Ökonomisch betrachtet: Unternehmensinsolvenzen
Da braut sich was zusammen
von: Prof. Dr. Heiko MeinenWie die Creditreform anmerkt, sind viele Betriebe hoch verschuldet, kommen schwer an neue Kredite und kämpfen mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen oder Regulierung.
Auch wenn die Insolvenzquote im Baugewerbe nur um 4,7 Prozent stieg, so trifft es doch vor allem die Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, die typisch für die Baubranche sind und fast 90 Prozent auch im GaLaBau ausmachen.
Tatsächlich lässt sich beobachten, dass sich die bonitätsrelevanten Kennzahlen verschlechtert haben. Zunächst fällt auf, dass die Investitionsquote seit 2021 stark zurückgeht und sich 2023 mit 4,2 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 2015 befindet. Noch bleibt dagegen die Abschreibungsaufwandsquote hoch und sichert somit einen relativ hohen Cashflow. Wenn jedoch in den kommenden Jahren wieder investiert werden muss, fehlt dieses Potential und zwingt die Betriebe zu einer höheren Fremdfinanzierung. Dafür muss aber die Bonität stimmen.
Wenn jedoch seit 2022 die Eigenkapitalquote als zentrale Kenngröße für die Bonität sinkt, genauso wie alle anderen wesentlichen Ratingkennzahlen, dann wird das schwierig. Zudem steigt bereits seit 2020 sowohl der Verschuldungsgrad allgemein als auch die kurzfristige Verschuldung.
Eine weitere Schwierigkeit zeigt sich beim Liquiditätsmanagement, da sich ebenfalls seit 2022 die Debitorenlaufzeit erhöht und gleichzeitig die Kreditorenlaufzeit tendentiell sinkt. Mit anderen Worten: Die Kunden zahlen später, wohingegen die Lieferanten früher bezahlt werden müssen. Wie das Debitorenregister der Creditreform für das erste Quartal 2025 zeigt, liegt der Zahlungsverzug im Baugewerbe mit durchschnittlich 13,5 Tagen weit über dem Durchschnitt aller Branchen (7,7 Tage). Nach dem "Zahlungsmoralbarometer" des Kreditversicherers Atradius werden zuvorderst wirtschaftlicher Druck und Liquiditätsprobleme der Kunden genannt. Und das trifft nicht nur auf gewerbliche Kunden zu. Denn nach den Daten der Creditreform sind auch die Verbraucherinsolvenzen rum über 6,5 Prozent gegenüber 2024 gestiegen.
Nach einer Umfrage des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) im Sommer 2025 bewerten die Betriebe aber das Zahlungsverhalten öffentlicher Auftraggeber am schlechtesten. 20 Prozent der Baufirmen müssen demnach bis zu sechs Monate länger auf ihr Geld warten, wie die Deutsche Handwerkszeitung am 6.8.2025 berichtete.
Und dann ist da noch die Lagerdauer. Mit Beginn der Lieferkettenprobleme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist sie sprunghaft gestiegen. Das heißt, die Betriebe müssen wieder mehr Lagerhaltung betreiben. Und das bindet Kapital und belastet die Bonität weiter. Die Folge sind zunehmende finanzielle Schwierigkeiten, die sich auch durch die vermehrten Anfragen zu diesem Thema im Beratungsalltag zeigen.
Zwar spielt die Umsatz- und Preisentwicklung im GaLaBau bislang noch für die Branche, das finanzielle Umfeld wird jedoch schwieriger. Neben der jährlichen Erfolgsplanung sollten die Betriebe daher auch eine mehrjährige, strategische Finanzplanung in Erwägung ziehen, um die richtigen Management-Entscheidungen treffen zu können. Denn Hauptgrund für die Insolvenz sind in über 50 Prozent der Fälle falsche Strategie- und Investitionsentscheidungen.
Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen
h.meinen@kullmann-meinen.de
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