Spiel und Kraftsport für Athleten
von: Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
Im September 2022 wurde der neue "Rennbahnpark" in Frankfurt am Main eingeweiht. Dazu war eine ehemalige Galopprennbahn in einen neuen Bürgerpark umgewandelt worden, ein Glücks- und Sonderfall, auch für das zuständige Frankfurter Grünflächenamt. Denn der ehemalige Golfplatz im Inneren der Rennbahn, mit seinen extensiv gepflegten Sandflächen und einem Teich, hatte sich zu wertvollen Biotopen entwickelt. Für alle anderen Nutzungen blieben die Bereiche am Rand, insbesondere dort, wo früher die Pferde galoppierten, so auch für Sportfelder, Spielgeräte aller Art, Sandspielflächen und Aufenthaltsmöglichkeiten für Eltern und Betreuende – viel Potenzial für den neuen Park der Mainmetropole.
Blick in die Geschichte
Die ehemalige Pferderennbahn im Frankfurter Südwesten, am Rande des Stadtwaldes hatte eine 150-jährige Tradition. Im allgemeinen Sprachgebrauch als "Galopprennbahn Niederrad" bezeichnet, war sie 1865 eröffnet und im November 2015 geschlossen worden. Hintergrund war, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt am Main seine neue Zentrale mit "Fußball-Akademie" errichten wollte. Alternativ stand auch der Weggang von Frankfurt zur Debatte. Das Gelände der Rennbahn, das im Besitz der Stadt Frankfurt ist und zuletzt immer seltener für Rennen genutzt worden war, bot sich an. Das Projekt war jedoch umstritten.
Eine Bürgerinitiative erwirkte einen Bürgerentscheid. Bei der Abstimmung im Juni 2015 votierte zwar eine Mehrheit für den Erhalt der Pferderennbahn, jedoch kam die notwendige Wahlbeteiligung (gesetzliches Quorum) nicht zustande. So entschied sich der DFB für Frankfurt und erhielt von der Stadt durch Erbbaurecht das Gelände der Galopprennbahn.
Auf rund Zweidritteln der Fläche im Südteil entstand dann ab 2018 die DFB-Akademie, auch "DFB-Campus" (Training und Fortbildung vor allem für die Fußballnationalmannschaften) genannt und im Norden, der an die Wohnviertel des Stadtteils Niederrad grenzende, rund 9 ha große "Rennbahnpark", der zunächst auch als "Bürgerpark Süd" bezeichnet wurde. Im Übergang zwischen beiden Teilnutzungsbereichen liegen noch 5 ha potenzielle Erweiterungsflächen für den DFB, die derzeit im Zusammenhang mit dem Park noch in öffentlicher Nutzung sind und extensiv gestaltet und gepflegt werden.


Spiel & Bewegung gewünscht
Die Ideenfindung zur Gestaltung des neuen Parks begann parallel zum DFB-Projekt. Um ein Planungsbüro zu finden, das sich den komplexen Aufgaben zur Umgestaltung annehmen sollte, fand ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren statt. Daraus hervor ging im Mai 2016 die BHM Planungsgesellschaft mbH, mit Hauptsitz in Bruchsal. Die Landschaftsarchitekten begannen mit einer gründlichen Bestandsaufnahme, gefolgt vom Vorentwurf, der den Baumbestand sowie die vorhandenen Spuren von Rennbahn und Golfplatz aufnahm und weiterentwickelte.
Das Frankfurter Grünflächenamt als koordinierender Auftraggeber wünschte die Einbeziehung der Bevölkerung durch eine chronologische Bürgerbeteiligung. Die Behörde veranlasste zusammen mit den Landschaftsarchitekten die Vorstellung des Vorentwurfs bei einer Bürgerversammlung in Niederrad. Direkt vor Ort, aber auch in Workshops und schon vorab mittels Onlineumfrage konnten Wünsche, Nutzungsanforderungen und bevorzugte Gestaltungselemente in Erfahrung gebracht werden. Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger hatten sich seit 2015 über die Web-Plattform des neuen Parks beteiligt. Die Auswertung ergab, dass Bewegung/Sport (39 %), Freizeitmöglichkeiten für Familien (27 %) und Naturerlebnis (23 %) in der Priorität ganz oben standen. (Details siehe https://rennbahn-park.de/archi... und Wege im alten "Geläuf"
Für die Entwurfsplanung nahmen die Landschaftsarchitekten BHM die Aspekte der Bürgerbeteiligung auf. Im verbliebenen Nordteil des Geläufs der ehemaligen Rennbahn entstand ein Wegeband zum Joggen, Laufen und Spazierengehen, parallel dazu ganz im Norden, im Bereich der erhaltenen Stallungen und Nebengebäude ein Spielband mit Sandfläche, Rutsche, Ballsportfeld und verschiedenen Spielgeräten.
