Straßenbäume im Klimawandel: Neue Erkenntnisse aus dem GALK-Straßenbaumtest
von: Dipl.-Biol. Gerhard Doobe
Betrachtet man die Straßenbäume in deutschen Städten, so werden sie von nur wenigen Gattungen dominiert. Angesichts des Klimawandels, neuer Schadorganismen und extremer Umweltbedingungen wird es aber immer wichtiger, für mehr Vielfalt im Stadtgrün zu sorgen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung, Pflanzstandorte, Bodenvorbereitung und Pflege – sowohl aus fachlicher als auch aus finanzieller Sicht.
Vor diesem Hintergrund wird es immer wichtiger, neue Arten systematisch zu testen und verlässlich herauszufinden, welche unter städtischen Klimabedingungen mit Hitze und Trockenheit, aber auch dem übrigen urbanen Stress aus zum Beispiel unvermeidbaren Pflegeeingriffe oder Baumaßnahmen besser zurechtkommen und vital bleiben.
Zunehmend kontrovers wird unter Fachleuten und auch in der Öffentlichkeit über den Einsatz nichtheimischer Baumarten in deutschen Städten diskutiert. Dazu bereitet die GALK zurzeit ein ausführliches Positionspapier vor.
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Straßenbäume im Stresstest
Schon Anfang der 1990er Jahre setzte die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz ein Zeichen: Mit ersten praxisnahen Pflanzversuchen wollte man herausfinden, welche Baumarten und -sorten sich für den Einsatz in Städten eignen. Seither liefern diese Tests wertvolle Erkenntnisse für die Planung urbaner Begrünung und Grundlagen für die regelmäßig aktualisierte GALK-Straßenbaumliste.
Bäume reagieren nicht selten empfindlich auf regionale klimatische Unterschiede. Was im Weinbauklima gut gedeiht, kann sich im Norddeutschen Tiefland schwertun. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, finden die GALK-Testpflanzungen nicht nur räumlich begrenzt, sondern verteilt über ganz Deutschland statt. In den teilnehmenden Kommunen des Arbeitskreises Stadtbäume wachsen die Gehölze unter realen Bedingungen. So entsteht ein deutschlandweites Bild zur Leistungsfähigkeit der getesteten Bäume.
Der erste bundesweit angelegte Versuch dieser Art startete 1995. Damals wurden 13 verschiedene Bäume unter einheitlichen Bedingungen gepflanzt und anschließend nach festgelegten Kriterien von den zuständigen Grünflächenämtern vor Ort bewertet (Tabelle 1). Eine umfassende Auswertung folgte im Jahr 2005, die letzte große Erhebung fand 2015 statt. Alle Einzelbewertungen sind online auf der Website des Arbeitskreises abrufbar (Abb. 2).
Im Winter 2004/2005 wurde das Projekt mit einer neuen Testreihe, dem "Straßenbaumtest 2" und weiteren Baumarten erweitert. Anders als zuvor wurde dieser Versuch unbefristet angelegt. Neue Städte konnten sich so jederzeit beteiligen, was den Test dynamischer machte. Auch hier gilt: Je länger die Beobachtungszeiträume, desto belastbarer die Aussagen zur Anpassungsfähigkeit der Bäume im zunehmend anspruchsvollen Stadtklima.
Mit seinen regelmäßig veröffentlichten Ergebnissen möchte die GALK außerdem Grundlagen für den fachlichen Austausch anbieten und eine Brücke zur internationalen Forschung schlagen. So besteht ein langjähriger Austausch mit niederländischen Kolleginnen und Kollegen sowie der Universität Wageningen, wo bereits Mitte der 1990er-Jahre ein ähnliches Prüfverfahren für Stadtbäume entwickelt und zwischen 2000 und 2010 fortgeführt wurde.
Bäume digital: Die Onlineplattform des GALK-Straßenbaumtests 2
Als wichtiges Anliegen der GALK sollen eigene Erfahrungen und Ergebnisse sinnvoll zugänglich machen. Dafür stellt der Arbeitskreis Stadtbäume eine 2020 vollständig überarbeitete Onlineversion des GALK-Straßenbaumtests 2 auf seiner Webseite zur Verfügung. Die Anwendung basiert wie ihr Vorläufer auf einem interaktiven Webkartendienst und ermöglicht Nutzerinnen und Nutzern einen dynamischen Zugriff auf die verfügbaren Informationen zu den getesteten Baumarten und -sorten sowie deren Pflanzstandorte.
Die Anwendung öffnet mit einer interaktiven Europakarte, in der die Teilnehmerstädte mit roten Symbolen markiert sind (Abb. 03). Beim Anklicken der Markierungen zoomt die Karte auf die entsprechende Stadt und zeigt nun die hier mit grünen Symbolen markierten Pflanzstandorte an (Abb. 04). Hier können die Nutzerinnen und Nutzer die einzelnen Pflanzstandorte mit ihren Standortfotos aufrufen (Abb. 05).
Hilfreich ist die integrierte Sortenübersicht. Sie stellt alle im Test befindlichen Baumarten detailliert vor und zeigt an, wo sie gepflanzt wurden (Abb. 06). Mit einem Klick gelangt man auch von hier zu den jeweiligen Standorten sowie zu den Detailbeschreibungen der GALK-Straßenbaumliste, die ebenfalls vollständig digital abrufbar ist.
Ein weiterer Meilenstein wurde im August 2024 erreicht: Die GALK-Straßenbaumliste wurde vom Umweltbundesamt als offizieller Bestandteil der deutschen Klimavorsorge anerkannt und in das nationale Klimavorsorgeportal (KLiVO) aufgenommen (Abb. 07). Damit ist sie nun auch institutionell als zukunftsrelevantes Werkzeug anerkannt.
Die GALK-Onlineplattform richtet sich vor allem an Kommunen, Planungsbüros und Fachleute aus dem Bereich Stadtgrün – also an alle, die heute Bäume pflanzen, die auch nach mehr als 50 Jahren noch gesund dastehen sollen. Gerade mit Blick auf die zunehmenden Hitzewellen, versiegelte Böden und neue Schädlinge liefern beide Tools wertvolle Orientierung bei der Auswahl geeigneter Baumarten.
Straßenbaumtest 2: So läuft das große Baum-Experiment der Städte ab
- Gesamteindruck: Anwuchsverhalten, Kronenform (z. B. säulenförmig, rundkronig, kegelförmig), Kronendichte (locker, mittel, dicht), Blattschäden, ggf. Blüten- und Fruchtansatz, Blattaustrieb und Blattfall.
- Wuchseigenschaften: Stammumfang (gemessen in 1 m Höhe), Wuchsform (z. B. straff, aufrecht, überhängend), Zuwachs der Terminal- und Seitentriebe.
- Schadensparameter: Auftreten von Schädlingen, Krankheitssymptomen, Frostschäden sowie Schäden infolge von Hitze oder Trockenheit.
- Pflegeaufwand und Risiken: Wässerungs- und Schnittmaßnahmen (insbesondere Lichtraumprofilschnitt), notwendige Stützmaßnahmen, Windbruch, Wurzelausläufer, Dornenbildung, Fruchtfall sowie Honigtauabsonderungen.
Was wächst wo am besten – und bleibt auch bei Hitze und Trockenheit vital? Genau dieser Frage widmet sich auch der zweite Straßenbaumtest der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK). Seit dem Projektstart ist das Interesse stetig gewachsen: Mittlerweile beteiligen sich mit Berlin, Bonn, Dresden, Düsseldorf, Esslingen, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Kassel, Kiel, Köln, Leipzig, Leverkusen, Ludwigshafen, München, Münster, Rostock und Stuttgart 19 deutsche Städte an dem Langzeitversuch. Mit Basel und Wien sind auch zwei europäische Partnerstädte an Bord.
Parallel zum wachsenden Teilnehmerkreis wurde das Sortiment der getesteten Arten erweitert (Tabelle 02). Zuletzt kamen im Jahr 2022/2023 acht neue Baumarten und -sorten hinzu, die nun schrittweise in den Teilnehmerstädten gepflanzt werden. Gleichzeitig wurden vier frühere Baumkandidaten gestrichen, weil nicht genügend Exemplare gepflanzt waren, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Aktuell umfasst der Test 45 unterschiedliche Arten – insgesamt fast 3000 Bäume, die auf über 240 Standorte verteilt sind.
Finanziert werden die Pflanzungen direkt von den teilnehmenden Kommunen, da es kein zentrales Budget für das Projekt gibt. Jede Stadt kümmert sich eigenverantwortlich um die Umsetzung vor Ort – vom Kauf der Bäume bis zur Pflege. Mit Blick auf die Qualität und Vergleichbarkeit der Testergebnisse müssen an jedem Standort mindestens fünf Bäume derselben Art gepflanzt werden. Zusätzlich wird der Pflanzort samt Bodenverhältnissen, Umgebung, Exposition und technischen Details wie Grubengröße oder Substratzusammensetzung beschrieben.
Im Gegensatz zum ersten Straßenbaumtest setzt die aktuelle Testreihe nicht mehr auf streng einheitliche Pflanzvorgaben. Inzwischen haben sich anerkannte Standards zu Pflanztechnik und Bodenvorbereitung etabliert. Das sorgt für weitgehend einheitliche Bedingungen, ohne die Praxis zu sehr einzuengen. Dennoch werden alle Besonderheiten am Standort sorgfältig erfasst und später bei der Auswertung berücksichtigt.
Die Bonitierung der Versuchsbäume erfolgt jährlich im Spätsommer. Dafür gibt es einen detaillierten Kriterienkatalog:





Ergebnisse
Zehn Jahre nach dem Start des Straßenbaumtest 2 wurden 2015 die ersten zehn Baumarten und -sorten erstmals ausgewertet – die Ergebnisse erschienen im Folgejahr. Im Jahr 2024 schloss sich eine erneute Bewertung dieser zehn Arten an. Zudem erhielten weitere 10 Baumarten und -sorten ihre erstmalige Bewertung.
Die Ergebnisse zu diesen 20 Baumarten stellt der Arbeitskreis Stadtbäume aktuell vor – als weitere Grundlage für künftige Empfehlungen zur Auswahl geeigneter Stadtbäume.
Die Prädikate "Gut geeignet" und "Geeignet" besagen, dass die betreffenden Gehölze in der Regel ohne größere Einschränkungen im urbanen Raum verwendet werden können. Die Einstufung "Geeignet mit Einschränkungen" impliziert nicht zwangsläufig eine geringere Eignung der betreffenden Arten, jedoch können diese regional unterschiedlich ausfallen – etwa aufgrund klimatischer Bedingungen, Bodenverhältnissen oder anderer standortbezogener Faktoren. Eine detaillierte Prüfung der jeweiligen Beschreibung ist daher entscheidend für eine sachgerechte Verwendung.
Erstbewertung der Testbäume aus 2024
Acer buergerianum ist ein mittelstark wachsender Baum mit einer kleinen, kompakten, rundlichen Krone, die einen unregelmäßigen Aufbau aufweist. Seine locker verzweigten Äste haben eine leicht überhängende Wuchsform, weshalb das Lichtraumprofil schwer zu erzielen ist. An geschützten Standorten ist der Baum ausreichend frosthart, jedoch kann er in einigen Regionen frostempfindlich sein. In manchen Jahren zeigt er eine Neigung zu starkem Fruchtbehang. Regional treten Stammrisse auf, beispielsweise in München. Der Baum eignet sich gut für Wohn- und Nebenstraßen und hinterlässt insgesamt einen guten bis mittleren Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet mit Einschränkungen.
Acer campestre 'Huibers Elegant' erreicht eine mittlere Größe und zeichnet sich durch seinen sehr regelmäßigen, aufrechten Wuchs aus, was es erleichtert, ein klares Lichtraumprofil zu erzielen. Im späteren Wachstum entwickelt er sich langsam und bildet eine kegel- bis eiförmige Krone. Er gilt als mehltaufrei und zeigt sich auch sonst frei von Schädlingen und Krankheiten. Zudem ist der Baum frosthart, stadtklimafest und eine wertvolle Bienenweide. Insgesamt hinterlässt er einen sehr guten bis guten Gesamteindruck. Bewertung 2024: Gut geeignet.
Eriolobus trilobatus (syn. Malus trilobata) ist ein kleiner, pyramidal aufrecht wachsender Baum mit langsamem Wachstum und einer dichten Krone. Er zeigt Fruchtfall und kann Wildtriebe aus der Unterlage entwickeln. Der Baum ist frosthart, dient als wertvolle Bienenweide und ist bisher frei von Schorf und Mehltaubefall. Regional wurden jedoch Stammnekrosen mit Absterbeerscheinungen beobachtet. Er eignet sich gut für Wohn- und Nebenstraßen und hinterlässt einen insgesamt guten bis mittleren Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet mit Einschränkungen.
Liquidambar styraciflua 'Worplesdon' ist ein mittelstark wachsender, aufrechter Baum, der zunächst eine schmale, später eine breit kegelförmige und gleichmäßige Krone mit mittlerer Dichte entwickelt. Er ist frei von Schädlingen und Krankheiten und verträgt Kälte und Nässe besser als die Ausgangsart. Das Laub haftet lange am Baum, während regional, beispielsweise in Düsseldorf und Leipzig, ein starker Fruchtbehang auftreten kann. Der Baum dient als Bienenweide, zeigt jedoch in einigen Regionen Probleme mit Schneebruch, Chlorosen und Frostempfindlichkeit an exponierten Standorten. Insgesamt hinterlässt er einen sehr guten bis guten Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet.
Magnolia kobus ist ein kleinkroniger Blütenbaum mit einer breit kegelförmigen Krone, die im Alter zunehmend ausladend wird. Der Baum wächst langsam und beeindruckt durch seine Blüte, die vor dem Blattaustrieb erscheint. Auf kalkhaltigen Böden besteht die Gefahr von Chlorosen und gebietsweise können Frostschäden auftreten. Zudem variiert die Anfälligkeit für Trockenschäden von leicht bis stark. Insgesamt hinterlässt die Magnolia kobus einen guten bis mittleren Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet mit Einschränkungen.
Tilia tomentosa 'Szeleste' zeichnet sich durch eine gleichmäßige, schmal eiförmige Krone aus, die im Alter eine breite eiförmige Form annimmt und einen regelmäßigen Aufbau zeigt. Diese Selektion bietet eine verbesserte Leittriebbildung im Vergleich zur Art. Sie ist stadtklimafest, toleriert längere Bodentrockenheit und Nährstoffarmut besser als andere Linden und weist keine Honigtauabsonderung auf. Zudem dient sie als wertvolle Bienenweide. Insgesamt hinterlässt die Tilia tomentosa 'Szeleste' einen guten Gesamteindruck. Bewertung 2024: Gut geeignet.
Ulmus-Hybride 'Columella' ist ein schnell wachsender Baum mit einer aufrechten bis säulenförmigen, auffallend schlanken Krone. Ihr dunkelgrünes, markant gekräuseltes Laub verleiht ihr eine besondere Optik. Der Hybrid gilt als vermutlich resistent gegen die Ulmenkrankheit. Allerdings neigt der Baum besonders stark zu Stammaustrieben, was den Pflegeaufwand erhöhten. Die Ulmus-Hybride ist frosthart und hinterlässt insgesamt einen guten Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet.
Ulmus-Hybride 'New Horizon' ist ein schnell und kräftig wachsender Baum. Im Jugendstadium entwickelt er eine dichte, säulen- bis kegelförmige Krone, die sich später zu einer breiten eiförmigen Form ausweitet. Der Baum zeichnet sich durch einen geraden, durchgehenden Stamm und eine vermutlich hohe Resistenz gegen die Ulmenkrankheit aus. Er ist frosthart und hinterlässt insgesamt einen guten Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet.
Ulmus-Hybride 'Regal' ist ein schnell wachsender Baum, der anfangs eine schmale, kegelförmige Krone ausbildet, die sich im Alter zu einer breiten, säulenförmigen Form entwickelt. Die Krone neigt jedoch dazu, im Laufe der Zeit auseinanderzufallen. Eine Resistenz gegen die Ulmenkrankheit ist nicht vorhanden. Hinweis: Diese Sorte wird nicht mehr für Nachpflanzungen kultiviert. Der Gesamteindruck ist zunächst gut, zeigt jedoch eine abnehmende Tendenz. Bewertung 2024: Nicht geeignet.
Zelkova serrata 'Green Vase' wächst zunächst aufrecht und entwickelt später eine breit trichterförmige Krone, die insgesamt schmaler ist als die der Art. Im Alter neigt die Krone jedoch zum Auseinanderfallen. Der Baum ist stadtklimafest, jedoch anfällig für Spätfrost. Ein hoher Pflegeaufwand resultiert aus Trockenschäden und teilweise absterbenden Kronenästen. Die steile Aststellung erschwert es zudem, ein klares Lichtraumprofil zu erreichen. Insgesamt hinterlässt die Sorte einen guten bis mittleren Gesamteindruck. Bewertung 2024: Geeignet mit Einschränkungen.
Nachschau der Gesamtbewertung der Testbäume aus 2015/2016
Acer platanoides 'Allershausen' überzeugt durch einen mittleren bis dichten und sehr guten Kronenaufbau mit einer kegel- bis eiförmigen Form. Der Baum ist weitgehend frei von Krankheiten und Schädlingen, wächst allgemein gut an und zeigt ein rasches Wachstum. Sein aufrechter Wuchs sowie der gerade Stamm, der weit in die Krone hineinreicht, führen zu einem nur geringen Pflegeaufwand. Insgesamt hinterlässt er einen guten Gesamteindruck. Bewertung 2015/2024: Geeignet/Geeignet.
Acer platanoides 'Apollo' zeichnet sich durch einen mittleren bis dichten und sehr guten Kronenaufbau mit einer kegel- bis eiförmigen Form aus. Der Baum ist nahezu frei von Krankheiten und Schädlingen, wächst allgemein gut an und zeigt ein rasches Wachstum. Sein aufrechter Wuchs sorgt für einen nur geringen Schnittaufwand. Der Gesamteindruck wird als mittel bis gut bewertet. Während zwei Städte die Sorte als gut geeignet einstufen, bewertet München sie aufgrund einer Neigung zu starken Frostrissen als nur bedingt geeignet. Bewertung 2015/2024: Geeignet mit Einschränkungen/Geeignet mit Einschränkungen.
Amelanchier arborea 'Robin Hill' besitzt einen lockeren bis mittleren Kronenaufbau mit einer kegel- bis eiförmigen Form und ist frei von Schädlingen. Sie wächst gut an, entwickelt sich jedoch langsam. Dank ihrer aufrechten Wuchsform ist nur ein geringer Schnittaufwand erforderlich. Die Blütenbildung ist kaum oder nur gering ausgeprägt, was zu einem entsprechend niedrigen Fruchtansatz führt. Regional treten Hitze- und Trockenschäden auf. Deshalb hinterlässt die Sorte insgesamt nur einen guten Gesamteindruck mit Einschränkungen. Bewertung 2015/2024: Geeignet/Geeignet mit Einschränkungen.
