können wachen.
Ökonomisch betrachtet GaLaBau

Erkennen sie solche Entwicklungen, ergreifen sie geeignete Gegenmaßnahmen und erstatten darüber unverzüglich Bericht. Das gilt auch für kleine- und mittlere Unternehmen im GaLaBau.

Die Bauwirtschaft ist gemeinhin als eine der risikoreichsten Branchen bekannt. Dies spiegelt auch die, im Vergleich hohe Insolvenzrate wider. Doch ein Risikomanagement existiert in aller Regel nicht. Geschäftsführende können aber persönlich in die Haftung genommen werden, wenn sie ihren Pflichten zur Risikofrüherkennung nicht nachkommen.

Das StaRUG macht keine konkreten Vorgaben, wie ein Frühwarnsystem im Detail ausgestaltet sein muss. Allerdings existiert auch in Paragraph 91, Nr. 2 Aktiengesetz eine analoge Regelung, sodass die dazu etablierten betriebswirtschaftlichen Grundsätze und Standards als Maßstab herangezogen werden können. Entscheidend ist, dass Risiken systematisch erkannt, angemessen bewertet und insbesondere zusammengefasst werden.

Die Erfahrung zeigt, dass sich gerade die kleinen und mittleren Bauunternehmen sehr schwer mit dem Aufbau eines Risikomanagements tun. In der Regel werden Risiken aus dem Bauch heraus bewertet und irgendwo im "Wagnis- und Gewinnzuschlag" verarbeitet. Eine strukturierte Zusammenfassung auf Betriebsebene ist so gut wie nie zu finden.

Dabei lässt sich ein pragmatisches System sehr einfach einführen:

Auf Projektebene

1. Risiken im Rahmen eines Brainstormings im Angebotsprozess identifizieren.

2. Das jeweilige Risiko anhand einer groben Eintrittswahrscheinlichkeit und einem geschätzten Schadensausmaß bewerten und beides multiplizieren.

3. Die Summe der Einzelwerte bilden (Gesamtrisiko) und entscheiden, inwieweit das berechnete Risiko im Wagnis- und Gewinnzuschlag eingepreist werden soll.

4. Den Rest über alle laufenden Projekte aufsummieren, um das operative Risiko im gesamten Betrieb zu erhalten.

Auf Betriebsebene sollten darüber hinaus weitere Überlegungen angestellt werden:

1. Gibt es systematische Risiken (Häufung bestimmter Projekttypen oder Kunden), sodass sich strukturelle Abhängigkeiten ergeben?

2. Ist die Projektgrößenstruktur ausgewogen? (Lassen sich einzelne große Verlustprojekte durch eine ausreichende Zahl erfolgreicher Projekte ausgleichen?)

3. Wie sind die Zahlungskonditionen ausgestaltet? (Sicherung eines ausreichenden Liquiditätspolsters.)

4. Gibt es ausreichend Kapital, um die möglichen Risiken abzufangen?

Die beschriebene Vorgehensweise bietet eine systematische und effiziente Auseinandersetzung mit Risiken und ist leicht anhand einer Exceldatei zu dokumentieren. Auch kleine Betriebe sind damit in der Lage den Anforderungen des StaRUG zu entsprechen.

Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen

h.meinen@kullmann-meinen.de

NL-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Technische Leitung (m/w/d) des Botanischen Gartens, Düsseldorf  ansehen
Baumpfleger (m/w/d) bei der Stadtgärtnerei , Freising  ansehen
Fachgebietsleitung Grünflächenbewirtschaftung..., Wolfsburg  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Prof. Dr. Heiko Meinen
Autor

Leiter des Instituts für nachhaltiges Wirtschaften in der Bau- und Immobilienwirtschaft (inwb), Hochschule Osnabrück

Hochschule Osnabrück

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle GaLaBau Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen