Ökonomisch betrachtet
Das Steuer in der Hand behalten
von: Prof. Dr. Heiko MeinenIm Projektgeschäft der Bauunternehmen kommt es zunächst einmal auf den Abgleich von Kalkulationsparametern über den Projektverlauf an. Hierbei geht es zum Beispiel um den Abgleich vorkalkulierter Kosten und Zeitansätze mit den realen Werten auf der Baustelle. Die Branchensoftware bietet hier alle nötige Unterstützung, um diesen Prozess effizient und aussagekräftig abzuwickeln. Die im Rahmen der Planung ermittelten Verrechnungssätze für Lohn, Leistungsgeräte sowie die Zuschlagssätze für Allgemeine Geschäftskosten bilden zusammen mit den Material- und Fremdleistungskosten die Kostenbasis auf Projektebene.
Zur Ermittlung des Erfolgs muss aber auch die Leistung, die den Kosten gegenübersteht, belastbar ermittelt werden. Oft stellt dieser Aspekt eine große Herausforderung dar, weil alle Bauleiter an dieser Aufgabe mitwirken und realistische Werte liefern müssen.
Häufig erfolgt die Leistungsbewertung anhand der Vertragspreise beziehungsweise anhand des Leistungsverzeichnisses und der aufgemessenen Mengen. Das Vorgehen hat den Vorteil, dass die Arbeiten im Zusammenhang mit der Erstellung von Abschlagsrechnungen und die Leistungsermittlung synchronisiert und so Doppelarbeiten vermieden werden. Vorsicht ist aber in mehrerer Hinsicht geboten, wie die Tabelle zeigt.
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Weitere Unsicherheiten können durch Nachtragsarbeiten entstehen, beispielsweise wenn (noch) nicht genehmigte Nachträge bereits Kosten verursacht haben oder Nachträge als Leistung erfasst werden, die aber nicht belastbar, weil nicht genehmigt sind.
Die bauprojektbezogene Sichtweise liegt den Mitarbeitenden mit oft technischem Hintergrund noch recht nahe, sodass das Controlling vielfach an dieser Stelle endet. Allerdings ist zu bedenken, dass sich der Erfolg des Bauunternehmens zwar aus seiner Projekttätigkeit ergibt, die Summe der Projektergebnisse in der Regel aber nicht dem Betriebsergebnis des Unternehmens entspricht. Das liegt daran, dass Kosten der Projekte, wie Lohnkosten, Leistungsgeräte und die anteiligen Gemeinkosten, auf planerischen Werten beruhen, die sich über das Jahr ändern können.
Der Mittellohn ergibt sich aus durchschnittlichen Lohnkosten und einer Annahme, wie viele produktive Stunden im Jahr geleistet werden. Durch Veränderungen in der Personalstruktur und Abweichungen zum Beispiel im Krankenstand können sich beträchtliche Verschiebungen ergeben, sodass der kalkulatorische Mittellohn auf Projekteben nicht mehr den realen Lohnkosten entspricht. So ergibt sich ein Saldo zwischen Lohnsumme auf Projekt- und Betriebsebene.
Das gleiche gilt für den Einsatz von Leistungsgeräten, denen planerische Vorhaltetage oder Leistungsstunden zugrunde liegen. Werden diese über- oder unterschritten, weil ein Leistungsgerät aufgrund der realen Projektstruktur mehr oder weniger genutzt werden kann, ergeben sich Kostenunter- oder Überdeckungen auf Betriebsebene.
Beim betrieblichen Controlling ist es daher wichtig, die Kosten- und Leistungsstruktur beziehungsweise deren Verhältnismäßigkeiten monatlich zwischen Soll (bzw. Plan) und Ist abzugleichen.
Hilfreich sind dazu Kennzahlen wie Materialquote, Fremdleistungsquote, Wertschöpfung pro Stunde, produktive Stunden, WPK-Wert, Deckungsbeitrag beziehungsweise Gemeinkostenquote usw., die im Planungs-Soll und Ist-Vergleich gegenübergestellt werden können. Zudem sollte der Verlauf der Leistung über das Jahr im Auge behalten werden, denn Zuschläge beziehungsweise die Verrechnung von Allgemeinen Geschäftskosten erfolgt auf der Annahme einer bestimmten Leistung. Ist also die Leistung höher oder niedriger als geplant, werden entweder zu hohe oder zu niedrige Zuschläge verwendet. Dies führt zu einer unnötigen Überdeckung (schlecht im Preiswettbewerb) oder einer gefährlichen Unterdeckung der AGK mit der Folge, dass auf Projektebene scheinbar alles in Ordnung ist und der Betrieb parallel Verluste produziert.
Sofern die vorgenannten Parameter verfolgt werden, kann aber eine Anpassung erfolgen, die sicherstellt, dass sich Projektergebnis und Betriebsergebnis einander angleichen, laufend wettbewerbsfähige Preise gebildet werden können und der Betrieb auf Erfolgskurs bleibt.
Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen
h.meinen@kullmann-meinen.de