Koelreuteria paniculata ist ein langsam wachsender Baum mit einer mitteldichten Krone, die meist kugelförmig, gelegentlich aber auch eiförmig ausgebildet ist. Der Baum ist überwiegend frei von Krankheiten und Schädlingen und wächst allgemein gut an. Die Blütenfülle variiert von gering bis stark, begleitet von einem dekorativen Fruchtansatz. Für verkehrsfreie Standorte wird die Art besonders empfohlen, während an anderen Standorten eine Kronenerziehung erforderlich ist, um ein Lichtraumprofil zu gewährleisten. Der Gesamteindruck ist mittel bis gut, jedoch mit regionalen Unterschieden: In München erwies sich die Art nach dem ersten Winter als vollkommen ungeeignet. Bewertung 2015/2024: Geeignet mit Einschränkungen/Geeignet mit Einschränkungen.
Liquidambar styraciflua 'Paarl' ist ein langsam wachsender Baum mit einer mitteldichten, säulen- bis kegelförmigen Krone. Er ist überwiegend frei von Krankheiten und Schädlingen und wächst in der Regel gut an, zeigt jedoch standortbedingte Ausfälle bei Trockenheit. Frostschäden treten nicht auf. Dank seiner aufrechten Wuchsform fällt kein Schnittaufwand an. Die Blüte ist meist schwach und der Fruchtansatz bleibt gering. Insgesamt hinterlässt die Sorte einen guten bis sehr guten Gesamteindruck, ist jedoch kalkempfindlich und in einigen Regionen frostanfällig. Bewertung 2015/2024: Geeignet mit Einschränkungen/Geeignet mit Einschränkungen.
Malus tschonoskii ist ein kleinkroniger Baum mit einem mittleren bis dichten Kronenaufbau. Seine Krone ist meist säulen- bis kegelförmig, kann jedoch auch eiförmig erscheinen. Der Baum ist überwiegend frei von Krankheiten und Schädlingen und zeigt gute Anwachsergebnisse. Dank der aufrechten Wuchsform ist nur ein geringer Schnittaufwand erforderlich. An einigen Standorten können jedoch Wildtriebe aus der Unterlage zu einem erhöhten Pflegeaufwand führen. Die Blüten- und Fruchtentwicklung variiert stark und reicht von gering bis üppig. Standortabhängig treten Trocken- und Frostschäden auf. Insgesamt hinterlässt die Art einen mittleren bis guten Gesamteindruck, wobei regionale Unterschiede zu beachten sind. Bewertung 2015/2024: Geeignet mit Einschränkungen/Geeignet mit Einschränkungen.
Ostrya carpinifolia ist ein mittelstark wachsender Baum mit einem überwiegend dichten Kronenaufbau und einer kegel- bis eiförmigen Krone. Er ist frei von Krankheiten und Schädlingen und zeigt durchweg gute Anwachsergebnisse. Dank der aufrechten Wuchsform ist der Schnittaufwand gering. Die Blüten- und Fruchtentwicklung ist eher gering bis mittelstark und der Baum zeigt keine Anzeichen von Trockenschäden. Insgesamt hinterlässt die Art einen guten Gesamteindruck. Bewertung 2015/2024: Geeignet/Geeignet.
Prunus padus 'Schloss Tiefurt' ist ein mittelstark wachsender Baum mit einer mittleren Kronendichte und einer kegel- bis eiförmigen Krone. Er ist frei von Krankheiten und Schädlingen und zeigt durchweg gute Anwachsergebnisse. Dank der aufrechten Wuchsform mit einer durchgehenden Stammverlängerung sind keine oder nur vereinzelt geringe Schnittmaßnahmen erforderlich. Die Blüten- und Fruchtentwicklung ist bislang gering, und der Baum weist keine Frostschäden, regional aber Trockenschäden auf. Gelegentlich wachsen Wildtriebe aus der Unterlage. Insgesamt hinterlässt die Sorte einen guten Gesamteindruck. Bewertung 2015/2024: Geeignet/Geeignet.
