Ultrafiltrationsanlage

Neues Wohnquartier in Mannheim wird durch Wasser klimaresilient

In Mannheim ist Mitte August ein Wohnquartier eröffnet worden, dass mit einer so genannten Ultrafiltrationsanlage ausgestattet ist und gebrauchtes Wasser für die Wiederverwendung im Quartier direkt vor Ort aufbereitet. Das Quartier Aubuckel will aber nicht nur das so genannte Grauwasser effizienter als bisher nutzen und kostbares Wasser durch Wiederverwendung sparen.
Wassermanagement Wasserbau und Wassernutzung
Mögliches Modell für Deutschland: In Mannheim wurde das neue Wohnquartier Aubuckel vor kurzem eröffnet. Foto: Annette Rudolph-Cleff/TU Darmstadt

Auch Regenwasser soll nicht wie bisher üblich, einfach in die Kanalisation abgeleitet, sondern unmittelbar in den Häusern genutzt werden. Hierdurch könne der Frischwasserbedarf um mehr als 40 Prozent gesenkt werden, so ein erstes Zwischenfazit des interdisziplinären Forschungsteams der TU Darmstadt, das die wissenschaftliche Betreuung des Projektes übernommen hat.

Nach Meinung von Alexander Bonde, Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt, sei die Quote eine "eine hervorragende Marge" und müsse auch bundesweit zur Zielmarke in anderen Städten und Kommunen gemacht werden. Die Stiftung, der er vorsteht, hat das mehrjährige Aubuckel-Projekt mit dem Namen "ReSource Mannheim" gefördert.

Gereinigtes Wasser fließt zurück in die Haushalte

Das Aubuckel-Wohnquartier am Adolf-Damaschke-Ring in Mannheim umfasst drei Mehrfamilienhäuser mit fast 120 Wohneinheiten. Der Bau ist zu 40 Prozent sozial gefördert. Konkret soll das Brauch- und Grauwasser aus den Haushalten, das aus Duschen, Handwaschbecken und Waschmaschinen stammt, gesammelt und anschließend per Ultrafiltrationsanlage gereinigt und größtenteils in die Haushalte zurückfließen, zum Beispiel für die WC-Spülung oder Waschmaschinen. Herzstück der Bewässerung im Aubuckel-Projekt ist ein Teichsystem, das vor allem zwei Funktionen erfüllen soll: Sie soll Speicher von überschüssigem Regenwasser sein, das zur Bewässerung von Grünanlagen und als Kühlung bei Hitze dient, gleichzeitig soll das System für den Hochwasserschutz eingesetzt werden. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie bei einem extremen Starkregenereignis selbst große Wassermassen aufnehmen kann.

Versorgungssicherheit mit Wasser wird immer wichtiger

Laut Bonde gehe es aber auch um Versorgungssicherheit, damit Trinkwasser auch in Krisenzeiten zuverlässig verfügbar ist. Dass gerade das in Zukunft zunehmend schwieriger werden dürfte, zeigen Zahlen des Deutschen Wetterdienstes. Laut Zahlen vom Anfang des Jahres, sei 2024 das bisher wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn regelmäßiger Messungen in Deutschland gewesen – mit entsprechenden Konsequenzen für Städte. Deren Bewohner sind starker Hitze, ebenso wie plötzlichem Starkregen und Überschwemmungen ausgesetzt. Verschlimmert wird die Situation dadurch, indem Regen aufgrund ausgetrockneter Böden oder Flächenversiegelung gar nicht mehr einsickern kann, sondern direkt in die Kanalisation abfließt. Der Wasserhaushalt geriete zunehmend aus den Fugen.

Ein Alarmzeichen sandte vor einigen Wochen überdies eine Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) im Auftrag der Umweltorganisation BUND.

Demnach schwinde bundesweit das Grundwasser. Mehr als die Hälfte der Landkreise in Deutschland soll vom sogenannten strukturellen oder akuten Grundwasserstress betroffen sein, unter anderem wegen der Klimakrise.

Sinken die Pegel, hat das nicht nur gravierende Auswirkungen auf Böden, Ökosysteme und das Klima in Kommunen: Fast 90 Prozent des Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser. Dazu Bonde: "Wir müssen den zu hohen Grundwasserverbrauch erheblich reduzieren. Das Mannheimer Aubuckel-Projekt macht vor, wie es gehen kann – bundesweit. Mehr Brauchwasser statt Frischwassernutzung muss die Devise sein." mst

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