Junge Landschaft
Rasen – Teil 4
Der Deutsche und sein Rasen ist eine "Neverending Story". Gerade am Wochenende liegt über dem ganzen Land dieser durchdringende Ton, der entsteht, wenn sich ein schlecht geschärftes Rasenmähermesser durch den verfilzten Vorgartenrasen quält. Das ist keine Rasenpflege – um die soll es jetzt aber gehen. Jedem wird klar sein, dass eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema ein dickes Buch füllen würde, aber wer will das schon. Also, auch hier wieder wie gewohnt: Schwerpunkte, Denkanstöße, Prinzipien!
Was sollten die Schwerpunkte bei der Pflege von Rasen sein? Mähen, Wässern und Düngen wird sicher auch dem Laien einfallen, aber es gibt noch mehr am Rasen zu "basteln". Da wären noch das Aerifizieren, das Vertikutieren und das Besanden; vergessen dürfen wir auch nicht die Pflanzenschutzmaßnahmen, das Beseitigen von unerwünschtem Aufwuchs und die Laubbeseitigung. Da kommt einiges zusammen.
Pflichtarbeiten am Rande müssen ähnlich regelmäßig durchgeführt werden, wie das Mähen und Wässern. In ihrer Summe sorgen sie dafür, dass ein Rasen stets vital bleibt, was vor allem weniger Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge bedeutet, sowie ein Widerstand gegenüber Winterstress und Belastungen verschiedenster Art.
Das Mähen
- Der Rasen sollte möglichst trocken sein.
- Das Schnittgut darf nicht zu lang sein, d. h. es muss häufiger als üblich gemäht werden (zwei Mal pro Woche in der Hauptwachstumszeit).
- Das Schnittgut darf nicht verklumpen und muss gleichmäßig auf der Fläche verteilt sein.
- Das Schnittgut muss mineralisiert werden und darf sich nicht an der Bodenoberfläche als undurchlässige, schmierige Schicht (Filz) anreichern.
Regelmäßiges Mähen fördert die Dichte des Rasens. Die Gräser bilden neue Seitentriebe, neue Blätter und Ausläufer. Zudem werden nicht schnittverträgliche Kräuter in ihre Schranken verwiesen. Es ist wichtig, eine Schnitthöhe zwischen 3,5 und 5 cm einzuhalten (im Schatten nicht unter 4,5 cm) und niemals mehr als die Hälfte der Aufwuchshöhe auf einmal abzuschneiden. Je tiefer man schneidet, desto empfindlicher werden die Gräser.
Noch ein Wort zum Thema Mulchen: Hierbei verbleibt das Schnittgut auf der Rasenfläche. Das Schnittgut soll durch Bodenorganismen mineralisiert werden und die enthaltenen Nährstoffe stehen dann den Gräsern wieder als Nahrung zur Verfügung. Zudem erspart das Mulchen auch die oft teure Entsorgung des Schnittgutes. Für das erfolgreiche Mulchen benötigt man einen geeigneten Mulchmäher und die richtigen äußeren Bedingungen:
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Was sagen eigentlich die Gräser zu der Prozedur?
Aus botanischer Sicht wirkt das Mähen zunächst nachteilig auf die Gräser. Es verursacht einen temporären Stillstand des Wurzelwachstums, reduziert die Kohlenhydratproduktion beziehungsweise die Einlagerung von Kohlenhydraten. Des Weiteren bilden sich beim Mähen Eintrittspforten für Krankheitserreger, der Wasserverlust an den Blattenden wird kurzfristig erhöht und die Wasseraufnahme durch die Wurzeln reduziert. Ein regelmäßiger Schnitt muss allerdings nicht zwangsläufig zu diesen schädlichen Auswirkungen und echten Stress-Situationen führen.
"Die Natur findet einen Weg" – morphologische Veränderungen
Die meisten Rasengräser der kühlen Klimate stammen ursprünglich aus dem Grünland, wo sie regelmäßig durch Tiere kurz gehalten und damit eine Adaption an den Verlust von Blattmasse vollzogen wurde.
Durch das Mähen werden die Gräser u. a. zur Bestockung angeregt, sodass eine dichte Narbe mit einer größeren Triebzahl pro Quadratmeter entsteht. Beim Schnitt werden auch die Halme, die zur Blütenbildung angelegt werden, entfernt, somit verharrt der Rasen länger in einem vegetativen Zustand.
Eine Tiefschnittverträglichkeit nimmt jedoch bei ungünstigen Standortbedingungen wie Trockenheit, hohen Temperaturen, Krankheiten u. ä. deutlich ab. Werden die Gräserarten unterhalb ihrer Schnitttoleranz gemäht, so dünnt die Rasennarbe aus und die Einwanderung von Kräutern und Moosen wird gefördert. Schnitthöhen oberhalb des artenspezifischen Optimums führen zu einem schwammigen Rasen mit der Neigung zu flachliegenden Gräsern und der Erhöhung der Rasenfilzbildung.
Bedingt durch unterschiedliche Schnittverträglichkeiten wird die Konkurrenzkraft der einzelnen Arten in einem Pflanzenbestand nachhaltig durch die Mäharbeit beeinflusst.
Wie oft, wie tief?
Bei der Festlegung der Schnittfrequenz spielt die Aufwuchshöhe und die vorgesehene Schnitthöhe eine entscheidende Rolle. Dabei gilt die Faustregel: Beim Schnitt wird jeweils max. ein Drittel des Aufwuchses entfernt.
Alles hängt vom Rasentyp und den eigenen Ansprüchen ab. Ein Golfrasen muss öfter gemäht werden als ein Landschaftsrasen. Hinzu kommt, dass die Schnitthäufigkeit stark wetterabhängig ist. Bei trockener Witterung wächst das Gras nur sehr langsam. Entsprechend wenig muss in diesem Zeitraum der Rasen gemäht werden. Auch hier helfen zwei Faustregeln weiter:
Unabhängig vom Rasentyp sollte Rasen gemäht werden, bevor die Gräser zu blühen beginnen.
Zu hohes Mähen schadet einem Rasen nicht, ein extremer Kurzschnitt aber beeinträchtigt die Energieausnutzung und den guten Wuchs der Gräser.
Unterschiedliche Wachstumsraten während der Vegetationsperiode führen im Frühjahr beziehungsweise Frühsommer sowie im Frühherbst zu häufigeren Schnitten. Im Vergleich dazu, fällt das Wachstum während der Sommermonate schwächer aus. Bei Schnitthöhen von 40 mm reichen oft drei Schnitte innerhalb von zwei Wochen.
Zur Einhaltung der bekannten "Drittel-Regel" müssen kurzgemähte Rasenflächen entsprechend häufiger geschnitten werden. Diese Regel zeigt an, wann es Zeit für die nächste Mahd wird, und der Gebrauchsrasen in seiner Höhe um ein Drittel zu kürzen ist.
Für ein Golfgrün stehen darüber hinaus spieltechnische Eigenschaften der Puttoberfläche im Vordergrund, sodass während der Hauptvegetationszeit täglich gemäht wird und somit ca. 150 bis 220 Schnitte pro Jahr gezählt werden können.
Im Gegensatz dazu werden Gebrauchsrasenflächen im Wohn- und Parkbereich allzu oft nach den Möglichkeiten der Pflegekolonnen sowie den zur Verfügung stehenden Geräten und weniger nach der "Drittel-Regel" gemäht. Im Ergebnis bedeutet dies häufig, dass in großen Abständen ein radikaler Schnitt erfolgt und die Gräser nahezu ihre komplette Blattmasse verlieren. Dies entspricht eher einem Mährhythmus aus der Grünlandwirtschaft und führt nicht zu einem dichten Rasen.
Die folgende Tabelle fasst zusammen, wie die durchschnittliche
Schnitthäufigkeit und optimale Schnitthöhe je nach Rasentyp ausfällt.
Der Umgang mit dem Schnittgut
Doch Schnittgut ist keineswegs Abfall, sondern kann verschiedentlich weiterverwendet werden:
Welcher Mäher ist der Richtige?
Wer einmal in seinem Leben die in der Nähe von Eisenach stattfindende Technikschau des Garten- und Landschaftsbaues, die "demopark", besucht hat, kann im Ansatz erahnen, wie vielfältig die Angebote im Bereich Rasenmäher sind. Vom Überangebot lässt man sich leicht täuschen und verliert das Wesentliche aus den Augen. Die Kriterien einen optimalen Mäher auszuwählen sind einfach.
Sie werden unterschieden nach der Art der Mähwerkzeuge oder der Motorisierung und nach der Art der Steuerung und der Kraftübertragung (Rad, Kette oder Luftkissen). Auch gehören Bedienungstyp (Aufsitzmäher oder handgeführte Mäher) und Schnittbreite zu den Kriterien. Je nach Art und Funktionsweise des Mähwerkzeuges können verschiedene Mähertypen unterschieden werden:
Der Sichelmäher schneidet mit einem horizontal rotierenden Messer das Gras ab. Wichtig für ein gutes Schnittbild ist eine scharfe Klinge. Auch höher aufgewachsene oder gar nasse Rasenflächen lassen sich mit einem Sichelmäher mähen. Zur Aufnahme des Schnittgutes besitzen sie in der Regel einen Fangkorb.
Der Mulchmäher ist eine Variante des Sichelmähers. Er besitzt ein speziell geformtes Messer, das das Gras schneidet und mehrmals zerkleinert, bevor es als Mulch zur Nährstoffversorgung des Bodens in die Rasennarbe rieselt. Elektrisch angetriebene Mähroboter, die selbstständig über die Rasenfläche fahren, sind typische Mulchmäher.
Beim Spindelmäher werden die Grashalme wie mit einer Schere abgeschnitten. Dafür sorgen ein feststehendes Untermesser und ein rotierender Schneidzylinder. Richtig eingestellt und mit entsprechend scharfen Messern liefert dieser Mähertyp das beste Schnittbild.
Beim Balkenmäher sorgt ein feststehendes Untermesser in Verbindung mit einer beweglichen Messerschiene für einen exakten Scherenschnitt. Balkenmäher werden überwiegend als Frontanbau an einachsigen Motorgeräten betrieben. Sie sind für hohen Graswuchs bestens ausgerüstet.
Schnittbreite
Bei der Auswahl eines Rasenmähers ist die Schnittbreite ein wichtiges Kriterium. Sie bestimmt maßgeblich, wie lange ein kompletter Rasenschnitt dauert. Je breiter nämlich das Schneidwerk ist, desto geringer fällt der Zeitaufwand aus. Da aber auch mit der Breite des Schneidwerks die Anschaffungskosten steigen, ist es sinnvoll, die Schnittbreite von der Größe der zu mähenden Rasenfläche abhängig zu machen.
Folgende Empfehlungen haben sich bewährt:
weniger als 100 m bis 30 cm
100 bis 500 m² 30 bis 40 cm
mehr als 500 m² über 40 cm
Motorisierung
Rasenmäher werden in der Regel elektrisch oder mittels eines Benzinmotors angetrieben. Elektrisch angetriebene Rasenmäher sind relativ leise. Dadurch sind sie den lauten "Benzinern" in dicht besiedelten Gebieten ein wenig im Vorteil. Durch den Einsatz von Akku-Technik sind sie ohnehin im Anwendungsvormarsch.
Wozu dann noch Benzinrasenmäher? Die Mäher werden vor allem auf großen Flächen eingesetzt, da sie zurzeit noch dem Akku-Mäher an Leistungsstärke und Schnittbreitenvaribialität überlegen sind.
Uwe Bienert
Nächsten Monat lesen Sie: „Rasen, Teil 5“
Quellen:
Farbatlas Peter Rüther: Frühblüher – Heimische Arten im Überblick. Hohenwarsleben (Westarp Wissenschaften), Åge Nicolaisen: Blumenzwiebeln – Frühlingsblumen. 2. Auflage. BLV, München 1966, Einheimische Laubgehölze (Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim), Grundkurs Gehölzbestimmung (Lüder, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim), Taschenlexikon der Gehölze (Schmidt / Hecker, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim), International standard ENA 2010-2015 (M.H.A. Hoffmann, ENA’s European Plant Names Working Group)



















