Die Preise für Abnehmer sind schon gestiegen

Produktionsrückgang und sommerliche Dürre: Baumschulware droht, dauerhaft knapp zu werden

Produktionsengpass in den Baumschulen: Viele Sorten werden in dieser Herbstsaison, spätestens aber Anfang nächsten Jahres zu absolut raren Gütern. Foto: BdB

Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) schlägt Alarm: Qualitativ hochwertige Gehölze werden knapp. Der Branchenverband spricht von einer regelrechten Trendwende. Noch drücke sich die Verknappung nur in Preisanstiegen aus. Doch bald werde es auch bei bestimmten Sortimenten eng, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl gegenüber der Neuen Landschaft.

Ursache dafür sei ein kontinuierlicher Rückgang in der Gehölzproduktion während der vergangenen Jahre in Deutschland, parallel dazu auch in den Niederlanden und in Italien. Vor allem bei den Züchtern unter den Baumschulen habe es eine große Anzahl von Betriebsaufgaben gegeben, erläuterte Guhl. Sie hätten still und leise stattgefunden, meist weil es für den Chef keinen jüngeren Nachfolger gab. Spektakuläre Insolvenzen, wie die Pleite der Euro-Baumschule Rudolf Schmidt in Halstenbek, seien zwar schlagzeilenträchtig, jedoch letztlich die Ausnahme gewesen.

Eine große Anzahl von Betriebsaufgaben

Diese Entwicklung, bereite den Baumschulen schon seit geraumer Zeit Sorgen, so der BdB-Hauptgeschäftsführer. Vor allem die vielen spezialisierten Großbetriebe, wie beispielsweise die Alleebaumproduzenten, seien ganz besonders auf ihre Vorlieferanten angewiesen. Qualitativ gute Ware im Jungstadium zu bekommen, sei immer schwerer geworden. Am Markt mache sich das jedoch stets erst zeitversetzt bemerkbar. Die Kultivierung eines Alleebaumes dauere ohne weiteres zehn bis zwanzig Jahre.

Vor allem bei den Züchtern unter den Baumschulen habe es eine große Anzahl von Betriebsaufgaben gegeben, erläutert BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl. Foto:BdB

Der Dürresommer 2018 verschärft die Krise

Der Dürresommer 2018 habe den bereits länger anhaltende Engpass in der Gehölzproduktion deutlich verschärft, klagte der BdB-Haupütgeschäftsführer. Vielerorts hätten Veredelungen von Obstgehölzen oder Rosen nicht stattfinden können. Stecklinge seien nicht selten in den Quartieren verkümmert. Und auch ältere Gehölze hätten aufgrund der Trockenheit kein Dickenwachstum erzielen können.

Ersatz ist nicht in Sicht: Vor allem Südeuropa kämpfe seit geraumer Zeit mit dem Quarantäneschädiger Xylella fastidiosa, sagt Guhl, dem Feuerbakterium, das in einigen Teilen Italiens zur Einrichtung von Quarantänezonen geführt hat. Ein Verbringen von Bäumen aus diesen Gebieten sei behördlich streng untersagt.

Viele Gehölzsorten werden zu raren Gütern

Nun mache sich der Produktionsengpass auch am Markt bemerkbar. Guhl: "Viele Sorten werden in dieser Herbstsaison, spätestens aber Anfang nächsten Jahres zu absolut raren Gütern." Leichte Sträucher und Sträucher aus dem Freiland seien in diesem Sommer in vielen Gehölzarten nicht groß genug geworden. Zum Beispiel würden bei Corylus avellana, Ligustrum vulg. Atrovirens und Viburnum opulus kaum v. Str. 100/150 anfallen.

Bei Heistern mit Ballen wie Acer campestre, Carpinus betulus und Fagus sylvatica werden die größeren Qualitäten wie 175/200 und 200/250 in diesem Jahrgang weniger vorhanden sein. Raritäten, wie Liquidambar werden in den begehrten Größen fast gar nicht zu bekommen sein - der europäische Markt ist schlichtweg leergefegt.

Rosen seien in Sorten reduziert am Markt, sowohl Freiland A Ware als auch Containerware. Steckholzvermehrte Jungpflanzen seien schlechter angewachsen, bespielsweise Ligustrum in Sorten. Das werde sich auch auf die Weiterkultivierung der nächsten Jahre auswirken.

Das Dickenwachstum der Bäume sei in diesem Jahr um einiges geringer als in den Vorjahren. Im Containerbereich sei der Schaden durch die Trockenheit nicht so extrem. Durch permanente Beregnung habe das Wachstum gut gehalten werden können. Aber auch dort gebe es Gehölze, die die durch Hitze und Sonneneinstrahlung gelitten hätten.

Bei Heistern mit Ballen wie Carpinus betulus werden die größeren Qualitäten wie 175/200 und 200/250 in diesem Jahrgang weniger vorhanden sein. Foto: pixabay

Verknappung hält noch über Jahre an

Die Verknappung werde sich im Zuge dieser Herbstsaison und mehr noch bei den Gehölzen für die Frühjahrspflanzungen beschleunigen. Wann die Entwicklung abebben werde, sei nicht absehbar, erklärte Guhl. Voraussichtlich werde sie über Jahre oder gar dauerhaft anhalten.

Für den BdB-Hauptgeschäftsführer steht aber auch fest: "Qualität hat ihren Preis." Da sich die deutschen Baumschulen an den Gütebestimmungen des Berufsstandes, wie sie in den FLL-Gütebestimmungen niedergelegt sind, orientierten, könnten sie die Pflanzen nur in engen qualitativen Parametern kultivieren, müssten minderwertige Ware aussortieren.

"Letztlich handelt es sich dabei um einen wichtigen Dienst für die Abnehmer", so Guhl, "damit sie auch in Zukunft Ware erhalten, die am Endstandort problemlos funktioniert sowie ästhetischen und ökologischen Aufgaben gerecht wird." cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2018 .

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