Einblicke in die hohe Kunst der Gehölzpflege
Solitärgehölze – die wichtigsten Elemente im Garten
von: Peter BergAußerdem pflanzt man auch wesentlich mehr Gehölze im Verhältnis zur Gartengröße. Zum einen pflanzt man Gehölze, welche schon 20 bis 50 Jahre alt sind, aber auch viele kleinere, die sich entwickeln dürfen.
Möglichst vollsonnige Plätze sind nicht das Ziel, sondern Schatten, besonders lichter Schatten. Man verleiht den Gehölzen durch Schnitt wesentlich mehr Transparenz und gibt dadurch Unterpflanzungen bessere Bedingungen.
Kriterien bei der Gehölzauswahl
Im Moment scheint es so, dass sogenannte "Klimabäume" das wichtigste Kriterium bei der Gehölzauswahl sind. Sachlicher ist allerdings das Kriterium Trockenheitsresistenz zu nennen. Verschiedene Listen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Am fundiertesten scheint mir noch der Schwede Henrik Sjöman, dessen erschienene Liste in diesem Zusammenhang empfehlenswert ist.
Manche Ausschreibungen beziehen sich rein auf den Aspekt "Klimabaum" und viele davon sind in vernünftigen Qualitäten gar nicht mehr zu bekommen, wie zum Beispiel Castanea sativa (Esskastanie). Das heißt das Kriterium Verfügbarkeit ist wichtig damit man weiterkommt. Pflanzenalter und Größe, sowie das Preis-/Leistungsverhältnis interessieren besonders die Privatkunden.
Krankheitsresistente und gesunde Ware sollte zudem auch eine Voraussetzung sein. Licht und Bodenverhältnisse bestimmen auch die Pflanzenauswahl, sowie der Platzbedarf und die entsprechende klimatische Zone.
Neben den vielfältigen Standortfaktoren mit denen eine Pflanze zurecht kommen muss ist auch das Erscheinungsbild für das jeweilige Projekt entscheidend.
Hier unterscheiden wir in:
- Laubabwerfend oder immergrüne Gehölze
- Eine dichte und kompakte Wuchsform oder filigran und Transparent
- Groß- oder Kleinblättrig
- Uniform oder individuell
- Blütenpracht
- Fruchtschmuck
- Herbstfärbung
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass wir zu möglichst älteren und langlebigen Gehölzen tendieren. Denn pflanzen, die preiswert sind und explosionsartig wachsen verursachen meist mehr Arbeit in der Unterhaltung. Entscheidend für die Qualität der Pflanzen ist das regelmäßige verpflanzen.
In der Regel sollte dies alle vier Jahre in der Baumschule geschehen. Darauf müssen wir uns bei unseren Lieferanten unbedingt verlassen können. Im Übrigen haben auch Pflanzen, die regelmäßig verpflanzt werden ein interessantes Erscheinungsbild, weil sie alle vier Jahre in ihrem Wachstum gestoppt werden.
Gründlichkeit bei der Bodenvorbereitung oder Substratauswahl ist entscheidend, wenn die Pflanzen sich möglichst gut entwickeln sollen. Wir alle kennen Beispiele, wo Pflanzen immer weiter kümmerlich wachsen.
Ohne Wässern geht es nicht
Auch trockenheitsresistente Gehölze müssen in den ersten Jahren bei Bedarf gründlich gewässert werden. Oft reicht eine Notsituation aus, die die Pflanze dauerhaft schädigt. Selbst wenn die Pflanze ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist, kann sie diese Stoffe nicht ohne genügend Wasser aufnehmen.
Von den Plastiksäcken am Gehölzfuß, die die Unterpflanzung stören und die das Wasser in homöopathischen Dosen abgeben halten wir gar nichts. Hinzu kommt der sinnlose Einsatz von Plastik. Außerdem kann man während des Befüllens des Wassersacks in der gleichen Zeit mit einem Wasserfass deutlich mehr Wasser an die Pflanze bringen. Produktivität beim Gießen heißt möglichst viel Wasser in kurzer Zeit den Pflanzen zur Verfügung zu stellen.
Gehölzschnitt
Bei uns werden die Gehölze mit scharfen japanischen Werkzeugen von Hand geschnitten und nicht mit der Maschine massakriert, wie man es nur allzu häufig sieht. Wieviel besser könnten unsere Lebensbedingungen sein, wenn nicht so viele Pflanzen unter Wassermangel eingehen würden oder unter unsachgemäßen Schnittmaßnahmen zu leiden haben.
Pflanzen sind besser als Klimaanlagen
Mit einem verhältnismäßig hohen Gehölzanteil um das eigene Haus schafft man optimalere und deutlich angenehmere Klimabedingungen für Haus und Bewohner. Schon in unserem Vorgarten kann man den Einsatz von verschieden hohen und großen Gehölzen erkennen. Deren Laub überkront zum Teil den öffentlichen Gehweg und die Stellplätze und sorgt für eine geringere Aufheizung des Asphalts.
Zudem bindet die Blattmasse den Feinstaub des Straßenverkehrs und sorgt für ein besseres Kleinklima. Mit dem Einsatz von Kletterpflanzen auf der Südseite wird dieser Effekt weiter begünstigt. Die Wetterseite ist, wie in der Kulturlandschaft im Eifler Ort Höfen, mit haushohen Buchenhecken bepflanzt. So wird das Haus vor Wetterextremen und auftretendem Schlagregen geschützt. Zusätzlich entsteht ein natürlicher und ästhetischer Sichtschutz zu den Nachbarn und die Hecke verhindert das Aufheizen der Fassade.
Und nun nochmal zurück zu unserem "Boss" im Garten. Der charakteristische Hausbaum, der als Schattenspender funktioniert und die Terrassenflächen natürlich beschattet. So wird der Sonnenschirm im Garten überflüssig.
Zum Schluss möchten wir nochmal dafür appellieren größere Gehölzqualitäten zu verwenden, weil die Baumschulen die Erziehungsarbeiten an den Gehölzen viel besser leisten können. Prächtige Gehölze müssen schließlich erzogen werden. Erziehungsarbeiten finden in der Regel nach der Pflanzung nicht mehr statt und die Pflanzen können nie ihr gesamtes Potential entfalten.
Bei unserem letzten Trockenmauer – Workshop haben wir einen ganzen Tag damit verbracht Projekte von uns in der Region anzuschauen. Es war heiß und wir waren mit dem Fahrrad unterwegs. Jedesmal, wenn wir ein anderes Projekt betreten haben hatten wir wieder den Eindruck von den heißen Straßen und Plätzen in eine Oase zu kommen. Schauten wir uns dann die Nachbargärten an, so waren diese spürbar wärmer und das wohltuende Grün, was unser Auge vor so manchen optischen Stress schützt spielte nur eine untergeordnete Rolle.















