Papenburg: Eine Kreuzfahrt durch farbenfrohe Blütenmeere

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Entwurfsplan Landesgartenschau Papenburg. Grafik: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Ab dem 16. April 2014 heißt es in Papenburg "Leinen los" und Bürger und Gäste der Stadt werden zu Passagieren einer Kreuzfahrt durch farbenfrohe Blütenmeere, individuelle Sport- und Spielkontinente sowie fantasievolle Musik- und Kulturlandschaften. Die Kommandobrücke befindet sich in Form und Anmutung eines begehbaren Ausblickpunktes im westlichsten Teil des Parks.

M it einem Besuch der Landesgartenschau 2014 in Papenburg heißt es "Leinen los" für die Bürger und Gäste der Stadt. Als Passagiere der "MS Blühende Papenburg" begeben sie sich auf eine Schiffspartie - eine Kreuzfahrt durch den Stadtpark und die Innenstadt von Papenburg sowie die ehemaligen Industrieanlagen am Forum "Alte Werft". Dabei gehören kleine Bootstouren auf dem Kanal ebenso zu dem Entwurfskonzept von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, wie auch interessante Landgänge im städtischen Freiraum. Die vielfältigen Reiseerlebnisse der Passagiere an Bord des Schiffes, beim "Durchfahren" der Stadt Papenburg auf verschiedenen "Seewegen" sowie beim Anlegen an verschiedenen Stationen bilden das Motto dieser Gartenschau. Eine Idee, die Bezug auf die Geschichte der Stadt und der ortsansässigen Meyerwerft, als berühmte Kinderstube zahlreicher Kreuzfahrtschiffe.

Ein neuer Stadtpark für Papenburg

Die einzelnen Reiserouten sind für den Besucher auf verschiedenste Art und Weise sowohl räumlich als auch thematisch erlebbar. Einer Endlosschleife gleich durchlaufen sie die städtische Parklandschaft "MS blühende Papenburg", die beiden Uferwege der Stadt-Kanäle, die innerstädtische Flaniermeile sowie - quasi als "historische Kreuzfahrt" - die Alte-Meyer-Werft, welche mit ihrer "Landungsbrücke" als Zwischenstation dient. Mit der "großen Kreuzfahrt" begibt sich der Spaziergänger beispielsweise auf die längste der möglichen Routen. Beginnend in der Parklandschaft "MS blühende Papenburg" führt diese den Besucher vorbei an der Landmarke Meyers Mühle, entlang am idyllischen Hauptkanal bis hin zur "Landungsbrücke". Von hier geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt der Reise.

Inhaltlich ermöglicht die Metapher einer Kreuzfahrt den Besuchern der Gartenschau eine Reise durch weite Blütenmeere, Sport- und Spielkontinente, Musik- und Kulturlandschaften sowie eine große Zahl von maritimen Themengärten. Ausgehend von der Kommandobrücke eröffnen sich spannungsreiche Aussichten in und aus dem Gartenschaugelände. Die Idee der "Seh-Meilen" wird zum eigenständigen Kreuzfahrtthema.

Themengarten "Vor Anker" der Johannesburg Jugendhilfe. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Der Stadtpark oder die "MS blühende Papenburg"

Mit Ankunft auf dem Hauptparkplatz der Landesgartenschau beginnt der Besucher seine Gartenschaureise und gelangt über die attraktive Eichengangway zum Eingang des Parks "MS Blühende Papenburg". Erschlossen wird dieser Park über die "Reling I". In der Schifffahrt bezeichnet die Reling ein Geländer um ein freiliegendes Deck oder um Decksöffnungen. Im Park "MS Blühende Papenburg" leitet die große Reling I als Hauptrundweg den Besucher durch das Gartenschaugelände und bildet dabei erkennbar die Kontur eines Schiffes ab. Die Wegeführung baut auf der Struktur des alten Stadtparks auf und berücksichtigt dessen Vegetationsbestand. Die neuen gestalterischen Maßnahmen dienen der Weiterentwicklung des Stadtparks.