Davon etwas abgesetzt, weiter im Westen können sich Bodybuilder und Turner im neuen Calisthenics-Parcours beweisen, auch unter vergleichbaren Wettkampfbedingungen. In der Online-Befragung (mit möglichen Mehrfachnennungen) hatten sich 37 Prozent (2. Platz) für diese Parkausstattung ausgesprochen, gleich hinter Sitzbänken (38 %).
Der Begriff Calisthenics verbindet die griechischen Worte kalos und sthenos (deutsch: "schön, gut" mit "Kraft") und bezeichnet Eigengewichtsübungen. Calisthenics-Parks umfassen in der Regel Stangen verschiedener Höhe und Position, die dem Barren oder Reck nachempfunden sind. Möglich sind klassisches Geräteturnen oder auch akrobatische Übungen. Der Schwerpunkt liegt auf der intermuskulären Koordination zur Verbesserung der Stabilität des Körpers. Auch beim Entwurf dieser Anlage konnten die einschlägigen Gruppen beraten, mitreden und Wünsche äußern.


Calisthenics-Anlage – Planung, Ausführung
In Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten, die unter anderem die Flächengröße und die Verortung im Park ermittelten und definierten kam ein spezialisierter Metallbauer zum Zuge, der die Anlage realisierte. Sie besteht im Wesentlichen aus Systemteilen wie Pfosten und Stangen, darüber hinaus aber aus vielen Sonderteilen. Im Vorfeld entstand ein Rendering, das die Calesthenics-Anlage isoliert darstellte. Im Anschluss wurde sie in den Gesamtentwurf des Rennbahnparks integriert, inklusive der Pfostenfundamente und dem Fallschutzbelag, an das Wegesystem angeschlossen und in den Randbereichen bepflanzt.
Das Besondere dieser Anlage ist laut Hersteller:
- durch die Anordnung und den Aufbau besonders (Calisthenics-) wettkampftauglich;
- freistehende, breite und hohe Freestyle Stangen sowie Barren mit unterschiedlichen Höhen und Griffbreiten;
- Sonderfarbe der Templerprofil-Inlays nach Kundenwunsch;
- Übungsschilder mit QR Codes zu den Anleitungsvideos an einzelnen Pfosten.
Elemente einer Calisthenics-Anlage sind:
- Verschiedene Hangel-Leiter-Kombinationen;
- Sprossenwände;
- Schrägbänke;
- vertikale (Pole-)Stangen;
- niedrige Parallelbarren in drei Höhen;
- Ballanwurfpunkte;
- Schlangenleiter;
- Flaggenbügel ("Human Flag");
- Trainingsbänke;
- Stepboxen.
- Parkmitte: Tor, Teich, Rampe
Eingebettet sind die Calisthenics-Geräte in den sie umgebenden Park. Dessen Mitte und Herz ist der alte und neue "See". Seine im Grundriss einem Y-Chromosom entsprechende Form aus dem Bestand blieb erhalten, jedoch mussten die Folie ausgetauscht und die Randbereiche neu hergestellt werden. Die Etablierung der Wasserrand- und Wasserpflanzen nahm noch einige Zeit in Anspruch. Am Westrand des Sees führt der Parkrundweg zu einem Metallsteg, der sich über das Seeufer schiebt. Zur Verstärkung der großen Geste haben die Landschaftsarchitekten ein weithin sichtbares Tor aus drei U-förmigen Corten-Stahl Elementen hinzugefügt. Der Blick durch das Tor und über den Steg hinweg geht zum gegenüberliegenden "Bannwald", ein 9 ha großes Waldgebiet mit besonderem Schutzstatus, der direkt an den Rennbahnpark grenzt.
