Natürliche Pflanzungen in Kombination mit Naturstein

Ein Schwedengarten am Rande des Schwarzwalds

von:
Ein sehr hochwertiges Holzhaus in einem Teilort von Calw, am Rande des Schwarzwalds gebaut von einem Fertighaushersteller von der schwäbischen Alb. Das Haus ist in Falunrot gestrichen, Haustüre und Gartenmöbel in dezentem Mintgrün.
Natursteine GaLaBau
Eine wunderschöne Abendstimmung belohnt den arbeitsreichen Tag. Foto: Jeutter

Die Kunden, die uns für dieses Projekt angefragt und dann beauftragt hatten, sind schweden-begeistert und hatten uns über Instagram gefunden, einen Kanal, der heutzutage im privaten Bereich unabdingbar geworden ist. Der Beitrag, der den Kontakt zustande gebracht hat, zeigte eine Pflanzung in harmonischem Zusammenspiel mit einem Natursteinmäuerchen.

Im Grunde genau das, wofür viele Gärten in Schweden stehen – Natürliche Pflanzungen in Kombination mit Naturstein. Die Verwendung von Findlingen, klassischen Gehölzen wie Apfelbäumen oder Birken und unbehandeltem Holz sind typische Gestaltungselemente schwedischer Gärten. Orientiert an diesen Vorgaben hatten wir eine relativ große Gestaltungs- und Planungsfreiheit.

Klimaangepasst, pflegeleicht und robust

Erste Kundenwünsche: Der Eingangsbereich sollte auf jeden Fall ein typisch schwedisches Holzpodest bekommen. Während der Hang auf der Westseite mit einer funktionalen Treppe, einen bequemen und trittsicheren Zugang zum Garten ergeben sollte. Viel Insektenweide und Unterschlupf. Der Garten soll pflegeleicht und robust sein, auch was die Klimaveränderung angeht. Mehr Vorgaben waren anfänglich nicht gesetzt und so blieb uns doch ein recht großer Spielraum.

Für die Details in der Planung war die Entscheidung für welche Art Steine und Holz ausschlaggebend. Der erste Gedanke in Bezug auf Schweden war Granit oder Gneis. Vor allem auch, weil die erste Gartenversion mit Wasserbausteine aus dem Schwarzwald gearbeitet war.

Das Angebot an typisch schwedischem Material ist bei uns eher gering. Vor allem, wenn die Steine möglichst wenig Kilometer auf der Straße befördert werden sollen. Klar, lässt sich auch dieses Material beschaffen und handwerklich sehr schön verarbeiten. Wir haben uns bei der Empfehlung dann aber für Schilfsandstein entschieden. Dieser zeigt einen hervorragenden Kontrast zum Falunrot des Hauses, während er sich in den grünen Akzenten der Möbel und der Haustüre widerspiegelt. Er ist „weicher“ und wärmer als Granit oder Gneis, er ist leicht zu bearbeiten und bringt, mit seiner Farbe, eine erdige Note und eine wunderbare Verbindung zu den Pflanzen.

Der Schilfsandstein, der bei diesem Projekt verwendet wurde, wird in etwa 50 km Luftlinie entfernt gebrochen. Nicht nur ein regionaler Vorteil, sondern er hat somit auch einen relativ geringen CO2-Abdruck.

Eine Terrasse aus Douglasien-Holz

Beim Holzpodest, genauso, wie bei der Terrasse, die ein Jahr später verwirklicht wurde, hat man sich bei der Holzart für Douglasie entschieden. Diese beziehen wir aus dem Schwarzwald oder aus dem Schwäbischen Wald. Sie hat so kurze Wegezeiten hinter sich. Die Haltbarkeit bei Douglasie beschränkt sich, je nach Verarbeitungsort, Qualität, Verarbeitung und Anspruch auf 15 bis 25 Jahre. Wobei wir hier eher von 15 Jahren ausgegangen sind. Eine Behandlung, beispielweise durch Ölen ist nicht vorgesehen. Die natürliche Alterung ist hier die Farbe der Wahl.

Ein typisches Gestaltungselement schwedischer Gärten: Das überdachte Holzdeck „Farstukvist“ verbindet die Haustür mit dem Garten und kann zugleich für die „Fika“, die Kaffeepause genutzt werden. Zusätzlich ein Aufenthaltsraum zwischen Hausbaum und Haustüre. Eine Verbindung von der Garage zur Haustüre, ein kühler, schattiger Platz in heißen Sommern, der zum Sitzen einlädt und Nachbarn begrüßt. Der auch bei großer Hitze Aufenthaltsqualität aufweist. Der offene Boden, Mineralgemisch und Splittabstreu von der nahegelegenen schwäbischen Alb ist in der Farbe kein Bruch zum Schilfsandstein.

Lagom (ausgesprochen lah-gom)

Ein zentraler schwedischer Begriff und eine Lebensphilosophie. Er übersetzt sich in etwa mit „nicht zu viel, nicht zu wenig, genau richtig“. So wird ein Gefühl von Balance, Genügsamkeit und funktionaler Harmonie beschrieben, weder geizig noch verschwenderisch.

NL-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Techniker / Meister Fachrichtung Garten-,..., Heilbronn  ansehen
Gärtnermeister*in Fachrichtung Garten- und..., Karlsruhe  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Natursteine GaLaBau
Die Natürlichkeit eines rauen Steins, lässt auch verbräunende Pflanzen eher zu. Foto: Jeutter

Sickerfähiges Mineralgemisch mit Splitt

Auch der Stellplatz sollte weiterhin dieses Material aufweisen. Zeitgemäß, weil sickerfähig und keine Entwässerung ins öffentliche Netz notwendig ist. Günstig in der Gestehung. Kühlend, wenn Pflanzen wachsen dürfen. Und für ambitionierte Gartenbesitzer auch spannend, weil hier Aussaaten aus den angrenzenden Beeten aufgehen und Insekten anlocken. Hier kann das Eingreifen mit wenig Jäten deutlich mehr Spaßfaktor aufweisen, als bei der Randsteinritzenjagd im Betonpflaster.Für die Hangsituation auf der Westseite des Hauses war eine funktionale Treppe elementar. Steine sollten den Hang gliedern, aber nicht zu mächtig wirken. Hier hilft uns auch der Bewuchs im Laufe der Jahre.Eine unserer Prämissen ist unseren Mitarbeitenden so viel gestalterischen Freiraum wie möglich zu lassen. In diesem Fall war der Vorarbeiter ein junger Meister, der sehr tief in der Materie der Steinbearbeitung zu Hause ist. Die Herausforderung für die Ausführenden bestand darin, sich mit der Treppe von unten nach oben und anschließend mit Mäuerchen und Findlingen wieder von oben nach unten zu schaffen. Entlang der Treppe und an der Hauswand im unteren Bereich wurden Findlinge gesetzt, um noch einmal eine Balance zwischen großen, unregelmäßigen Steinen und einer sauber aufgesetzten Mauer und Treppenanlage zu finden.

Am Hang eine Sandstein-Treppe

Der Sandstein wurde für vier verschiedene Anwendungen direkt vom Steinbruch geliefert, in Form von Krustenplatten, Findlingen, Stufenplatten und Mauerquadern. Im Vorgarten wurden die Krustenplatten als Zugang von Straße zur Haustür in ein Splittbett verlegt und spiegelten sich in der Einfahrt, um das natürliche, bruchraue Erscheinungsbild zu wiederholen.

Die großzügigen Formate und die Stärke von ca. 12 cm geben eine Sicherheit von Stabilität und beinahe das Gefühl, man würde auf gewachsenem Felsen laufen. Die Fugen der Platten wurden bepflanzt und so dürfen auch die Ränder überwachsen – wo bereits gepflanzt ist, kommt auch weniger unerwünschtes Beikraut.

Natursteine GaLaBau
Alte Folie, alter Teich - Kaschieren von Problemzonen. Foto: Rottenkolber

Die Treppe in den Garten wurde aus bruch- bzw. spaltraue Stufen- und Podestplatten hergestellt mit einem relativ hohen Steigungsverhältnis. Bei einer Stufenhöhe von etwa 19 cm war es möglich, die Anzahl der Stufen zu minimieren und gleichzeitig eine gut begehbare Treppe zu schaffen. Diese wurde auf Magerbeton gegründet. Durch die raue Oberfläche der Steine, kann auf den Gebrauch von Kontaktschlämmen verzichtet werden.

Zwischen Stufenanlage und Hauswand wurden zwei Mauern gezogen, um die Höhenunterschiede abzufangen. Ein Schichtenmauerwerk mit versetzten Lagerfugen und wechselnden Stein- und Schichthöhen. Die Steine kamen vom Steinbruch vorgerichtet in unterschiedlichen Schichthöhen (5,10,15,20 cm) und konnten so recht flott aufgesetzt werden.

Der Arbeitsraum war beim Bau des Hauses sehr großzügig bemessen. Wenn auch Verfüllung schon fast zwei Jahrzehnte her war, haben wir die obere Mauer, zur Sicherheit auf ein armiertes Betonfundament gesetzt. Die Steine beim Aufsetzen leicht hinterbetoniert. Dies kann, bei entsprechender Neigung, mit Magerbeton ohne Armierung geschehen. Das untere Mäuerchen wurde hingegen nach allen Regeln der Technik voll und ganz trocken aufgesetzt und bietet so einen größeren Lebensraum für Flora und Fauna.