War der Park zuletzt eher ein Transitort, den man fast mit einem Blick "durchschaut" hat, so konnte nun durch die überlegte Setzung neuer Inhalte eine zeitgemäße Aktivierung dieses zentralen Freiraums im Stadtgefüge von Papenburg initiiert werden. Im Inneren dieser Kontur, also innerhalb des von der Reling markierten Raumes, liegen - ähnlich wie auf einem Kreuzfahrtschiff - die unterschiedlichen Decks. Auf diesen finden differenzierte Aktivitäten des Gartenschauveranstaltungsprogramms Platz sowie inhaltliche Themenschwerpunkte. Außerdem erstrecken sich an die Reling I angebunden die gärtnerischen Ausstellungsflächen und abwechslungsreiche Themengärten. Vor allem diese Bereiche sind es, die den vielfältigen Wunsch der Besucher nach Blüten, Blumen und Farbe nachkommen. In rund 15 Gärten werden maritime Themen aufgegriffen und die Besucher zu den Themen Kreuzfahrten, Ozean, Reisen, Schiffsbau, Reiseandenken und andere thematisch verwandte Inhalten umfangreich informiert und unterhalten.

Zusätzlich zur "Reling I" gliedern Boskette den Raum der "MS Blühende Papenburg". Boskette sind kompakte Gebilde aus Bäumen und Sträuchern, die dem Raum Halt geben und ihn in verschiedene Raumhierarchien gliedern. Diese Pflanzungen brechen die Monotonie des alten Stadtparks auf und zonieren ihn für die verschiedenen Nutzergruppen - ohne ihn seiner Gesamtwirkung zu berauben. Des Weiteren wurden vorhandene Baumsolitäre aufgeastet um Blickbeziehungen zu stärken und zu lenken. In angrenzenden Bereichen erfolgte eine Aufpflanzung mit einheitlichen Baumarten. Die vorhandene, in Nord-Süd-Richtung durch den Park verlaufende Lindenallee wurde in Teilbereichen aufgelöst. Die Bäume erhielten an anderer Stelle des Parks neue Standorte. Mit Hilfe dieser Maßnahmen entstanden Parkräume mit großzügigen Rasenflächen, homogene Baumkörper mit interessantem Licht- und Schattenspiel sowie spannungsvolle und neue Sichtbeziehungen. Die neuen Sichtachsen reichen nun bis tief in den Stadtpark und unterstreichen zudem die Verbindung zwischen Stadteingang und Park.

Alle diese Strukturen bilden ein langfristig tragfähiges Gerüst und geben dem Stadtpark ein neues und in die Zeit passendes, attraktives Gepräge als attraktiver Erholungs- und Bewegungsraum für die Bürger der Stadt Papenburg.

Blick durch die Kastanienallee vom östlichen Eingang kommend. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Die Kommandobrücke

Die Kommandobrücke befindet sich in Form und Anmutung eines begehbaren Ausblickpunktes im westlichsten Teil des Parks. Über eine barrierefreie Steganlage in ca. 5 m Höhe spazierend, bieten sich dem Besucher durch den Baumbestand hindurch abwechslungsreiche Ausblicke in den umliegenden neuen Stadtpark. Entlang der Steganlage werden Takelagen und Netze zum Klettern und Spielen angebracht. Ergänzt wird die Konstruktion durch einen dauerhaften Aussichtspunkt in ca. 8 m Höhe. Erreichbar ist dieser über ein Tauwerk. Die gewünschte visuelle Verbindung zum Umland wird hier jedoch nicht baulich, sondern technisch - mit Hilfe einer Art Periskop - ermöglicht. Die umliegenden Pflanzflächen werden mit Kosmophyten, Farnen und Kletterpflanzen bepflanzt.

Die Schiffskombüse

Die Schiffskombüse ist einer der zentralen Orte im Park. Hier werden während der Gartenschau die heimische Kulturlandschaft präsentiert und dem Besucher regionale Produkte näher gebracht. Denn neben der bekannten Schiffswerft ist Papenburg bekannt für die Gurken- und Küchenkräuterproduktion ihrer Gärtnereibetriebe. Eine von einem Erdkörper mit Sitzblöcken eingerahmte Veranstaltungsfläche dient als kleine Forschungsstation, welche im Rahmen von Kochveranstaltungen und Ernährungsevents für "kulinarische Reisen" genutzt werden kann.

Das Aktivdeck oder die "Die große Welle"

Das Aktivdeck, dahinter verbirgt sich ein Mehrgenerationenspielplatz, schließt als Spiel- und Freizeitanlage für Jung und Alt direkt an den vorhandenen Spielplatz an und erweitert ihn um ein Vielfaches. Das Motto "Die große Welle" wird sowohl über die Gestaltung der Freianlagen als auch über das Erscheinungsbild der Bewegungs- und Spielelemente vermittelt. So ist deren Gestalt von Wassersportarten wie Wellenreiten, Surfen und Wind-Kiten (Windsurfen/Lenkdrachen) abgeleitet. Darüber hinaus ist auch der entspannende Teil eines "Strandurlaubes" mit der Ruhe des Sonnendecks und Spielen am Strand Teil der Angebote des Aktivdecks.

