Stärkung von Management-Kompetenzen durch das Coaching-Ourselves-Konzept

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Besonders wirksam ist es, wenn die Weiterentwicklung der Führungskräfte im eigenen Unternehmen und mit den eigenen Kollegen und Mitarbeitern stattfindet. Foto: Thomas Klewar/KfW-Bildarchiv

Eine hoch interessante Innovation auf dem Gebiet der Führungskräfte Entwicklung stellt das Coaching-Ourselves-Konzept dar. Es geht zurück auf die Arbeiten des kanadischen Management Forschers Henry Mintzberg und ist mittlerweile zu einem umfassenden Werkzeug zur Fortbildung von Führungskräften, zur Optimierung von Teamarbeit und allgemein zur Stärkung der Management- und Führungskompetenz in Unternehmen geworden.

Ansatzpunkt des Coaching-Ourselves-Konzeptes ist die Idee, dass eine echte Entwicklung von Führungskompetenzen nur dann effektiv stattfinden kann, wenn Wissen und Erkenntnisse in einen Zusammenhang mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen gebracht werden können. Nur dann können Management-Konzepte ihre Wirkung entfalten, wenn der Einzelne, der Führungsverantwortung trägt, diese Konzepte in den spezifischen Kontext seiner eigenen Erlebnis- und Arbeitswelt einordnen kann und die theoretischen Konzepte einer strukturierten Reflektion unterzieht.

Ein zweiter wesentlicher Gesichtspunkt effektiver Management Fortbildung ist das Vor-Ort-Prinzip. Besonders wirksam als Mittel zur Gestaltung des Führungsalltags ist es, wenn die Weiterentwicklung der Führungskräfte im eigenen Unternehmen und mit den eigenen Kollegen und Mitarbeitern stattfindet. Das im eigenen Unternehmen erarbeitete neue Wissen kann direkt umgesetzt und verständlich gemacht werden und muss nicht erst, wie zum Beispiel nach einem externen Seminarbesuch, für die nicht teilnehmenden Kollegen oder Mitarbeiter weitergegeben und "übersetzt" werden.

Das im eigenen Unternehmen erarbeitete neue Wissen kann direkt umgesetzt und verständlich gemacht werden und muss nicht erst wie nach externen Seminaren an Kollegen weitergegeben werden. Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

Schließlich ermöglicht diese direkte Arbeit im eigenen Unternehmen auch die unmittelbare Verknüpfung der Erkenntnisse mit den konkreten Herausforderungen und Problemen des eigenen Unternehmens und erhält so eine starke Aktionsorientierung. Es stellt sich dann nicht nur die Frage: "Was ist möglich und wünschenswert?", sondern vor allem die Frage: "Was ist zu tun?" Ein weiterer potenziell positiver Effekt ist der, dass durch die Arbeit mit den direkt beteiligten Personen im eigenen Unternehmen die Chance maximiert wird, die tatsächlich angemessenen Lösungen mit den tatsächlich Betroffenen zu erarbeiten und dies im Idealfall auch zu einer Stärkung des Miteinander und des Teamgeistes führt.

Ablauf und Inhalte

Mittlerweile existiert ein umfassender Katalog mit mehr als 70 Management-Themen, der im Rahmen des Coaching-Ourselves-Konzeptes im Unternehmen bearbeitet werden kann. Je nach spezifischen Anforderungen und Problemstellungen kann sich jedes Unternehmen die Themen herausgreifen, die zur Situation passen und bei denen im Unternehmen der größte Handlungs- und Fortbildungsbedarf gesehen wird.

Der Themenkatalog lässt sich inhaltlich grob folgendermaßen gliedern:

  • Effektive Kommunikation
  • Engagement von Menschen
  • Festigung der Unternehmenskultur
  • Förderung von Erneuerung und Innovationen
  • Führung
  • Konsolidierung des Lernprozesses
  • Kooperationen und Zusammenschlüsse
  • Management-Grundlagen
  • Organisationsentwicklung
  • Praktische Werkzeuge
  • Stärkung von Teams
  • Strategiebildung
  • Umsetzung von Veränderungen

Eine Coaching-Ourselves-Thematik ist auf eine Teamsitzung von rund 90 Minuten angelegt. Die Teilnehmer suchen nach Beispielen für die beschriebenen Inhalte, entwickeln Vorschläge für Lösungen und vereinbaren Aktionspläne. Foto: Thomas Klewar/KfW-Bildarchiv

Zu jedem Themenbereich gibt es dann wieder spezielle Unterthemen, zum Beispiel im Bereich Management-Grundlagen die Themen:

  • Durchführung effektiver Besprechungen
  • Umgang mit Stress im Management
  • Verbesserung der Führungsqualitäten
  • Zielführende Entscheidungsprozesse

und viele andere mehr.

Hat sich ein Unternehmen für ein oder mehrere Themen zur Bearbeitung entschieden, wird folgender Ablauf empfohlen: Die Themen werden nach dem Erwerb einer Nutzungslizenz aus dem Netz heruntergeladen und dann für eine Arbeitsgruppe ausgedruckt. Eine Arbeitsgruppe sollte nicht mehr als sechs Teilnehmer haben, damit tatsächlich eine konstruktive Diskussion entsteht und jeder zu Wort kommen kann.

