Optimale Sortenwahl gegen den Klimawandel
Schlankwachsende Hainbuchen für öffentliches Grün und Gärten
von: Thorsten Ufer, Dr. Andreas Wrede
Carpinus-Sortiment
Sorten der Gewöhnlichen Hainbuche Carpinus betulus L. (Betulaceae – Birkengewächse, Fagales – Buchenartige) gibt es in großer Anzahl und sie befinden sich schon sehr lange in gartenbaulicher Verwendung. Von besonderem Interesse sind die, die einen schlanken Habitus aufweisen. Während das Wuchsverhalten von C. betulus 'Fastigiata' und 'Frans Fontaine' dahingehend recht gut bekannt ist (hier als Referenzsorten), gibt es bei den anderen Cultivaren eher wenige verlässliche Informationen dazu.
Häufig ist unklar, ob nur die Schnittmaßnahmen in den Baumschulen einen (vorrübergehenden) schlanken Kronenaufbau bewirkt haben. Deshalb sollten sich die Pflanzen in dieser Sichtung zu weitestgehend freiwachsenden Solitärgehölzen entwickeln. Dies galt primär für die Sorten 'A. Beeckman', 'Bonanomi', 'Bonnet's Pyramid', 'Columnaris Nana', 'Lucas' und 'Nord'. Die zum Sichtungsbeginn noch neue Hopfenbuche Ostrya carpinifolia 'FC Moree' wurde unter dem gleichen Gesichtspunkt als Ergänzung mitgeführt.
Schlanker Wuchs war bei einem Teil der Hainbuchen nicht zu erwarten. So wird beispielsweise C. caucasica mit der Art C. betulus gleichgesetzt – bekanntermaßen zunächst kegelförmig später ausladend. Der taxonomische Status und die Wachstumseigenschaften sind bei C. carpinzza nicht eindeutig. In der Datenbank von Global Biodiversity Information Facility findet sich eine Eingruppierung als Unterart der Gewöhnlichen Hainbuche. Bei den Sorten 'Purpurea' und 'Lochglow' wurde neben dem Habitus auch ein besonderes Augenmerk auf Austrieb und Herbstfärbung gelegt. Die Amerikanische Hainbuche C. caroliniana 'Red Fall' versprach ebenfalls einen attraktiven Herbstaspekt.
Nur wenige Informationen lagen für die zwei Orientalischen Hainbuchen C. orientalis 'Astrid' und 'van Laerhoven' vor. Neben dem Wuchstyp waren hier auch phaenologische Merkmale wie Austrieb, Blüte und Fruktifikation von Interesse. Gleiches galt für die Turczaninow Hainbuchen-Sorte C. turczaninowii 'Ward'.
Ablauf der Sichtung
Das verwendete Pflanzenmaterial wurde im Oktober 2017 von der niederländischen Baumschule van Aart Boomkwekerijen (Oudenbosch) in 2-Liter-Containern geliefert. Nur die Hopfenbuche 'FC Moree' (60–80 cm, 3-Liter-Container), stammte von Batouwe Boomkwekerijen (Dodewaard). Nach einjähriger Vorkultur bei Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein pflanzten die Versuchsstandorte Bad Zwischenahn, Dresden, Ellerhoop, Erfurt, Hannover, Quedlinburg Stuttgart-Hohenheim und Veitshöchheim die Gehölze im Herbst 2018 auf.
In den beiden darauffolgenden Jahren erfolgte die Weiterkultur nach guter gärtnerischer Praxis, jedoch unter der Prämisse die Schnittmaßnahmen minimal zu halten, um den natürlichen Kronenaufbau möglichst wenig zu beeinflussen. Bei den anfangs gestäbten Pflanzen durften zu Beginn parallele Terminaltriebe entfernt und zu lange Seitentriebe eingekürzt werden. Auf ein klassisches Aufasten des Stamms wurde verzichtet. Der Austrieb an der Basis wurde lediglich im Bereich der Veredlungsstelle beseitigt.
Die kontinuierliche Bewertung, also die eigentliche Sichtung der Hainbuchen wurde in den Jahren 2021 bis 2023 durchgeführt. In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der acht Standorte anhand von Mittelwerten zusammengefasst. Insgesamt konnte bei den Carpinus betulus ein problemloses Anwachsen sowie eine gute weitere Entwicklung beobachtet werden. Dagegenwaren bei den übrigen Carpinus-Arten/ Sorten und Ostrya einige Ausfälle beziehungsweise deutlicher Kümmerwuchs festzustellen. Über alle Standorte waren das bei 'Ward' (17 % aller Pflanzen), 'Astrid' (25 %), 'van Laerhoven' (38%) und Ostrya 'FC Moree' (33 %). Als Ursache dafür sind Unverträglichkeiten von Unterlage und Edelsorte sehr wahrscheinlich. Auch wenn solche stark geschädigten Pflanzen aus der Wertung herausgenommen wurden, ist das bei der Bewertung der dazugehörigen Ergebnisse zu berücksichtigen.



Ferner hingen bei allen Sichtungspflanzen die Bewertung der Merkmale Winterhärte, Spätfrosthärte und Trockenheitsverträglichkeit von dem natürlichen Auftreten beziehungsweise dessen Intensität ab. Demzufolge basiert der Endwert dort nur auf acht (Spätfrost) oder neun (Trockenheitsverträglichkeit) Einzelwerten. Die winterlichen Tiefsttemperaturen der Standorte im Untersuchungszeitraum, auf denen die Winterhärte beruht, sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Die finale Sternebewertung setzt sich aus dem dreijährigen Wert des Gesamteindrucks und der fachlichen Einschätzung der Mitglieder des Arbeitskreises zusammen. Daraus ergab sich, trotz der unterschiedlichen Eigenschaften, ein sehr einheitliches Resultat. Alle mehr oder weniger schmalkronigen Carpinus betulus erhielten mit zwei Sternen die Note "sehr gut". Übertroffen wurde dies nur von der "ausgezeichneten" drei Sterne Sorte 'Lucas', die nun mit der Bezeichnung "Premiumgehölz der Bundesgehölzsichtung" beworben werden darf.
Verwendete Literatur
Erhardt, Götz, Bödeker, Seybold (2008 a und b): Der große Zander – Enzyklopädie der Pflanzennamen. Bd. 1 – Familien und Gattungen und Bd. 2 – Arten und Sorten Eugen Ulmer, Stuttgart
Hoffman, M. (2025): List of names of woody plants and perennials. http://www.internationalplantnames.com (10. Januar 2025)
Roloff, A. & Bärtels, A. (2018): Flora der Gehölze. 5., aktualisierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart
GBIF Global Biodiversity Information Facility https://www.gbif.org/species/6289700 (10. Januar 2025)
















