Osnabrücker Baubetriebstage auf dem Campus Haste

KI am Bau: Segen für die Praxis, Gefahr für Unternehmen

Springt der Funke des KI-Hypes auf den Bau und GaLaBau über? Diese Leitfrage diskutierten auf den Osnabrücker Baubetriebstagen etwa 200 Teilnehmer. Veranstalter Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück hatte dafür Ende Februar Akteure der Baubranche und des Garten- und Landschaftsbaus auf den Campus Haste geladen. Wo Wissenschaft und Praktiker aufeinandertrafen, legten die Fachbeiträge Gefahren und Chancen der KI offen. Das Rahmenprogramm spiegelte damit einen kontroversen Umgang mit KI wider.
Künstliche Intelligenz (KI) Osnabrücker Baubetriebstage
Auf den diesjährigen Osnabrücker Baubetriebstagen legten die Fachbeiträge Gefahren und Chancen der KI offen. Foto: Danilo Ballhorn

Skepsis und Kriminalitätsangst bestimmen Auftakt

"Ich sehe keine Invasion von KI auf unseren Baustellen in naher Zukunft", orakelte Prof. Thieme-Hack. Unternehmer bräuchten keine Angst haben, dass KI den GaLaBau erobert und eine neue Konkurrenzstruktur schafft. "Ich bin aber kein Wissenschaftler und daher wahrscheinlich eher Skeptiker", erklärte er schmunzelnd. Schreckensszenarien wie etwa, dass KI die Planer und Ingenieure im GaLaBau ersetzen wird, kann sich Thieme-Hack nicht vorstellen. Von der Wissenschaft erwarte er aufschlussreiche und innovative Ideen, wie KI sich in der Baubranche und speziell im GaLaBau einsetzen ließe. Die Sorge vor einer Flut an Arbeitslosigkeit, durch KI ausgelöst, sieht der Hochschullehrer nicht kommen.

"Sie werden bald Opfer KI-basierter Betrugsmaschen werden", warnte Thomas Werning, Experte für Datenschutzberatung, mit Nachdruck. Mit wenig Geld und Aufwand könne man schon jetzt im Darknet Betrüger anheuern, die hochkriminelle Handlungen mithilfe von KI durchführten. "Ihr Chef wird Sie per Anruf oder Video-Chat auffordern, Geld für ein Bauprojekt zu überweisen", führte Werning weiter aus. Dieses Szenario sei künstlich erzeugt, um Schäden an Unternehmen anzurichten. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann es passiert und wie tief der Schaden sein wird", prophezeite der Referent und erntete aus dem Publikum besorgten Blicke.

Fehlende Routine im Umgang mit KI

KI-generierte Fälschungen seien die größte Gefahr für mittelständische Unternehmen. Präventiv sollten Unternehmen daher eine KI-Richtlinie verankern, warum und wofür KI im Unternehmen verwendet wird. "In zwei Jahren wird keine Versicherung solche Schadensfälle mehr versichern", erklärte Werning. Die Podiumsdiskussion untermauerte im Anschluss, dass Bau-Unternehmen zu selten eine Richtlinie in ihrer Firmenphilosophie festschreiben. Sich die KI zu Nutze machen zu wollen, reiche nicht aus, resümierte Thieme-Hack. Neben fachlichen Schnittmengen müsste der Schutz vor KI-generierten Angriffen ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.

"Der Einsatz von KI hakt in der Baubranche, weil schlichtweg Daten fehlen", erklärte Alexander Paulus vom Institut für Digitale Transformation der Bergischen Universität Wuppertal. Daten seien schwer zu erheben, da viele Handwerker mit innovativen Technologien fremdeln würden. "Wir müssen KI als ein zusätzliches Werkzeug betrachten, das in den Werkzeugkoffer gehört", führte Paulus weiter aus. Kreative Tools wie die Entwurfsplanung von Gärten habe sich bisher in der Praxis nicht bewährt. Sehr gute Qualitätsstandards durch KI ließen sich in der Überwachung von Baumaterialien und –objekten wie Estrich-Schalungen oder Holz erzielen. Dafür werden Baustoffe mit Sensoren ausgestattet, um Fehler in der Bauweise oder Aushärtungsgrade bei Beton festzustellen.

KI auf der Baustelle

Denkbare Einsatzgebiete seien zudem die Überwachung der Pflanzengesundheit auf GaLa-Baustellen. Tools könnten dabei erkennen, wie viel Substrat ausgespült werden würde oder welchen Feuchtigkeitsbedarf Pflanzen aufweisen würden. Dies könne der GaLaBauer sich zu Nutze machen, um die Vegetation in der Entwicklungsphase optimal mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen. Bei Dachgärten könnten Dichtungen und die Feuchtigkeit durch KI überwacht werden, was für die langfristige Unterhaltung derzeit in der Praxis ohne Kontrolleinheit zu oft zu Mängeln führe. Auch hier müssen die Softwares mit Daten gefüttert werden. "Die Branche muss aufgeschlossener gegenüber der KI werden", forderte Paulus. Daten zu erheben sei die Grundlage, dass KI sich dauerhaft etablieren könne.

"Wir wollen unsere Bagger durch optimale Bewegungssteuerung effizienter als den besten Maschinisten machen", erläuterte der Bosch-Systementwickler Ozan Demir. Nach den düsteren Ausblicken zu KI wurde das Publikum über Synergien zwischen KI und Bau informiert. Eine Aufnahme in Zeitraffer zeigte, wie die Sensorik eines Baggers anhand eines KI-Moduls lernt, ein Planum nach den anerkannten Normen herzustellen. Der Maschinenführer stelle dabei die Geschwindigkeit des Ausführungsprozesses ein. "Mit der Technologie lassen sich nahezu alle Maschinen auf Baustellen optimieren", argumentierte Demir. Die Software eigne sich jedoch nicht direkt für die Ausführung auf der Baustelle, sondern für die Weiterentwicklung automatisierter Geräte, indem es Daten sammele. Die Erhebung von Daten durch die Anwendung müsse gezielt umgesetzt werden, um die KI schnellstmöglich gewinnbringend auf den breiten Markt zu bringen. Danilo Ballhorn

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