Grüne und blaue Infrastruktur im Ruhrgebiet werden ausgebaut

NRW: 250 Millionen für Gebäudegrün und Versickerung

Die Dächer der Gemeinschafts-Müll-Verbrennungsanlage Niederrhein GMVA in Oberhausen wurden begrünt. Foto: Oliver Hasselluhn/Jörg Saborowsk

Das Land Nordrhein-Westfalen und seine Wasserverbände investieren in den Ausbau grüner und blauer Infrastruktur im Ruhrgebiet. Mit 145 Millionen Euro werden gegenwärtig die beiden Projekte Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft und Offensive Grüne Infrastruktur 2030 gefördert. In den kommenden zehn Jahren sollen im Ruhrgebiet sogar 250 Millionen Euro in Klimaprojekte fließen. Grundlage dafür ist die Ruhrkonferenz, eine Initiative der Landesregierung. Ziel des Landesumweltministeriums ist es, die Schäden des Klimawandels zu begrenzen und die Lebensqualität in den Städten zu erhalten.

Ein Jahr nach Projektbeginn haben 111 Projekte von der Förderung profitiert. Weiteren 55 Projekten wurde die Zuwendung zugesagt. Anträge können weiter gestellt werden. Kommunen im Ruhrgebiet haben Dächer und Fassaden begrünt, Bäume gepflanzt und Flächen entsiegelt. Insgesamt 5 500 m² sind bereits neu bepflanzt, rund 10 000 m² Fläche entsiegelt worden. So kann Regenwasser verdunsten, im Boden versickern oder in Gewässer abfließen. Bis 2040 sollen mindestens 25 Prozent der befestigten Flächen der Region vom Kanalnetz abgekoppelt und der Verdunstungsgrad um 10 Prozent erhöht werden. Außerdem sollen Hitzeinseln reduziert und verhindert werden, dass sich Stadträume zu stark aufheizen.

Sorgen für Fassadengrün an einer stark befahrenen Straße in Altenessen (v.l.n.r.): Thomas Kufen (Oberbürgermeister Essen), Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft), Dirk Miklikowski (Allbau-Geschäftsführer) und Simone Raskob (Umweltdezernat Essen). Foto: EGLV, Allbau

Parks als Überflutungsflächen

240 000 Euro der Fördergelder fließen in die extensive Begrünung von Flachdächern der Gemeinschafts-Müll-Verbrennungsanlage Niederrhein GMVA in Oberhausen. Neben den Dächern soll auch der Kühlturm der Anlage auf 300 m² Wandfläche mit Immergrünem Geißblatt (Lonicera henryi) begrünt werden. Die Pflanze ist Stadtklima gewohnt. Ihre Blüten ziehen Insekten an. Die Müllverbrennungsanlage befindet sich in einem klimatisch belasteten und stark versiegelten Industriegebiet. Jährlich werden rund 700 000 Tonnen Abfall auf rund 4,9 Hektar versiegelter Fläche angeliefert und verbrannt. Die Dachbegrünung bewirkt durch Rückhalt und Verdunstung von Regenwasser, dass das Umfeld besser gekühlt und die Kanalisation weniger belastet wird.

Gleich mehrere Projekte werden in und um Recklinghausen umgesetzt: 170.000 Euro fließen in die Machbarkeitsstudie Südpark. Mit ihr soll geprüft werden, ob Regenwasser der umliegenden Bebauung in den Park geleitet werden kann. Teile des Parks könnten bei Starkregen als Überflutungsflächen genutzt werden. Mit 150 000 Euro wurde das Projekt Erlbruchpark unterstützt. Dort liegt die Teichanlage in einem Tiefpunkt des Parks. Sie soll zu einer zentralen Regenrückhaltung ausgebaut werden. Dabei wird auch die Möglichkeit von Baumpflanzungen geprüft.

Fassadenbegrünung gegen Feinstaub

155 000 Euro bekam die Allbau für die wandgebundene Fassadenbegrünung von Wohngebäuden an der stark befahrenen Gladbecker Straße in Altenessen. Durch die Begrünung auf insgesamt 180 m² soll Feinstaub reduziert werden. Dazu wird eine Tragkonstruktion für Pflanzentröge an die Fassade montiert, die auch Bewässerungsleitungen aufnimmt. Neben Kleepflanzen kommen überwiegend Stauden, Kleingehölze, Gräser und Farne zum Einsatz.

70 000 Euro Fördermittel flossen bei der Energieversorgung in Oberhausen (EVO) in die Begrünung von zwei Dächern. Die EVO engagiert sich auch darüber hinaus für Klimaanpassung und begrünte die Fassade in Eigenregie. Die Dachflächen wurden zusätzlich mit Photovoltaik-Elementen ausgestattet und zur Stromerzeugung genutzt. Für 55 000 Euro sollen im Stadtgebiet von Dinslaken Überflutungsflächen geschaffen werden. An der Kreuzung Hünxer Straße/Gerhard-Malina-Straße kam es bei den Starkregenereignissen der letzten Jahre immer wieder zu Überflutungen, die die Kreuzung für Autos und Fußgänger unpassierbar machten. Im Rahmen der Förderung entsteht auf einem Eckgrundstück eine Versickerungsmulde mit 300 m² Fläche und einem Rückhaltevolumen von 264 Kubikmetern. So sollen zukünftig Überschwemmungen der Kreuzung verhindert werden. Elisabeth Voigt

Die Energieversorgung in Oberhausen bekam zwei grüne Dächer. Foto: Emschergenossenschaft

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2021 .

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