Der Kommentar

Private Equity hat den Landschaftsbau entdeckt

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Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann die unglaublichen Mengen an Geldvermögen, die es in der Welt gibt, auch den Weg in den erfolgsverwöhnten Landschaftsbau finden. In Nordamerika ist es ja schon länger so, dass die Eigentümer großer Landschaftsbauunternehmen im Wesentlichen Private-Equity-Gesellschaften sind. Hochbezahlte Betriebswirte leiten expansionsorientierte Unternehmen mit strategisch entwickelter Niederlassungsstruktur.

Der erklärte Marktführer in den USA trägt den schönen Namen "Bright View" und macht mit 21 500 Mitarbeitern in gut 200 Niederlassungen 2,3 Milliarden Dollar Umsatz. In den Vereinigten Staaten gibt es über 100 Unternehmen im Landscaping Business mit über 20 Millionen Dollar Umsatz. Ein Unternehmen wie Gothic Landscape bezeichnet sich mit 200 Millionen Dollar Umsatz in diesem Markt als regionalen Anbieter, der stolz darauf ist, noch in Familienbesitz zu sein.

Nach der guten Regel, dass fast alles was in den USA erfolgreich ist, auch nach Deutschland kommt, gibt es nun Bestrebungen, den Landschaftsbau aus der Welt der inhabergeführten Klein- und Kleinstbetriebe in eine Welt von Finanzinvestoren zu führen. Schon vor über 20 Jahren gab es einen ersten Anlauf, der allerdings im Sande verlaufen ist, auch weil die Unternehmer nicht bereit waren, überhaupt an anonyme Menschen zu verkaufen, die das Lebenswerk einer ganz anderen Philosophie unterstellen wollen. Also mussten die Kinder den Betrieb weiterführen, ganz gleich, ob sie wollten oder konnten. Auch heute dürfen die Kinder, meist sind es die Söhne, zum Teil unter fadenscheinigen Begründungen nicht einmal ein anderes Unternehmen von innen kennenlernen, nur damit die geniale Unternehmensstruktur des Seniors nicht in Frage gestellt wird.

Seit einiger Zeit sind nun wieder mindestens drei Investoren auf der Suche nach Unternehmen der Branche Landschaftsbau. Zwei echte Private Equity Investoren aus Schweden und der Schweiz, die unerkannt bleiben möchten, sprechen zurzeit gezielt Firmen an. Seit wenigen Wochen ist zudem ein Unternehmen mit Sitz in Frankreich mit einem Finanzinvestor aus Belgien intensiv auf der Suche. Immerhin kann idverde schon 700 Millionen Euro Umsatz vorweisen und plant bis 2024 einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Bisher ist das Unternehmen neben Frankreich auch im Vereinigten Königreich und in Dänemark aktiv. Durch die Akquisitionen bestehender Unternehmen soll nun auch der deutsche Markt bearbeitet werden. Das klare Ziel ist auch hier, Markführer bei öffentlichen und gewerblichen Kunden zu werden.

Der Zeitpunkt für eine solche Strategie ist günstig wie nie. Geld gibt es auf den Finanzmärkten im Überfluss und im Landschaftsbau winken hohe Renditen und hohe Potentiale zur Produktivitätssteigerung. Auch gibt es schon Betriebe, die in einer Niederlassungsstruktur denken. Alpina, Boymann, Grewe, Moser, Schuler, Wisag, um nur Beispiele zu nennen, haben schon eine Niederlassungsstruktur und sind auch in der Liste über 20 Millionen Umsatz zu finden. Warum also nicht die Expansion mit fremden Vermögen vorantreiben oder einfach verkaufen und mit dem Geld selber Private Equity betreiben. Wenn die Summe passt, warum nicht?

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2020 .

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