Fast ausschließlich heimische Stauden

Auf eine Eberesche als Wunschhausbaum wurde verzichtet, weil der Unterboden sehr lehmig-tonig ist und im Winter oftmals Staunässe aufweist. Unter anderem deshalb hat man sich für eine Blasenesche (Koelreuteria paniculata) entschieden. Nicht zuletzt wegen der Herbstfärbung, passend zum Anstrich des Hauses. Kein zu „tiefer“ Schatten auf der Nordseite.

Die Auswahl der Stauden und der restlichen Gehölze haben wir mit den Kunden nach Farben, Wuchshöhen und Pflegeintensität besprochen. Verwendet wurden wenig Gehölze, z.B. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus), Salvia abrotanoides (Blauraute) und Fingerkraut (Potentilla fruticosa `Abbotswood`). An Stauden fast ausschließlich heimische, wie: Knautia arvensis, Scabiosa ochloreuca, Euphorbia cyparissias, Centaurea jacea, Hylotelephiumum telephium, Thymus serpyllum, etc. Knautia und Scabiosa sind bei uns unterschätzte „Dauerblüher“.

Die aus der Vorgängerversion des Gartens vorhandenen Steine wurden dankbar vom Nachbarn angenommen und wieder verwertet. Den anstehenden Boden haben wir gelagert, wieder eingebaut und gut verbessert, um mit so wenig, wie möglich mit Substrat zu arbeiten. Um den recht strukturlosen Boden zu unterstützen, wurde mit AMN, einem organischen Dünger (mit Mykorrhiza und Bakterienstämmen) der Firma MackBioAgrar aufgedüngt. Mit bestem Ergebnis.

Natursteine GaLaBau
In der Sandsteintreppe stecken viele Details – das Ergebis handwerklichen Könnens und großer Empathie für Arbeit und Material. Foto: BGL

Unpassende Formgehölze entfernt

Im nächsten Schritt, im darauffolgenden Jahr wurde die Terrasse hinter dem Haus, möglichst schonend erneuert. Die vorhandenen Unterlagen aus Beton wurden, soweit möglich, wieder verwendet und fachgerecht aufgesetzt. Das Holzdeck wurde vergrößert und mehr übers Wasser geführt. Dies mit einer Metallkonstruktion, um die die geringe vorgegebene Höhe zu erreichen.

Die Schilfsandsteine wurden wieder eingesetzt, um Eckpunkte zu setzen und mit rauen Platten an den Garten heranzuführen. Nicht zuviel, nicht zu wenig. Auch mit dem Hintergrund, dass wir mit größerem Gerät nicht über die Nachbargrundstücke einfahren durften und die vorhandenen Gartenstrukturen möglichst wenig stören wollten. Trotz Sparmaßnahmen, sollte es nachher möglichst harmonisch und perfekt aussehen.

Dies funktioniert nur, wenn die Ausführenden vor Ort einen großen Teil der technischen Details mit ausarbeiten, sehr gute handwerkliche Grundkenntnisse mitbringen und mit jeder neuen Baustelle weiter ausbauen. Dann entsteht mit leichter Führung durch die Bauleitung ein handwerklich gestalteter Garten. In dem viele Details, nicht nur mit dem handwerklichen Können, das ist Voraussetzung, sondern auch mit großer Empathie gearbeitet über viele Jahre sichtbar sind. Ungeachtet der Alterung der Materialien.

Außer bei Pflanzen, die irgendwann als Geschenke in den Garten gekommen sind, wurde auf den Erhalt der Bestandgehölze wenig Rücksicht genommen, da Formgehölze für einen klassischen Schwedengarten eher unüblich sind. Diese widersprechen dem zwangslosen Ideal, dem Lagom. Auch ist die Auswahl der Pflanzen so geartet, dass der Garten sich auch durch Aussaat verändern kann und darf.

Scheinbare Wildheit und Ungepflegtheit

Viele rufen nach einer neuen Gartenästhetik. Weg von den gepflegten und bewässerten Hortensienbeeten. Hin zum Zulassen von scheinbarer Wildheit und Ungepflegtheit. Wir brauchen einen guten Teil dieser Einstellung zu unserem Grün. Die Kunst besteht im Weglassen. Nur so können wir mehr zulassen. Mehr Lebensraum für Insekten und viele andere Tiere. Wir gewinnen keine Bestäuber für unsere Nahrung mit Einheitsgrün.

Deshalb ist auch dieser Garten für uns wichtig. Er kann ein Augenöffner sein, mit dem Hintergrund dieser schwedischen Lebenseinstellung. Wir wollen mit hochwertiger, handwerklicher Arbeit Gärten schaffen, die nicht perfekt sein müssen. Gärten, die Veränderung im Programm haben. Aber gerade deshalb liebenswert und funktional sind, in Zeiten des Wandels. Eben lagom.

 Johannes M. Jeutter
Autor

Gärtnerhof im Marbachtal

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle GaLaBau Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen