IPM-Forschungsprojekt zum Integrierten Pflanzenschutz

Rasenkrankheiten und Schädlinge auf Europas Golfplätzen im Fokus

1. UV-C Behandlungsgerät zum Einsatz gegen Rasenkrankheiten. Foto: Wolfgang Prämaßing

Die Rasenforschungsgruppe des Norwegian Institute for Bioeconomy Research (NIBIO) hat diversen europäischen Partnern ein Projekt zum Integrierten Pflanzenschutz gestartet, dessen Fokus auf den wichtigsten Pilzkrankheiten und Insekten-Schaderregern auf Golfrasen liegt.

Das Ziel des sogenannten IPM-Projekts (Integrated Pest Management) ist die Untersuchung und Bewertung von Maßnahmen im Rasenpflegemanagement, die neue Techniken und alternative Produkte kombinieren. Dadurch sollen Krankheiten wie Microdochium Schneeschimmel und Dollarflecken nur mit stark reduziertem Einsatz von Pflanzenschutzmittel (PSM) kontrolliert werden können.

Darüber hinaus werden auch Maßnahmen gegen tierische Schädlinge wie Tipula-Larven und Käferengerlinge evaluiert. Die Ergebnisse sollen dann aktiv in Greenkeeping- und Rasenbranche hineingetragen werden.

Der Integrierte Pflanzenschutz besagt, dass PSM nur dann Verwendung finden können, wenn alle anderen Kulturmaßnahmen und alternativen Pflanzenschutzmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Die in diesem Projekt beteiligten Länder wie Norwegen, Deutschland und Großbritannien haben sich entsprechend der EU-Richtlinien zu nachhaltigem Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und zur Umsetzung der Strategien des Integrierten Pflanzenschutzes verpflichtet.

Das IPM-Projekt soll neue Erkenntnisse im Hinblick auf die steigenden Herausforderungen im Umgang mit den genannten Schaderregern liefern. Dazu werden auch Versuche auf Golfplätzen und Demonstrationen auf Versuchsflächen von Forschungsstationen einbezogen.

2. Dollarflecken auf Grünsrasen. Foto: Tatsiana Espevig

Microdochium Schneeschimmel und Dollarflecken

Zur weitergehenden Kontrolle von Schneeschimmel und Dollarflecken auf Golfplätzen untersucht das Projekt die Wirksamkeit von Maßnahmen wie das "Rolling" von Grün, der UV-C Behandlung und den Einsatz alternativer Produkte.

"Rolling" zeigte bereits eine deutlich reduzierende Wirkung im Zusammenhang mit Dollarflecken und in aktuellen Studien wurde auf Poa annua Grün ebenfalls eine mögliche reduzierende Wirkung gegen Schneeschimmel beobachtet. Daher wird das "Rolling" im Rahmen des Projektes auf dem Golfplatz des Copenhagen Golf Club in Dänemark auf Festuca/Agrostis Grüns weiter untersucht.

Die UV-C Strahlung ist eine Technologie aus dem Hygienebereich zur Abtötung von Keimen und wird seit einigen Jahren zunehmend zur Kontrolle/Vermeidung von einigen Pilzkrankheiten auf Rasenflächen eingesetzt. Hier sind die keimhemmende Wirkung bei Pilzen durch Zerstörung der Zell-DNA und die Beeinträchtigung des Myzelwachstums auf Blattoberflächen beschrieben. Der Einsatz der UV-C Strahlung wird in diesem Projekt auf dem Golfplatz des Osnabrücker Golf Club auf die Wirkung gegen Dollarflecken und Schneeschimmel von der Hochschule Osnabrück untersucht (Abb. 1).

In Kooperation mit Produktherstellern werden im Rahmen des Projektes auch alternative Produkte gegen Schneeschimmel und Dollarflecken speziell auf den Forschungsstationen des NIBIO in Landvik (Norwegen) und des (Sports Turf Research Institute (STRI) in Bingley (Großbritannien) untersucht. Da Dollarflecken (Abb. 2) speziell in den nordischen Ländern noch als "neue" Krankheit gilt, werden im IPM-Projekt auch die entsprechenden Schaderreger isoliert und Versuche mit Saatgut als mögliche Quelle für die Verbreitung in Europa geprüft.

In Kooperation mit Forschern und Herstellern in Russland und Finnland werden hier auch Immunoassay-Test-Kits als schnelle Diagnosemöglichkeit für die verursachenden Krankheitserreger an Pflanzengewebeproben untersucht.

Perspektiven des Projekts

Da die meisten PSM-Wirkstoffe gegen Insekten-Schaderreger auf EU-Ebene nicht mehr zugelassen beziehungsweise genehmigt werden, nimmt der Bedarf an alternativen Methoden zur Kontrolle von Engerlingen und Larven von Schnaken zu.

Im IPM-Projekt wird eine Literaturstudie die Kontrollmöglichkeiten und innovative Monitoring- und Warnsysteme über das Schädigungsrisiko im Zusammenhang mit der Befallstärke/Populationsdichte dieser Insektenarten erarbeitet.

Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative von Wissenschaftlern, Greenkeepern und Herstellern alternativer Produkte und Techniken aus den nordischen Staaten, Deutschland, Niederlande und Großbritannien.

Die Projektergebnisse werden unter anderem über die Website des Scandinavian Turf and Environmental Research Foundation (STERF, www. sterf.org) verbreitet. Die skandinavische Stiftung mit Sitz in Stockholm ist neben The Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (Schottland) Hauptförderer des IPM-Projekts.

Zudem werden erste Ergebnisse bei der European Turf Society Conference ETSC 2022 sowie bei der jährlichen BIGGA Turf Management Exhibition BTME vorgestellt werden.

Karin Juul Hesselsøe, Tatsiana Espevig und Wolfgang Prämaßing/hb

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 05/2020 .

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