Oh Tannenbaum - Pflanzenkunde Nadelgehölze Teil 1

von

Grafiken: Uwe Bienert

83. Folge - Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Nadelgehölze.

Die Weihnachtszeit rückt näher und was bietet sich mehr an als einmal die Nadelgehölze, und zwar nur die für uns gebräuchlichsten, näher zu beleuchten. Hier in Deutschland neigen wir ja dazu alles was seine Blätter im Winter nicht abwirft als Tanne zu bezeichnen. Nun ich gebe zu, das ist übertrieben! Aber ist es das wirklich?

Selbst unter Kollegen und angehenden Kollegen, Lehrern und sonstigen "Bildungsbürgern" spuken da noch einige Unklarheiten herum. Wir sprechen von Rottannen (die eigentlich Fichten sind), von Andentannen und von Zimmertannen (die eigentlich Araukarien sind).

Beginnen wir mit den Tannen:

Wissenswertes über die Gattungen Castanea und Aesculus

Tannen sind nach den Kiefern die formenreichste Gattung der Kieferngewächse. In unseren Breiten ist ihre forstwirtschaftliche Bedeutung jedoch geringer als die der Douglasien und Fichten. Im westlichen Nordamerika dagegen haben Tannen ihre allgemein größte ökologische und ökonomische Bedeutung. Zur Gewinnung von Papierzellulose wird das Holz der Purpur- und Balsam-Tanne verarbeitet. Eine Sondernutzung erfuhr im 19. Jahrhundert das Holz der Pracht-Tanne als es zur Aufbewahrung von Butter und Käse genutzt wurde und daher als "Butter-Holz" bezeichnet wurde. Wie das Holz aller Tannen ist es geschmacks- und geruchsneutral. Japan als eines der Hauptabnehmerländer amerikanischen Tannenholzes nutzt dieses für die eigene Bauindustrie (Holz von Edel- und Purpur-Tanne).

Aus den eigenen Tannenholzsorten werden dort Bretter, Dachschindeln, Türen, Holzschuhe, Musikinstrumente, sowie Haushaltsgegenstände hergestellt. Einige Tannen werden von der Medizin genutzt. Sie werden für die Gewinnung von Tannenbalsam (Kanadischer Balsam und Straßburger Terpentin) und die Destillation Ätherischer Öle (insbesondere in Tschechien, der Slowakei, Russland) verwendet.

Tannen besitzen keinen farblichen Unterschied zwischen Kern- und Splintholz. Das Holz ist gelblich-weiß gefärbt und besitzt im Vergleich zum sehr ähnlichen Fichtenholz keine Harzkanäle und nur kaum sichtbare Markstrahlen. Es wird als Bau- und Möbelholz für den Innenbereich genutzt. Sonderanwendungen liegen im Wasserbau, wo Tannenholz eine hohe Dauerhaftigkeit besitzt und als Obst- und Gemüsekisten aufgrund seiner Geruchsfreiheit. Tannen sind wichtige Bäume für Landschafts- und Gartengestaltung. Die großwachsenden Arten werden je nach klimatischer Härte auch in großen städtischen Parks und in Grünflächen angepflanzt. In der Gartengestaltung werden insbesondere die kleinwachsende Korea-Tanne, die Colorado-Tanne und die Nordmann-Tanne angepflanzt. Die hellgrünen Tannenspitzen im Mai sind nicht nur essbar, sondern ein altes Medikament und Hausmittel gegen Husten. Sie enthalten heilsame Enzyme. Man konserviert sie als Sirup. Aus den Nadeln gewinnt man von verschiedenen Arten (Abies spectabilis, Abies alba) ein bekanntes und angenehm harzig riechendes ätherisches Öl. Dieses wird in Badezusätzen oder zu Saunaaufgüssen verwendet. Tannenwälder ergeben auch in der Imkerei eine wichtige Bienentracht. Sortenreiner echter Tannenhonig gehört zu den teuersten Honigen. Als klassische Christbäume werden in Deutschland vor allem die Nordmann-Tanne angebaut. Tannen sind in vielen Kulturen Symbole von Geburt und Wiederauferstehung. Als immergrüne Bäume verkörpern sie auch den religiösen Glauben an das ewige Leben. Daher sind Tannenzweige und Tannenreisig auch Bestandteil für Grabschmuck und Grabkränze. Aber auch für die Ausschmückung von Osterschmuck an Marktbrunnen ist ihre Symbolik von Bedeutung. Zudem werden Adventskränze aus Tannenreisig geflochten. Hierbei soll das Tannengrün das Leben in der Jahreszeit, in der vieles abgestorben ist, verkörpern.

Wissenschaftliches über die Gattungen Castanea und Aesculus

Beheimatet ist die Weißtanne (Abies alba) in West-, Süd- und Mitteleuropa und dort zum Teil in Höhen bis 2000 m. Der bis 50 m hohe Baum besitzt eine schmale kegelförmige Krone mit waagrecht abstehenden Ästen. Die Nadeln sind 1-3 cm lang, auf der Oberseite glänzend dunkelgrün und auf der Unterseite mit zwei weißen bis blauweißen Bändern gezeichnet. Die Spitze ist eingekerbt. Die Nadeln stehen in Doppelreihen, gescheitelt und flach. Die hellen rotbraunen Knospen sind eiförmig und weisen keinen Harzfluss auf. Die weißgraue Rinde ist bei jungen Bäumen glatt, mit Harzbeulen, und bei älteren Bäumen aufgeplatzt und rau. Die graubraunen Triebe sind behaart, rau und nicht gefurcht. Männliche Blüten sind rötlich, 2-2,5 cm lang und stehen einzeln in Blattachseln. Die weiblichen Blüten sind hellgrün, 2,5-3 cm lang und besitzen eine zylindrische Form. Der Baum blüht erst in einem Alter von circa 30 Jahren. Die 10-16 cm langen Früchte stehen aufrecht am Ast, fallen nicht herab, sondern zersetzen sich am Baum (nach der Reife im ersten Jahr). Die Samen sind dreieckig, 6-10 mm lang und mit einem 10 mm langen Flügel ausgestattet.