Eine Coaching-Ourselves-Thematik ist auf eine Teamsitzung von rund 90 Minuten angelegt. In diesen 90 Minuten bearbeiten die Teilnehmer das Thema, suchen nach Beispielen für die beschriebenen Inhalte, entwickeln Vorschläge für Lösungen, vereinbaren Aktionspläne und reflektieren ganz allgemein über ihr eigenes Handeln als Führungskraft. Natürlich kann eine derartige Bearbeitung dazu führen, dass ersichtlich wird, dass für eine tatsächliche Lösung noch weitere Überlegungen oder Gespräche erforderlich sind. Man wird dann an der begonnenen Thematik noch weiter arbeiten wollen, möglicherweise sogar mit einem weiteren Coaching-Ourselves-Modul. Vielleicht ist das Thema aber auch ausreichend beleuchtet worden und man kann sich einer anderen Thematik zuwenden.

Die Entscheidung, was, in welchem Tempo und in welcher Intensität bearbeitet wird, liegt bei der Arbeitsgruppe. Es gibt keine Lehrer und keine vorgefertigten Antworten. Das Lernen und Antworten finden ist Verantwortung zu zugleich große Chance der Beteiligten. Der Prozess ist somit ein Selbstlern- und Selbstmotivationsprozess.

Grundsätzlich ist Coaching Ourselves für jede Art von Organisation geeignet, das heißt es kann in kleinen wie in großen und in öffentlichen wie in privaten Institutionen eingesetzt werden. Foto: Fett/BdB

Von den Teilnehmern werden daher vor allem Offenheit und eine grundsätzliche Bereitschaft zur Arbeit in einer Gruppe erwartet. Das Ergebnis und der Erfolg eines Coaching-Ourselves-Prozesses hängt somit in erster Linie davon ab, welches Engagement und welchen Input die Beteiligten auf- und mitbringen.

Zielgruppen und Anwendung im Gartenbau

Grundsätzlich ist Coaching-Ourselves für jede Art von Organisation geeignet, das heißt es kann in kleinen wie in großen und in öffentlichen wie in privaten Institutionen eingesetzt werden. Zielgruppe in den Unternehmen ist zunächst einmal vorrangig die mittlere Führungsebene. Bezogen auf die spezifische Struktur gartenbaulicher Unternehmen kann man sich den Einsatz des Konzeptes in einer Vielzahl von Bereichen vorstellen.

An erster Stelle natürlich dort, wo tatsächlich so etwas wie eine mittlere Führungsebene existiert, also in größeren Dienstleistungs-, Produktions- oder Handelsbetrieben, die auf verschiedenen Ebenen Mitarbeiter mit Leitungsaufgaben beschäftigt haben, also zum Beispiel Produktionsbereichsleiter, Warengruppenleiter, Abteilungsleiter oder Betriebsleiter und Marktleiter an verschiedenen Standorten. Die Frage, ob in größeren Organisationen Hierarchie Ebenen übergreifend oder innerhalb einer Hierarchie Ebene gearbeitet werden soll, ist dann vor allem einer Frage der zu bearbeitenden Thematik. Das heißt aber auch, dass die obere und oberste Führungsebene in die Arbeit mit den Coaching-Ourselves-Themen einbezogen werden soll.

Aber auch in kleineren Unternehmen kann das Konzept sinnvoll eingesetzt werden, wenn die für das Unternehmen verantwortlichen Personen darin ein Werkzeug zur Weiterentwicklung ihrer eigenen Management Kompetenz und der ihrer Mitarbeiter erkennen. Der große Vorteil, gerade für kleinere Betriebe, liegt bei diesem Ansatz darin, dass man sich ein ganz individuelles Fortbildungsprogramm zusammenstellen kann und auch jederzeit wieder aus dem Programm aussteigen oder die Richtung der Fortbildung ändern kann.

2013 wurde mit drei sehr unterschiedlichen Unternehmen ein Forschungsprojekt begonnen, das den Nutzen und Einsatz des Konzeptes in Gartenbau-Unternehmen begleiten und systematisch untersuchen wird. Foto: BGL

Man ist also nicht an das Angebot von Fortbildungseinrichtungen und die Qualifikation der jeweiligen Trainer gebunden, sondern entscheidet selbst über Inhalte und Ausrichtung seiner Führungs- und Führungskräfte Entwicklung.

Schließlich ist auch vorstellbar, dass Coaching-Ourselves-Module nützliche Bestandteile von ERFA-Gruppenarbeit sein können. Immer wieder stellen sich in diesem Kontext ja auch Management Fragen, zum Beispiel zum Umgang mit Mitarbeitern, zu Veränderungsprozessen im Unternehmen oder zur strategischen Ausrichtung. Für alle diese Themen bieten die Module Diskussionsleitfäden mit fachlichem Management Input auf sehr hohem Niveau.

Bisherige Erfahrungen und Forschungsvorhaben

Vom Verfasser ist das Coaching-Ourselves-Konzept bereits mehrfach mit Erfolg in Lehrveranstaltungen, einer Beraterfortbildung und einem gartenbaulichen Pilotbetrieb eingesetzt worden. Dabei wurde ersichtlich, dass die inhaltliche Qualität der Module sehr hoch ist und bei allen Gruppen, die ein Thema bearbeitet haben, diese Bearbeitung zu einer lebhaften Diskussion und Auseinandersetzung mit den Management-Themen geführt haben. Durch die gemeinsame Bearbeitung lernen die Teilnehmer voneinander und helfen sich gegenseitig zu einer Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen.

2013 wurde mit drei sehr unterschiedlichen Unternehmen ein Forschungsprojekt begonnen, das den Nutzen und Einsatz des Konzeptes in Gartenbau-Unternehmen begleiten und systematisch untersuchen wird. Jedes der beteiligten Unternehmen wird drei selbst gewählte Coaching-Ourselves-Module bearbeiten. Der internen Bearbeitung wird eine entsprechende Evaluation folgen, die aufzeigen soll, welche Wirkungen und Resultate die Bearbeitung erbracht hat.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2013 .

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