Stadtgrün-Kongress im Wasserwerk Berlin

Städte pflanzen zu wenige Stadtbäume und dann auch noch falsch

Etwa 100 Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Vertreter von Kommunen kamen zum BdB-Kongress "Stadt.Klima.Baum" im Wasserwerk Berlin. Foto: Danilo Ballhorn

Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) richtete im September den Kongress "Stadt.Klima.Baum" im Wasserwerk Berlin aus. Rund 100 Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Vertreter der Kommunen nahmen an der zweitägigen Veranstaltung teil. Referenten aus Wissenschaft und Praxis stellten dabei internationale und nationale Konzepte vor, wie sich grüne Infrastruktur besser in urbane Räume einbinden lassen würde und die Ansätze der Schwammstadt in der Stadt verankert werden können.

Sterile Betonwüsten statt begrünter Städte

"Wir machen im Jahr 2022 alles falsch", mahnte Bernhard von Ehren, BdB-Vizepräsident und Geschäftsführer der Baumschule von Ehren. Es würden teure, sterile Plätze geplant und gebaut werden, wo sich kein Mensch aufhalte. Plätze würden ohne Bäume gebaut, weil Schatten von den Auftraggebern als negativ empfunden werde. "Wir versiegeln die ganze Stadt, statt sie endlich zu begrünen", so der Baumschulunternehmer. Planer in Deutschland fehlten Innovativität und Mut, Großbäume zu verpflanzen, die Straßenzüge unverzüglich verschatten und das Mikroklima abkühlen könnten. Dabei mache es uns das Ausland vor. "Unsere Pflanzenvielfalt ist eine Katastrophe", kritisierte von Ehren: "Wir pflanzen Ahorn, Linde und Eiche als Monokulturen an unseren Straßen."

"Wasser ist für die Baumstandorte in der Stadt zweitrangig", leitete der Wiener Landschaftsarchitekt Daniel Zimmermann ein. Entscheidend sei eine gute Bodenbelüftung in der Baumscheibe. Dafür hätte sich in verschiedenen Projekten das Stockholmer System der Skeletterde bewährt. "Die Lebenserwartung eines Wiener Straßenbaumes liegt bei gerade mal 20 bis 25 Jahren", betonte Zimmermann. In der Wiener Seestadt Aspern wurde daher ein Schlämmsubstrat an 330 neuen Straßenbäumen eingebaut, von der sich die Architekten und Stadtplaner eine optimierte Straßenbaumvitalität versprechen. In dem Projekt entstehen multifunktionale Wurzelräume für die Bäume, indem die Baumscheiben mit bepflanzten Tiefbeeten erweitert werden, die die Bodenluft und Wasseraufnahme steigern. In Wien dürften im Gegensatz zu Deutschland nur 29 Arten und Sorten von Straßenbäumen gepflanzt werden, erklärte Zimmermann.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Referenten und Teilnehmer die Ansätze der Konzepte und wie sich die blau-grüne Infrastruktur besser in urbane Räume einbinden lässt Foto: Danilo Ballhorn

Die Stadt Wien schreibt eine Beschattung der Straßen von mindestens 20 Prozent vor. Im Projekt "Bäume sind die besseren Schwämme" würden durch die 330 Straßenbäume 30 Prozent der Straßenzüge verschattet werden, wodurch die Erhitzung des Quartiers in einem erträglichen Maße gehalten werden kann, erklärte Zimmermann.

Altbäume erhalten, strategisch nachpflanzen

"Die Abkühlung einer 80 Jahre alten Linde ist zehnmal so hoch wie die einer Linde mit 20 Jahren Standzeit", betonte Dr. Simone Linke, Expertin für nachhaltiges Planen und Bauen von der TU München. Gebäude zu sanieren und deren Bestandsgrün zu erhalten, sei effektiver als ein Neubau und Neupflanzungen. Den Altbestand zu wahren und bei Bedarf strategisch nachzupflanzen, sei künftig von zentraler Bedeutung. "Konzepte müssen in der Praxis umsetzbar sein und keine Greenwashing-Kampagnen bleiben", appellierte Prof. Dr. Hartmut Balder, Leiter des Instituts für Stadtgrün, in der abschließenden Podiumsdiskussion. Dafür könnten Wasserbilanzen in neuen Projekten festgeschrieben werden, die einen ressourcenschonenden Ansatz in den Bau von blau-grüner Infrastruktur sichern könnten. "Es dürfen keine Fehler mehr bei der Pflanzung von Straßenbäumen gemacht werden", mahnte Balder. Dafür brauche es qualifiziertes Personal, das die Ansprüche der Gehölze genau kennen müsse. "In jedem Bauprojekt müssen 5 Prozent für die Pflanzen veranschlagt werden", forderte von Ehren. Für die Bewässerung von Gebäudegrün brauche es den besten Gärtner und nicht den Hausmeister des jeweiligen Unternehmens, so der BdB-Vizepräsident. Danilo Ballhorn

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2022 .

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