Regenwassermanagement mit Weitblick

Klimaresiliente Stadtplanung als Antwort auf Wetterextreme

Längere Hitzeperioden und geringerer Niederschlag im Sommer sowie häufigere Starkregenereignisse bei zunehmender Versiegelung führen vor allem in Städten zu einem Umdenken im Umgang mit Regenwasser. Das stand im Mittelpunkt einer zweitägigen Presseveranstaltung der Mall GmbH und des Bundesverbands GebäudeGrün e. V. (BuGG) mit rund 40 Pressevertretern in Berlin.
Klimaresilienz Klimawandel
Die Referenten (v. l. n. r.): Markus Böll, Christoph Schulze Wischeler, Martin Lienhard (Mall GmbH), Dr. Gunter Mann (Bundesverband GebäudeGrün e. V.), Prof. Dr. Heiko Sieker (Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH) und Dr. Tim Peters (Provinzial Holding). Foto: Cornelia Rachow, Allgemeine Bauzeitung

"Regenwasser ist kein Müll – Regenwasser ist Ressource", betonte Christoph Schulze Wischeler, Geschäftsführer der Mall GmbH. "Wir reden mittlerweile nicht mehr über Verhinderung des Klimawandels – wir reden mittlerweile über Klimaanpassung." Bei der Veranstaltung wurde eine aktuelle Marktbefragung der Mall GmbH zum Umgang mit Regenwasser in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt. An der Befragung nahmen im Frühjahr 2025 insgesamt 4458 Personen aus Architektur- und Ingenieurbüros, Handwerk, Behörden, Hochschulen und dem Baustofffachhandel teil.

Die Bedeutung präziser Risikobewertung wächst

Die Ergebnisse der Marktbefragung, die Mall-Pressesprecher Markus Böll vorstellte, zeigen ein klares Bild: 77 Prozent der befragten Architekten, Ingenieure und Behördenvertreter sehen die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung positiv. 98 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten eine steigende oder zumindest gleichbleibende Nachfrage bei Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung. Die ungleiche Verteilung des Regenwassers zwischen punktuellem Starkregen und Trockenperioden spiegelt sich in den Topthemen der Zukunft wider: Starkregen und Regenwassernutzung stehen mit 74 und 72 Prozent bei den Befragten ganz oben. Das Thema Trockenheit verzeichnete den stärksten Anstieg (von 16 im Jahr 2023 auf jetzt 40 %).

Referent Dr. Tim Peters von der Provinzial Holding analysierte in seinem Vortrag die Ursachen und Auswirkungen extremer Starkregenereignisse und betonte: "Das frühere Extremereignis wird das künftige Normal." Anhand meteorologischer Grundlagen, Schadensdaten und Klimaszenarien verdeutlichte er die wachsende Bedeutung einer präzisen Risikobewertung und einer verbesserten Aufklärung sowie Absicherung gegenüber Naturgefahren. Professor Dr. Heiko Sieker vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Berlin stellte praxisnahe Strategien zur Umsetzung des Schwammstadtprinzips vor, mit Fokus auf den Umgang mit Starkregen, Trockenperioden und steigender Flächenversiegelung. "60 Prozent der Straßenbäume in Berlin sind geschädigt", erklärte er. "1 Prozent Versiegelung kommt pro Jahr in Berlin dazu." Anhand konkreter Berliner Projekte wie den Buckower Feldern zeigte er, wie multifunktionale Flächen, Baumrigolen und dezentrale Speicher zur klimaangepassten Stadtentwicklung beitragen können. "Massive Entwässerung ist nicht die Antwort – die Antwort ist das Schwammstadtkonzept", so Sieker. "Schwammstadt ist erprobt, aber es muss Mainstream werden."

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Das Bürogebäude AERA in Berlin-Charlottenburg hat einen öffentlich zugänglichen Dachgarten mit fünf verschiedenen Baum- und 25 Pflanzenarten. Foto: Cornelia Rachow, Allgemeine Bauzeitung

Berliner Dachgarten ist Vorzeigeprojekt

Das Schwammstadtprinzip, international auch als "Sponge City" bekannt, zielt darauf ab, Regenwasser dort zu speichern, wo es fällt, anstatt es schnell abzuleiten. Dies geschieht durch Bausteine wie Versickerungsmulden, Retentionsräume, Raingardens, durchlässige Beläge, Teiche, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Baumrigolen und Straßenmulden. Martin Lienhard, Leiter der technischen Abteilung bei Mall, zeigte praxisbewährte Lösungen für eine klimaresiliente Regenwasserbewirtschaftung. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere Kanalisation an die Regenereignisse anpassen", warnte er.

Dr. Gunter Mann, Präsident vom Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG), präsentierte aktuelle Marktdaten zur Dach- und Fassadenbegrünung. Der Gründachmarkt verzeichnete 2023 mit über zehn Millionen Quadratmetern neu begrünter Fläche ein deutliches Wachstum, ebenso der Bereich Fassadenbegrünung. Am zweiten Tag der Veranstaltung standen realisierte Bauvorhaben im Mittelpunkt. Das Bürogebäude AERA in Berlin-Charlottenburg hat einen öffentlich zugänglichen Dachgarten mit fünf verschiedenen Baum- und 25 Pflanzenarten. Das integrierte Retentionssystem kann Wasser speichern, das in Trockenperioden den Pflanzen zur Verfügung steht und bei Starkregen das städtische Überflutungsrisiko reduziert. Der Gendarmenmarkt ist seit seiner Sanierung vollständig von der Kanalisation abgekoppelt – das anfallende Regenwasser wird über Substratfilter gereinigt und versickert anschließend über Rigolen im Untergrund.

cr/ph

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