Nachhaltigkeit in der Sportboden-Industrie

Neue Recyclingprodukte aus alten Kunstrasensystemen gewinnen

Die Zahl der Kunstrasenplätze, die ausgetauscht werden müssen, wächst konstant. Und damit auch die Zahl der Felder, die wiederverwertet müssen. Foto: Nudphon, Adobe Stock

Für die Sportboden-Industrie ist das Recycling alter Kunstrasenfelder eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Die Zahl der Plätze, die ausgetauscht werden müssen, wächst konstant. Und damit auch die Zahl der Felder, die wiederverwertet werden müssen.

Bisher waren wirklich nachhaltige Lösungen für das Recycling der alten Felder rar gesät. Die Firma FormaTurf nimmt sich der Herausforderung der Wiederverwertung von Kunstrasensystemen mit einem innovativen und ganzheitlichen Konzept an.

FormaTurf ist Tochterfirma der Sport Group

"Wenn einer unserer Kunstrasen nach zehn bis 15 Jahren am Ende seiner Lebenszeit angelangt ist, können wir ihn zu 100 Prozent wiederverwerten", erklärt Mathias Schwägerl, Geschäftsführer der Polytan GmbH, und verrät: "Dafür hat unser Mutterkonzern, die Sport Group, das neue Unternehmen FormaTurf gegründet."

Von Anfang an hatten die Entwickler bei FormaTurf den gesamten Rasen im Blick. Also den Rasenrücken genauso wie die Filamente und das Infill. Alles sollte wiederverwertet werden, egal ob Kunststoff oder Sand - und das möglichst effizient. Ab 2022 wird diese Idee im neuen Werk in Essen umgesetzt. FormaTurf trennt die Materialien und macht aus den Kunststoffen (Rasenrücken, Filamente sowie Gummigranulat als Infill) neue Recyclingprodukte wie zum Beispiel Kantensteine, Rasengitter oder modulare Flexbausteine, die in den verschiedensten Bereichen eingesetzt werden können. Im Portfolio befinden sich außerdem Nailerboards, die direkt wieder in der Kunstraseninstallation ihren Einsatz finden werden.

Der Sand, der rund 70 Prozent des Gewichts eines Kunstrasens (insgesamt ca. 200 t) ausmacht, wird gewaschen und kommt unter anderem wieder auf Kunstrasenplätzen zum Einsatz. Dabei kombiniert das Unternehmen bekannte herkömmliche und moderne Recyclingmethoden. Außerdem wurden neue Verfahren im Bereich des werkstofflichen Recyclings entwickelt. FormaTurf ist in der Lage, Mischmaterialien durch ein hoch technologisches Verfahren zu verwerten und daraus neue Produkte herzustellen.

FormaTurf nimmt sich der Herausforderung der Wiederverwertung von Kunstrasensystemen mit einem innovativen und ganzheitlichen Konzept an. Foto: Ourteam, Adobe Stock

Wirtschaftliches und emissionsarmes Recycling

Ein weiteres Plus ist die Flexibilität des Werkes. Bei der Aufbereitung der aus dem Rasen gewonnenen Kunststoffe zu Sekundärrohstoffen wird die jeweils sinnvollste Methode bei der Verarbeitung von verunreinigten Altrasen gewählt. Dadurch ist ein besonders wirtschaftliches und emissionsarmes Recycling möglich.

Bei den Produkten, die aus den wiederverwerteten Rohstoffen entstehen, ist vieles möglich, also auch kundenindividuelle Lösungen. Mit dem Ansatz wird FormaTurf es beispielsweise Kommunen ermöglichen können, ihren in die Jahre gekommenen Kunstrasenplatz einem neuen Zweck innerhalb der Region zukommen zu lassen. Das Recyclingmaterial kann somit aktiv in neue Bauprojekte am Entstehungsort des Abfalls und in der Umgebung integriert werden.

Der Produktionsstandort der FormaTurf wird, wie bereits erwähnt, im Ruhrgebiet sein. In der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands gibt es eine hervorragende Infrastruktur. Das Werk liegt in Essen direkt an der Hafenkante des Essener Stadthafens und hat dort eine unmittelbare Anbindung an die Binnenschifffahrt und die Bahn. So kann der Rasen möglichst effizient ins Werk transportiert werden. Doch die Nachhaltigkeit endet nicht beim Transport. Die Energieversorgung des Werkes erfolgt zu 100 Prozent mit grünem Strom. Jeder Schritt in der Produktion wurde akribisch auf Energie- und Ressourcenschonung durchdacht. Ein weiterer Punkt, der für den Standort Essen spricht: In der Rhein-Ruhr-Region gibt es eine so hohe Dichte an Kunstrasenplätzen wie sonst nirgendwo in Deutschland und damit auch die höchste Zahl der in der Zukunft zu recycelnden Plätze.

"Ein Kunstrasensystem am Ende seines Lifecycles ist für uns kein Abfall, sondern ein Rohstoff. Wir verwerten den Rasen vollständig und machen aus ihm neue Produkte. So vermeiden wir Müll und schaffen neue Werte", sagt Tom Beck, Geschäftsführer des jungen Unternehmens. "Außerdem schließen wir mit dem Aufbau des Recyclingwerkes in Essen den Wertstoffkreislauf des Kunstrasens innerhalb der Sport Group Unternehmensgruppe. Von der Entwicklung und der Produktion über den Einbau und der Instandhaltung durch den deutschen Marktführer Polytan bis zum Ausbau und der kompletten Wiederverwertung des Systems kommt alles aus der Hand unserer Mutter Sport Group." Und der alte Kunstrasen erhält ein zweites Leben.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2022 .

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