17. Landschaftsbautagung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Recycling und Auflagen in der umweltgerechten Bauabwicklung

Die Referenten und das Organisationsteam der Landschaftsbau Tagung 2021: Die Moderation hatten Prof. Dr. Rudolf Haderstorfer und Prof. Dr. Cristina Lenz übernommen. Foto: HS Weihenstephan-Triesdorf

Unter dem Thema "Nachhaltige Bauabwicklung - Umweltschutz auf der Baustelle" wurde die 17. Landschaftsbautagung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf abgehalten. Im digitalen Format präsentierten die sechs geladenen Referenten das Thema der nachhaltigen Bauabwicklung aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln.

E-Baumaschinen im GaLaBau bereits heute geeignet

Prof. Dr. Thomas Brunsch hielt den Eröffnungsvortrag zum Thema "Nachhaltige Maschinentechnik - Erfahrungen und Bewertungen zu alternativen Energien". Motiviert durch die Einsparung von CO2, befindet sich die Fahrzeugtechnik seiner Einschätzung nach inmitten einer ELICOSS-Disruption: Elektrische Antriebe werden den Verbrennungsmotor im Bereich der Pkws vom Markt drängen. Der Einsatz der Wasserstofftechnologie ist laut Brunsch erfolgver-sprechend im Segment der Schwertransporte, Schwermaschinen und im Flugverkehr. Im Hinblick auf Baumaschinen steht die beschriebene Disruption bevor. Denn auch hier gibt es ein hohes Potenzial der Emissionseinsparung. So kann ein einziger E-Bagger bis zu 32 t CO2 pro Jahr einsparen, das entspricht der CO2-Last eines Vier-Personen-Haushalts. Nach den Erfahrungen von Brunsch sind E-Baumaschinen für Landschaftsbauarbeiten bereits heute geeignet und haben gerade im Bereich lärm- oder abgassensibler Arbeiten ihre Daseinsberechtigung.

Benjamin Küsters zeigte beim Thema "Umweltgerechte Bauabwicklung" verschiedene Teilaspekte auf, die unterschiedlich anzugehen sind. Während beispielsweise die Artenschutz-verordnung, die die Schnittzeiten von Gehölzen zum Schutz für Wildtiere regelt, relativ einfach bewerkstelligt werden kann, ist etwa die Wiederverwendung von Materialien weit schwieriger umsetzbar. Küsters verwies auf den bürokratischen Aufwand zur Verwendung von Recycling-Materialien. Auch ein Aspekt der umweltgerechten Bauabwicklung ist der E-Baumaschineneinsatz. Hier berichtete Küsters von einer Untersuchung der Arbeitsgruppe des VGL Nordrhein-Westfalen, die sehr gute Erfahrungen mit E-Baumaschinen gemacht hat. Zur Umsetzung einer umweltgerechten Bauabwicklung appellierte Küsters an die Offenheit gegenüber neuen Denkweisen sowie ein konzeptionelles Zusammenwirken aller Projektbeteiligten. Bürokratische Vorgaben und komplexe Projektsteuerungstools seien nicht zielführend, vielmehr muss eine umweltgerechte Bauausführung wieder Teil des Arbeitsethos sein.

Stefan Schmidmeyer widmete sich der Verwertungsstrategie für Bodenaushub. Eine davon ist das Bodenrecycling. Foto: Moritz Lösch, Neue Landschaft

Offene Fragen zur Nutzung des Bodenaushubs

Durch den dritten Vortrag der Landschaftsbautagung führte Stefan Schmidmeyer, der sich mit dem Thema "Der Umgang mit Boden - konkrete Empfehlungen zur Wiederverwendung und Entsorgung" befasste. Der aktuelle Umgang mit der Thematik "Entsorgung" sieht für ihn erschreckend negativ aus, da weniger als 10 Prozent des Bodenaushubs wiederverwertet wird. Dabei gibt es einige Möglichkeiten für die Verwertung. Schmidmeyer nannte den Ein-bau vor Ort in Form von Schutzwällen oder Dämmen, das Weitergeben geeigneten Boden(-aushub)s an die Baustoffindustrie oder auch eine direkte Verwertung auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Eine wichtige Verwertungsstrategie stellt außerdem das Bodenrecycling dar. In seinem Vortrag stütze sich Schmidmeyer auf fünf grundsätzliche Fragen zum Bodenaushub: Unterliegt der Bodenaushub dem Abfallrecht oder nicht? Wann ist eine Bodenuntersuchung notwendig? Wie ist sie durchzuführen? Wie kann der Boden wiederverwendet werden oder wie muss er entsorgt werden? Wie wirkt sich der aktuelle Umgang mit dem Boden auf die Zukunft aus?

Das Thema der beiden folgenden Vorträge war die Umweltbaubegleitung. Darüber referierten Dr. Ulrich Uehlein und Landschaftsarchitekt Dietmar Narr. Uehlein berichtete von der Umweltbaubegleitung (UBB) in München, die zu einer stärkeren Rücksichtnahme auf den Baumschutz und die Freiflächengestaltungssatzung führen soll. Die Regelungen im Bauge-nehmigungsverfahren machen die Begründung nach einem rechtlichen Verlangen einer UBB allerdings schwierig. Eine UBB kann daher nur bei sehr bedeutsamen oder schwer umsetzbaren naturschutzrechtlichen Auflagen gefordert werden. Die Tätigkeiten der UBB sind unter anderen die Auswertung und Übersetzung von Auflagen und Hinweisen aus der Genehmigung sowie Kontrollgänge auf den Baustellen. Narr betonte in seinem Vortrag die zuneh-mende Bedeutung der UBB in den letzten Jahren. Die Umsetzung von umwelttechnischen und naturschutzrechtlichen Auflagen der Genehmigungsbehörden erfordern die Kompetenzen der UBB. Dabei gilt es, die Schnittstellen der UBB als Bestandteil des Naturschutzes zu den Aufgabenfeldern der Bauleitung und dem Technischen Umweltschutz zu beachten.

Martin Rinderknecht diskutierte die umstrittenen Mikroplastik-Austrag bei Kunststoffrasen. Er beläuft sich auf jährlich rund 2,2 Tonnen pro Feld. Foto: Guttorm Raknes, Wikimedia Com-mons, CC BY-SA 3.0

Wie Kunstrasenfelder kein Mikroplastik austragen

Den abschließenden Vortrag "Kunstrasen - quo vadis: Die Diskussion um Mikroplastik" hielt Martin Rinderknecht.

Als entscheidenden Vorteil von Kunstrasen im Gegensatz zu Naturrasen nannte Rinderknecht die ganzjährige Bespielbarkeit und die Möglichkeit hoher Nut-zungsstunden. Während Naturrasen maximal 900 h/Jahr genutzt werden können, können Kunstrasen über 1300 bis 1600 h Spielbetrieb/Jahr aufnehmen. Der bedeutende Nachteil der Kunstrasen ist dagegen der Austrag von Mikroplastik, der sich laut Rinderknecht auf jährlich rund 2,2 Tonnen pro Feld beläuft. Daher sollte der Bau eines Kunstrasenfelds vorab anhand der Nutzungsintensität abgewogen werden.

In Abhängigkeit der jeweiligen optimalen Nutzungsdauer lassen sich bei Kunstrasenfeldern im Vergleich zu Naturrasenfeldern sogar weniger Umweltauswirkungen pro Nutzungsstunde feststellen. Eine Reduzierung des Mikroplastikaustrags ist durch Pflegeoptimierung, bauliche Maßnahmen, alternative Füllstoffe oder den Einsatz unverfüllten Kunstrasens möglich.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 05/2021 .

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