Wasserdurchlässige Verkehrsflächen
Flächenbefestigung als Teil blau-grüner Infrastruktur

Befestigte Verkehrs- und Aufenthaltsflächen müssen Lasten aufnehmen, langfristig stabil bleiben und zugleich so geplant werden, dass Niederschlagswasser möglichst vor Ort versickern und zwischengespeichert werden kann. Projekte in Wittenberg und ein Sonderfall in München zeigen, wie sich diese Anforderungen mit einer Bauweise kombinieren lassen, die Befestigung, Wasserrückhalt und in sensiblen Wurzelbereichen auch Baumschutz verbindet.
Wittenberg: Anliegerstraßen ohne Kanal
In Wittenberg wurden seit 2014 mehrere kommunale Einsatzbereiche mit Varianten des TTE-Systems von HÜBNER-LEE umgesetzt. Der Schwerpunkt lag auf typischen Flächen des kommunalen Alltags, unter anderem Straßen im Wohnumfeld sowie stark frequentierte Aufenthaltsbereiche.
Das TTE-System ist ein Flächenbefestigungssystem aus 100 Prozent Post-Consumer-Recyclingkunststoff mit patentiertem Verbundsystem. Es verteilt Lasten flächig und ermöglicht gleichzeitig eine wasserdurchlässige, unversiegelte Oberfläche. Durch den kraftschlüssigen Verbund der modularen Platten kann die erforderliche Aufbaustärke je nach Anwendung um rund 50 Prozent gegenüber konventionellen Bauweisen reduziert werden.
Die Lutherstadt Wittenberg hatte sich im Vorfeld entschieden, das TTE-System in Anliegerstraßen als Mischverkehrsflächen einzusetzen. Zunächst standen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund: "Es ging vor allem darum, die Kosten für die Kommune und den Anwohner in überschaubarem Rahmen zu halten", hieß es in einem Referenzschreiben der Stadt aus dem Jahr 2021. Ein weiterer Vorteil war, dass auf eine herkömmliche Kanalisation verzichtet werden konnte, da für offene Entwässerung und Versickerung die notwendigen Flächen fehlten.
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Belastbare und versickerungsfähige Anliegerstraßen mit Speicherwirkung
Bislang wurden Anliegerstraßen mit insgesamt über 10.000 m² realisiert. Im Straßenraum müssen Beläge dauerhaft hohen Belastungen standhalten. Gleichzeitig steigt der Anspruch, Versiegelung zu vermeiden und Niederschlagswasser dezentral zu bewirtschaften. In Wittenberg hat sich die versickerungsfähige TTE-Bauweise im Betrieb auch bei Starkregen bewährt: Während es in Teilen des Straßenraums zu oberflächlichen Wasseransammlungen kam, wurde Niederschlagswasser in den TTE-Bereichen aufgenommen und Abflüsse konnten reduziert werden.
Fachlich relevant ist die Kombination aus Infiltration und Speicherwirkung im Systemaufbau. Laut Hersteller erreicht die versickerungsfähige Ausführung eine Infiltrationsleistung von 328.000 l/(s·ha). Ergänzend steht durch eine rigolenartige Tragschicht ein Wasserspeicher von > 100 l/m² zur Verfügung, der Regen zunächst zwischenspeichert und anschließend verzögert in den Untergrund abgibt. Für die in Wittenberg realisierten Flächen ergibt sich überschlägig ein Rückhaltevolumen von > 1.000 m³ (≈ 1 Millionen Liter Regenwasser).
Auch bei regelmäßiger Belastung durch kommunalen Schwerlastverkehr bestätigt die Stadt die Belastbarkeit im Alltag: Die lastverteilende Funktion des Verbundsystems sei bei schwereren Fahrzeugen (Müllentsorgung) gut zu erkennen. Der Untergrund gibt federnd nach und geht in seine ursprüngliche Lage zurück.

Baumschutz unter außergewöhnlicher Belastung
Ein Projekt in München im Rahmen der Modernisierung des U-Bahnhofs Sendlinger Tor (MVG, ab 2015/16) zeigte, wie Flächenbefestigung auch zur Sicherung grüner Infrastruktur beitragen kann. Am Verkehrsknotenpunkt rollten täglich 40.000 bis 50.000 Fahrzeuge, entsprechend hoch waren die Anforderungen an Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Während der Bauphase wurden temporäre Verkehrsflächen benötigt, die zugleich den Baumschutz berücksichtigen mussten. Die Verkehrsumleitung konnte nur im Bereich der Wurzeln eines alten Platanenbestands realisiert werden. Ein konventioneller Straßenaufbau war dort aufgrund von Versiegelung und Einbautiefe nicht umsetzbar.
Gefordert war eine Lösung mit geringer Eingriffstiefe, hoher Lastverteilung und weiterhin möglichem Luft- und Wasseraustausch im Wurzelraum. Die Bauweise wurde über eine temporäre Nutzung von über 6 Jahren eingesetzt und hielt den Belastungen stand. Gleichzeitig wurden die Wurzeln vor zusätzlicher Verdichtung geschützt.
Flächenbefestigung als Baustein der Klimaanpassung
Wittenberg und München stehen für unterschiedliche Maßstäbe, aber eine gemeinsame Richtung: Verkehrs- und Aufenthaltsflächen können, je nach Aufbau, Versickerung, Wasserrückhalt und den Schutz sensibler Grünstrukturen verbinden. Damit wird Flächenbefestigung zunehmend als Teil blau-grüner Infrastruktur verstanden.
Für begrünte Ausführungen wie TTE GRÜN kommt neben Versickerung und Wasserrückhalt auch die Regenwasserbehandlung hinzu: Niederschlagswasser versickert dezentral über eine belebte Bodenzone, in der Schadstoffe gebunden oder abgebaut werden können.
Der Substrataufbau unterstützt zudem Wasserspeicherung und Verdunstung und kann so zur Abkühlung beitragen. In Messreihen wurde eine Temperaturverbesserung von durchschnittlich 5,9 °C gegenüber Asphalt festgestellt.
Ihr Kontakt für mehr Informationen:
Lukas Tangermann
+49 8393 92 29-70
tte@huebner-lee.de
HÜBNER-LEE GmbH & Co. KG
Gewerbestrasse 1
87752 Holzgünz
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