Durch die Bepflanzung des Bereichs mit sich im Wind wiegenden Gräsern, robusten und dauerhaften Stauden sowie einer Uferzonenbepflanzung wird die Gestaltungsidee zusätzlich veranschaulicht. Das Aktivdeck mit seinem Mehrgenerationenspiel soll über 2014 hinaus für die Bevölkerung und die Besucher als Angebot erhalten bleiben.

Ersatz für den alten Steg, Beginn der Auskofferungsarbeiten für den Bau des großen Steges 'Achterdeck'. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Das Achterdeck

Das Achterdeck verbindet Innenstadt und Stadtpark miteinander. Es ist somit ein wichtiges Bindeglied zur Innenstadt und bildet das neue Entrée des Stadtparks. Die Verzahnung mit der Stadt wird durch eine zusätzliche neue Ebene des Achterdecks hergestellt. Eine Holzplattform schiebt sich vom Platz aus über das Wasser. Von hier aus bieten sich dem Besucher verschiedene Ausblicke und Einsichten in den Park. In das Deck integrierte Sitzelemente laden zum Verweilen und Entspannen ein. Einem Stadteingang und einem Park angemessen flankieren repräsentative Beete und Prachtstauden das Achterdeck und rahmen das Gartenschau-entree. Der Freiraum ist geprägt durch einen einladenden und dennoch urbanen Charakter.

Die Alte Werft oder die Landungsbrücke

Die Landungsbrücke ist der Ort des Ankommens und Abfahrens. Auch in Papenburg kommt der Besucher auf seiner große Kreuzfahrt hier an, geht an Land und fährt wieder ab. An den Landungsbrücken kann der Besucher am Wasser flanieren, zudem wird hier eine größer dimensionierte Veranstaltungsfläche angeboten. Hier finden auf der großen Bühne größere Konzerte statt. Ergänzt wird diese durch die gärtnerischen Blumen-Hallenschauen in der Alten Kesselschmiede/Alte Werft - einem industriehistorischem und sehr attraktiven Ambiente. Die Verortung des Gärtnermarktes nutzt geschickt die vorhandenen befestigten Flächen aus. Die Landungsbrücken sind zudem der ideale Ausgangspunkt für eine kleine Kanutour durch die Alte Werft und den Yachthafen.

Der maritime Spielplatz "Große Welle". Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Das Jahr der Gartenschau

Die gärtnerischen Ausstellungsflächen verbinden alle Sonderthemen mittels eines sich durchziehenden Pflanzkonzepts ähnlich einem Meer. Unterstützt wird diese Symbolik durch die Wahl eines kühlen Farbspektrums mit einem Farbverlauf von Weiß, Hellblau, Mittelblau, Dunkelblau bis Magenta. Durch hohe Ziergräser wird eine leichte und bewegte Wirkung, eine Assoziation von Dünen, Wind und Meer erzeugt. Auf Grund der kurzen Vorlaufzeit dieser Gartenschau von etwas mehr als einem Jahr für Planung und Bau, wurde bei der Pflanzenverwendung von Petra Pelz im Auftrag von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten auf Wechselflor und kurzlebige Stauden zurückgegriffen. Ungeachtet dessen wurde bei der Planung der Pflanzflächen aber davon ausgegangen, dass ein größerer Teil der Vegetationsflächen auch über das Jahr 2014 hinaus bestehen bleibt.

Neben diesen ganzen gartenschauspezifischen Themen sind es auch andere Spezifika die diese Gartenschau besonders machen. Eine extrem kurze Planungs- und Bauzeit, vom Vorentwurf bis zur Ausstellungseröffnung standen nur 18 Monate zur Verfügung, stellten eine besondere Herausforderung an das Planungsteam und die Entscheider. Auch ist das hohe bürgerschaftliche Engagement erwähnenswert und hierbei insbesondere der einmalig hohe finanzielle Beitrag von privatwirtschaftlicher Seite hervorzuheben. Aus unseren Erfahrungen mit Gartenschauen ist dieser hohe Identifikationsgrad der Bürger mit Ihrer Gartenschaustadt einer der nachhaltigsten Effekte einer Gartenschau und somit für die Stadt Papenburg und ihre Bürger.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2014 .

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