Davor, innerhalb des Parks, entstand ein weiteres Element aus Corten-Stahl und Edelstahl, ein nachempfundener Richterturm, wie er früher bei den Galopprennen benötigt wurde; er ist Landmarke und Aussichtsturm zugleich. In seinen Treppenwangen sind Pferde und Jockeys aus dem rostigen Stahl ausgeschnitten und vom oberen Plateau besteht ein guter Rundumblick auf den gesamten Park und die Frankfurter Wolkenkratzer. Im Westen gibt es einen weiteren Skyline-Blick, der auf einer künstlichen Geländemodellierung entstand. Eine sehr lange Rampe führt (auch behindertengerecht) nach oben, wo diverse Quader aus rotem Mainsandstein zum Hinsetzen und Ausschauen einladen. Nach Südwesten führt eine lange Treppe wieder hinab zum Parkrundweg.



Strand-Grasnelke und Sandschrecke
Nach Süden hin wird die Parkgestaltung immer extensiver. Die sandigen Vegetationsflächen und Sandbunker aus der Zeit als Golfplatz blieben erhalten und wurden durch Abgrenzung und Beschilderung geschützt. Die nach der vorherigen Nutzungsaufgabe entstandenen Sandmagerrasen stellen hoch schützenswerte Biotope nach Naturschutzrecht dar. In ihm leben als Leitart der Fauna die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) ebenso der Sandlaufkäfer (Cicindela campestris). Der Sandschrecken-Bestand ist in Mitteleuropa seit Jahrzehnten rückläufig, weshalb die Art auf der Roten Liste (Kategorie 2, "stark gefährdet") geführt wird.
Kennarten bei der Flora sind die Gewöhnliche Grasnelke (Armeria elongata), die Nelken-Haferschmiele (Aira caryophyllea) und die Heidenelke (Dianthus deltoides), auch Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpussilus), Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella) und das Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea). Die Strand-Grasnelke (Armeria maritima) ist vereinzelt zu finden. Sie kommt eigentlich nur an den Küsten, auf Salzwiesen, in Dünen oder trockenen sandigen Wäldern vor. Im Binnenland ist sie ausschließlich auf sandigen Flächen zu finden und dort entsprechend selten.
Weitere Pflanzen- und Insekten-Arten, darunter auch Schmetterlinge haben sich seit der Stilllegung beziehungsweise Umnutzung der Flächen angesiedelt. Durch die Neuanlage von 7000 m² Sandmagerrasen sollen die Vorkommen der seltenen Arten zusätzlich abgesichert werden. Auch im Zuge der Pflanzplanung mit Blütenaspekten, Pollen- und Nektarspendern wurden Habitate gefördert oder neu etabliert, um eine biologische Vielfalt (Biodiversität) im Park zu fördern.
Klimagehölze für die Zukunft
Neben der Biodiversität, auch mit fruchttragenden Gehölzen, ging es bei der Pflanzplanung vor allem um die Klimafestigkeit. Es ist durchaus etwas überraschend, in einem Frankfurter Park plötzlich die immergrüne Stein-Eiche (Quercus ilex) anzutreffen, gleich16 mal. Sie ist eigentlich der Charakterbaum der mediterranen Klimazone und in Ländern wie Portugal, Türkei, Marokko oder Tunesien beheimatet. Doch die steigenden Temperaturen, die heißen Sommer und die immer milder werdenden Winter machen Pflanzungen wie diese möglich beziehungsweise inzwischen notwendig. Ähnlich ist es mit der wärmeliebenden Esskastanie (Castanea sativa, 12 mal gepflanzt) oder der Ungarischen Eiche (Quercus frainetto, 15 mal).
Heimische Fruchtgehölze der Gattungen Malus, Prunus, Sorbus (komplette Pflanzenlisten, siehe S. 27) ergänzen das Spektrum auch als Vogelfutternahrung. Hinzu kommen Blütengehölze wie Felsenbirne, ein- und zweigriffelige Weißdorne, Flieder, Kornelkirsche, verschiedene Ginster- und Wildrosenarten, Sanddorn und viele mehr. Mit der Anlage des Parks ist das Kunststück gelungen, aus einer Pferderennbahn und einem Golfplatz ein buntes, vielfältiges und lebendiges Stück Stadt zu entwickeln, für Menschen, Tiere und Pflanzen. Dass die ausführende Garten- und Landschaftsbau Firma mit insgesamt fünf Jahren Pflege und die Planer mit dem begleitenden Monitoring beauftragt sind, unterstreicht die Sensibilität für die alten und neuen Biotope und die Bedeutung des neuen Frankfurter Parks.


