Neue Zahlen zu den Folgen extremer Temperaturen
Hitzewellen schaden Arbeitsfähigkeit und führen zu Verlusten

Drei Hitzetage, 5% mehr Krankmeldungen
Für die Auswertung des PIK wurden mit Unterstützung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) die Daten von rund 9,7 Millionen AOK-versicherten Beschäftigten zwischen 25 und 59 Jahren aus den Jahren 2007 bis 2020 analysiert. Demnach führt bereits ein einzelner Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad Celsius zu einem Anstieg der Krankmeldungen um durchschnittlich 3,5 Prozent.
Mit zunehmender Dauer der Hitzebelastung verstärkt sich dieser Effekt deutlich: Am dritten aufeinanderfolgenden Hitzetag steigt die Zahl der Krankmeldungen um 5 Prozent, nach sieben Hitzetagen in Folge sogar um 10,8 Prozent.
Eine dreitägige Hitzewelle verursacht nach Berechnungen der Studie zusätzliche Kosten von rund 32 Millionen Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hinzu kommen Produktivitätsverluste durch Beschäftigte, die trotz gesundheitlicher Belastungen weiterarbeiten.
Darüber hinaus registrierten die Forschenden in den vier Jahren nach einer mindestens dreitägigen Hitzewelle erhöhte Ausgaben für Arbeitsausfälle.
Nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die Analyse zeigt, dass hitzebedingte Arbeitsausfälle nicht allein auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen sind. Zunahmen verzeichneten die Forschenden auch bei Verletzungen, psychischen Erkrankungen, Hauterkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie bei Infektionskrankheiten.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist anhaltende Hitze ein zusätzlicher Stressor, der ein ohnehin belastetes System aus dem Gleichgewicht bringen kann. Sie verschärft bestehende Erkrankungen und trägt dazu bei, bislang nicht diagnostizierte Gesundheitsprobleme sichtbar werden zu lassen.
Die Studie macht deutlich, dass Hitzebelastungen nicht alle Beschäftigten gleichermaßen treffen. Unter den 36 untersuchten Berufsgruppen war das Risiko hitzebedingter Fehlzeiten in den Bereichen Transport und Logistik, Fertigung, Landwirtschaft sowie im Bauwesen am höchsten.
Am geringsten betroffen waren Tätigkeiten in der Informationstechnologie, im Bildungswesen sowie im Rechts- und Verwaltungsbereich.
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Anstrengende Berufe mit Arbeit im Freien
Körperlich anstrengende Berufe mit viel Arbeit im Freien und geringen Möglichkeiten zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung weisen demnach die stärksten Belastungen auf. Gleichzeitig verzeichnen die Forschenden auch in weniger exponierten Berufsgruppen steigende Krankmeldungen, wenn Hitzeperioden länger andauern.
Auch auf individueller Ebene zeigen sich deutliche Unterschiede. Nach dem dritten Hitzetag in Folge liegt der Anstieg der Krankmeldungen bei dem Prozent der Beschäftigten mit dem höchsten prognostizierten Risiko mehr als 8,5-mal höher als bei den unteren 50 Prozent der Risikoverteilung. Besonders ältere Beschäftigte sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen sind von hitzebedingten Arbeitsausfällen überdurchschnittlich häufig betroffen.

Verluste bis 2030 auf 131 Mrd. Dollar
Nach einer Prognose des Kreditversicherers Allianz Trade können sich die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland zwischen 2026 und 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden US Dollar summieren, wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen.
Besonders problematisch ist eine doppelte Belastung für Unternehmen: Ab 30°C sinkt die Produktivität pro zusätzlichem Temperaturgrad um etwa 3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten wegen des höheren Kühlbedarfs in Innenräumen um rund 1,2 Prozent pro Grad. Nach Einschätzung von Allianz Trade können dadurch Investitionen zurückgehen und das Wirtschaftswachstum gebremst werden.
Auch die öffentlichen Haushalte bleiben nicht verschont. Die jährlichen Steuereinnahmen können um rund 0,7 Prozent niedriger ausfallen, während die Ausgaben für Gesundheit, Infrastruktur und soziale Sicherungssysteme steigen. Insgesamt kann sich die Haushaltslage hitzebedingt um etwa 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr verschlechtern.
BIP büßt bis zu 3 Prozent ein
Bis 2030 kann die Wirtschaftsleistung Deutschlands durch Hitzewellen deutlich niedriger ausfallen. Nach Berechnungen von Allianz Research sind in den kommenden Jahren Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt von bis zu 3 Prozent möglich.
Die Autoren der Studie sehen deshalb die Anpassung an den Klimawandel zunehmend als wirtschaftspolitische Aufgabe. Investitionen in klimaresiliente Infrastruktur sowie in den Schutz von Beschäftigten können künftig entscheidend dafür sein, wie gut Unternehmen und Volkswirtschaften mit den Folgen extremer Temperaturen umgehen.
cm/ AOK/ Allianz Trade
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