Die Koreatanne (Abies koreana) ist, wie der Name schon sagt, im südlichen Korea beheimatet. Sie wird bei günstigen Standortbedingungen zwischen 10 und 15 m hoch - was viele Zeitgenossen beim Pflanzen im Vorgarten ein wenig aus den Augen verlieren. Ihr zuerst kegelig-breiter Wuchs und ihr "Zwergenwuchs" mit einem geraden Stamm bildet erst sehr spät einen schnellwüchsigen Mitteltrieb aus. Die Nadeln sind 1,5-2 cm lang und beinahe rings um den Trieb gestellt. Sie verbreitern sich bis hin zu der abgerundeten oder eingekerbten Spitze. Nadeln im oberen Kronenbereich besitzen eine zugespitzte Spitze. Die Oberseite der Nadeln ist glänzend grün, die Unterseite zeigt zwei breite weiße Bänder. Der Nadelstiel ist relativ klein und am Trieb festgewachsen. Die Knospen sind rundlich-eiförmig und teilweise stark verharzt. Die hellgraue bis rotbraune Borke ist tiefrissig mit deutlich sichtbaren erhabenen Punkten gesprenkelt (Lentizellen). Die Triebe sind braun bis gelblich-rot, behaart und gefurcht. Die männlichen Blüten haben eine hellrosa bis blasspurpurrote Färbung, die weiblichen Blüten dagegen sind blasspurpurrot, mit reicher Harzausscheidung während des Wachstums. Ihre Länge beträgt 2-5 cm lang. Die Zapfen wachsen aufrecht, sind 4-7 cm lang und besitzen sichtbare Schuppen von unterschiedlichem Aussehen. Bei den unreifen faßförmigen Zapfen fällt die violette oder rötlich-braune Färbung auf. Während reife Zapfen braun bis schwarz sind. Selbst bei Jungbäumen sind schon reichlich Zapfen vorhanden. Die Samen haben eine Länge von circa 1 cm verbunden mit einem 6-8 mm langen Flügel.

Die Nordmanntanne (Abies normanniana), ein bei uns maximal 30 m hoher Baum, erreicht in seiner Heimat eine Höhe bis zu 60 m. Die Krone ist anfangs schmal, später jedoch breit-kegelförmig. Die Tanne ist auch im Alter noch bis zum Boden beastet, wobei die Äste gleichmäßig dichtsind und in regelmäßigen Quirlen stehen. Der Stamm kann einen Durchmesser bis 1,5 m bekommen. Die Knospen sind ei- bis kugelförmig und harzfrei. Die Nadeln sind 2-3,5 cm lang, 2-2,5 mm breit und auf der Oberseite glänzend dunkelgrün. Die Unterseite ist silbrig grau mit zwei weißen Bändern. Nadeln sind starr, aber nicht stechend. In Längsrichtung befindet sich mittig eine Rinne. Die Nadelspitze ist stumpf oder eingekerbt. Die Nadeloberfläche ist lederartig. Alle Nadeln stehen flaschenbürstenartig rings um den Trieb, an der Unterseite weniger dicht als oben. Die Rinde ist im Jugendstadium stumpf, hellgrau und glatt, später im Alter bildet sich graubraune bis schwarzgraue, in dicken Platten zerrissene Borke Die männlichen Blüten sind 1 cm groß, fast kugelförmig, rötlich-braun bis rötlich-gelb und sitzen in den Achseln vorjähriger Nadeln, hauptsächlich im unteren Teil der Krone. Die weiblichen Zapfenblüten bilden aufrechte, grüne Schuppenbündel, welche sich später rötlich oder gelbgrün verfärben. Die Früchte stehen, wie bei Tannen nicht anders zu erwarten, aufrecht, sind 12-20 cm lang, 5 cm dick und nur im oberen Kronenbereich anzutreffen. Die braunen Schuppen sind oft sehr zahlreich und harzig.

In ihrer Heimat dem westlichen Nordamerika wird die Coloradotanne (Abies concolor) bis 60 m hoch. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird sie auch in Europa, vor allem in Parks und großen Gärten, angepflanzt. In unseren Breiten wird der Baum 20-50 m hoch. Er bildet eine lockere, schmale kegelförmige Krone. Die Nadeln sind beiderseits stumpf-graugrün bis graublau, dick, lederartig weich. An der Unterseite erkennt man eine grüne Mittelrippe. Die Nadeln sind 4-8 cm lang, 2-2,5 mm breit und sichelförmig aufwärts gebogen. Die Nadelspitze ist schwach zugespitzt oder gerundet. Die Rinde der Tanne ist hellgrau bis rötlichbraun. An jungen Bäumen findet man auffällig viele Harzblasen. Die Borke ist schuppig abblätternd. Die männlichen zylindrischen Blütenstände sind auffällig rot und 3-4 cm lang. Die Zapfen findet man gehäuft an der Baumspitze. Sie sind 8-14 cm lang, erst blaugrün, später trüb-violett. Sie bleiben am Baum, fallen nicht herunter und zersetzen sich direkt am Ast.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2014 .

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