Bepflanzung des Parks
Bäume
- Acer campestre (Heister 250 cm) 2 Stück
- Acer monspessulanum (Heister 250 cm) 13 Stück
- Castanea sativa 12 Stück
- Carpinus betulus (Heister) 15 Stück
- Malus sylvestris 10 Stück
- Prunus avium (20 % mehrstämmig) 32 Stück
- Pinus nigra ssp. nigra (Heister mind 300 cm) zwei Stück
- Quercus frainetto 15 Stück
- Quercus ilex 16 Stück
- Quercus petraea 19 Stück
- Quercus pubescens 10 Stück
- Quercus robur 23 Stück
- Quercus robur 'Fastigiata' 16 Stück
- Quercus rubra 5 Stück
- Salix alba 'Liempde' 6 Stück
- Sorbus aucuparia (mehrstämmig) 5 Stück
- Sorbus aria magnifica 16 Stück
- Tilia tomentosa 'Brabant' 29 Stück
Großsträucher
- Amelanchier ovalis
- Crataegus laevigata
- Syringa vulgaris
- Cornus mas
- Crataegus monogyna
- Kolkwitzia amabilis
Flächensträucher
- Ligustrum vulgare
- Cytisus scoparius
- Cytisus scoparius 'Boskoop ruby'
- Rosa rugosa
- Ribes alpinum
- Rosa pimpinellifolia
- Salix purpurea 'Nana'
- Hippophae rhamnoides
- Gehölze von Bruns- Pflanzen- Export GmbH & Co. KG
Wasserpflanzen
- Ligustrum vulgare
- ychnis flos-cuculi
- Lythrum salicaria
- Caltha palustris
- Nasturtium officinale
- Cyperus longus
- Iris pseudacorus
- Typha minima
- Alisma plantago-aquatica
- Butomus umbellatus
- Ranunculus lingua
- Sagittaria sagittifolia
- Scirpus lacustris
- Sparganium erectum
- Typha angustifolia
- Typha latifolia
- Ceratophyllum demersum
- Hippuris vulgaris
- Hottonia palustris
- Nymphoides peltata
- Persicaria Amphibia
- Potamogeton natans
- Nuphar lutea
- Nymphaea alba
Wasserpflanzen von Häussermann Stauden+Gehölze GmbH
Projektinformationen
Auftraggeber/Bauherr:
Magistrat der Stadt Frankfurt am Main/Grünflächenamt
Landschaftsarchitekten:
BHM Planungsgesellschaft mbH, Bruchsal/Nürtingen/Freiburg
Auswahlverfahren
- Auslobung: 03/2016
- Entscheidung: 05/2016
- Zuschlag Planung: 06/2016
- Beauftragte Leistungsphasen nach HOAI: 1-9
- Baubeginn: 08/2021
- Fertigstellung: 10/2022
- Parkgröße (Planungsbereich BHM): 8 ha
- Park gesamt (inkl. Nebenflächen): 9 ha
- Erweiterungsfläche DFB: 5 ha (kann derzeit öffentl. genutzt werden)
- Nutzungsraum (aktuell) gesamt: 14 ha
Weitere beteiligte Fachplaner
Teichplanung: Bellvital GmbH
Bauausführende Unternehmen
- August Fichter GmbH & Co. KG/Landschaftsbauarbeiten
- Breitenbach Stahl- und Metallbau GmbH/Stahlbauarbeiten
Baukosten GaLaBau
gesamt circa 3,65 Millionen Euro netto
Projektkosten
(inkl. Gutachten, Nebenkosten, Honorare, usw.): gesamt circa 5,4 Millionen Euro brutto
Verbaute Materialien
Sandstein: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH
Ausstattung
Spielgeräte: Ernst Maier Spielplatzgeräte GmbH
Holzskulpturen: Thomas Rösler
Calisthenics-Geräte: Turnbar von Eiden&Wagner Metallbau GmbH
Beleuchtung
Auf jede Art von künstlichen Lichtquellen wurde verzichtet (Insektenfreundlichkeit).










