Projekt "Smart Trees"

Wiener Stadtgärten testen digitale Sensoren für Baumbewässerung

Um den Baumbestand der Stadt langfristig vital zu halten und Ressourcen effizienter einzusetzen, testen die Wiener Stadtgärten (MA 42) gemeinsam mit Wien Energie und Wien Digital (MA 01) im Rahmen des IoT-Projekts "Smart Trees" digitale Bodenfeuchtesensoren.
Baumbewässerung Stadtbäume
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (r.) bohrt ein Loch für den IoT-Sensor. Eine Mitarbeiterin der Wiener Stadtgärten hält den bereits verkabelten Sensor bereit. Foto: Stadt Wien/Martin Votava

Auf Grundlage der erhobenen Daten sollen künftig die optimale Wassermenge und das richtige Bewässerungsintervall festgelegt werden. Der Beobachtungszeitraum läuft zunächst bis Ende 2026; danach wird über weitere Schritte sowie gegebenenfalls über zusätzliche Ziele des Projekts entschieden.

Digitale Technologie für eine gezielte Bewässerung

Im Zuge des Projekts "Smart Trees" werden seit Februar 2024 im gesamten Stadtgebiet digitale Sensoren im Boden bei Jungbäumen eingesetzt. Sie messen laufend Werte wie Bodenfeuchte sowie Temperatur und übermitteln diese Daten über das stadtweite sich im Ausbau befindliche LoRaWAN-Netz. Das sogenannte LoRaWAN-Netz ermöglicht die energiearme Übertragung kleiner Datenmengen über große Entfernungen, wodurch die Sensoren besonders lange – ohne Batteriewechsel – betrieben werden können. Der vollständige Ausbau dieses Netzes in Wien ist bis 2028 vorgesehen.

Die Wiener Stadtgärten können die übermittelten Daten über eine Schaltzentrale, die sogenannte IoT-Base, auslesen, die von Wien Digital zur Verfügung gestellt wird. Gemeinsam entwickeln die Stadtgärten und Wien Digital die IoT-Base weiter, um künftig auch eine automatische Bewässerungssteuerung sowie eine optimierte Tourenplanung zu ermöglichen.

Erste Auswertungen zeigen hohes Einsparpotenzial

Die ersten Datenauswertungen zeigen bereits ein hohes Einsparpotenzial beim Wasserverbrauch und die Möglichkeit, flexibel und bedarfsgerecht zu bewässern. Dann müsste nicht mehr nach fixen Zeitplänen gegossen werden, sondern exakt dann, wenn die Bäume es benötigen.

Im Herbst 2025 wurde die Testreihe in der Fußgängerzone Favoritenstraße weiter ausgebaut: Zusätzlich zu den Sensoren im Boden kamen dort erstmals Sensoren am Stamm zum Einsatz. Über die Messung des Saftstroms kann ermittelt werden, wie viel Wasser ein Baum tatsächlich verdunstet. In Verbindung mit den Bodenfeuchtedaten lässt sich der Bewässerungsbedarf auf diese Weise künftig noch präziser bestimmen.

Bis Jahresende sollen in Wien insgesamt rund 460 Sensoren in unterschiedlichen Tiefen, Sensoren-Typen und bei verschiedenen Baumarten zur Testung eingesetzt werden. Anschließend wird entschieden, welche Ausstattung künftig stadtweit zum Einsatz kommt.

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Baumbewässerung Stadtbäume
Ein IoT-Sensor im Boden bei Jungbäumen. Er misst laufend Werte wie Bodenfeuchte und Temperatur. Die Daten werden dann an eine Zentrale übermittelt. Foto: Stadt Wien/Martin Votava

Wissenschaftliche Grundlage für ein Pflegekonzept der Zukunft

Die gesammelten Daten dienen jedoch nicht nur zur gezielteren Bewässerung, sondern werden zusätzlich wissenschaftlich genutzt. In Zusammenarbeit mit der Universität Wien, dem Verein "Land schafft Wasser" und dem Bundesamt für Wasserwirtschaft wird untersucht, wie sich unterschiedliche Baumarten entwickeln, welchen Einfluss Düngemittel auf das Wurzelwachstum haben und welche Standortbedingungen das Baumwachstum begünstigen. Langfristig soll aus den Erkenntnissen ein modernes, praxistaugliches Pflegekonzept für ganz Wien entstehen, um alle Jungbäume optimal und unter größtmöglicher Ressourcenschonung zu versorgen und so den vitalen Baumbestand der Stadt langfristig zu sichern und weiter auszubauen.

Das Gießmanagement der Wiener Stadtgärten

Die Wiener Stadtgärten pflegen rund 500.000 Bäume im Stadtgebiet – sowohl im Straßenbereich als auch in Parkanlagen. Mehrere Tausend Jungbäume werden dabei jährlich von den Wiener Stadtgärten neu gepflanzt und müssen mindestens in den ersten vier Jahren regelmäßig bewässert werden. Derzeit erfolgt dies teils manuell, teils über automatische Bewässerungssysteme. Diese Systeme arbeiten jedoch nach fixen Intervallen und können beispielsweise nicht auf wetterbedingte Veränderungen reagieren.

Durch den Einsatz von Sensordaten können Bewässerungsdurchgänge künftig reduziert und Bewässerungstouren effizienter geplant werden. Das spart Wasser, Energie und Personalressourcen und steigert zugleich die Vitalität der Jungbäume.

Weitere technische Innovation: Air-Pot-System

Daneben testen die Wiener Stadtgärten ein innovatives Pflanzsystem. Bei dem sogenannten Air-Pot handelt es sich um ein modernes Behältersystem, das durch noppenförmige Topfwände mit Luftöffnungen die Durchlüftung und Drainage des Wurzelbereichs verbessert. Dadurch entstehen kräftige Faserwurzeln und stabile Wurzelballen, welche die Anwuchsrate und die langfristige Vitalität der Bäume erhöhen. Während aktuell Baumpflanzungen nur in der kalten Jahreszeit möglich sind, könnte die verbesserte Wurzelentwicklung künftig in Ausnahmefällen sowie unter bestimmten Bedingungen auch Sommerpflanzungen ermöglichen.

Seit Dezember 2024 werden in der Baumschule Mauerbach 42 Bäume im Air-Pot-System getestet. Auch hier kommen Sensoren zum Einsatz, um die Bewässerung präzise zu steuern. Die ersten Ergebnisse zeigen ein deutlich verbessertes Wurzelwachstum und eine positive Entwicklung der Bäume. Im Herbst folgten in Essling weitere 60 Bäume aus dem Wiener Straßenbaumsortiment.

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