Quercus frainetto ist ein mittelstark wachsender Baum mit einem mittleren bis dichten Kronenaufbau und einer kegelförmigen Krone. Sie ist frei von Krankheiten und Schädlingen, zeigt jedoch unterschiedliche Anwachsergebnisse, die von gut bis schlecht variieren. Aufgrund der aufrechten Wuchsform sind keine oder nur geringe Schnittmaßnahmen erforderlich. Die Blüten- und Fruchtentwicklung wurde bislang nicht festgestellt. Es treten vereinzelt standortbedingte Trockenschäden auf, während keine Frostschäden zu verzeichnen sind. Der Gesamteindruck variiert stark: Einige Einzelbäume zeigen unterlagenbedingte Ausfälle, während vereinzelt sogar ganze Pflanzungen Totalausfälle erleiden. Der Gesamteindruck reicht von sehr schlecht bis sehr gut. Aus diesem Grund werden seit dem Jahr 2022 sämlingsechte Exemplare vergleichend getestet. Bewertung 2015/2024: Geeignet mit Einschränkungen/ Geeignet mit Einschränkungen.
Zelkova serrata ist ein mittelstark bis stark wachsender Baum mit einer mittleren Kronendichte. Ihre Krone ist meist trichterförmig, kann jedoch auch ei- bis kugelförmig ausgebildet sein. Der Baum ist frei von Krankheiten und Schädlingen, zeigt jedoch unterschiedlich gute Anwachsergebnisse, die von schlecht bis gut variieren. Trotz der überhängenden Wuchsform sind bislang nur geringe Schnittmaßnahmen erforderlich, da der Stamm nicht bis in die Krone durchgehend ist. Die Blüten- und Fruchtentwicklung ist gering oder nicht feststellbar. Der Baum zeigt sich unempfindlich gegen Frostschäden, jedoch treten vereinzelt Trockenschäden im Schwach- bis Starkastbereich auf. Insgesamt hinterlässt die Zelkova serrata einen mittleren bis guten Gesamteindruck. Bewertung 2015/2024: Geeignet mit Einschränkungen/ Geeignet mit Einschränkungen.
Diese zusammenfassenden Auswertungen erfolgen in mehrjährigen Abständen. Sie tragen maßgeblich zu einer objektiven Beurteilung der stadtklimatischen Widerstandskraft, Vitalität und des Pflegebedarfs der getesteten Baumarten bei. Für Städte, die sich auf wärmere Sommer und insgesamt extremere Bedingungen einstellen müssen, liefern die Testergebnisse wertvolle Hinweise für eine nachhaltige und zukunftsfähige Baumauswahl. Alle Informationen zum GALK-Straßenbaumtest sowie zur Online-Straßenbaumliste hat der Arbeitskreis Stadtbäume unter www.galk.de zusammengestellt.





















Zusammenfassung
Seit Projektstart 2005 ist das Interesse am Straßenbaumtest 2 mit inzwischen 21 Teilnehmerstädten stetig gewachsen. Die Ergebnisse werden anhand der regelmäßigen Bonitierungen fortgeschrieben und durch weitere Pflanzungen erweitert. Aktuell veröffentlicht der AK Stadtbäume eine weitere Zwischenbilanz für 20 Testbäume, u. a. als Broschüre. Zudem fordert der Arbeitskreis die Fachleute zum Erfahrungsaustausch auf, damit das Sortiment der Straßenbäume weiterentwickelt werden kann und die notwendige Anpassung an den Klimawandel erfährt. Dabei pflegt der Arbeitskreis Stadtbäume auch den Dialog mit weiteren Nachbarländern.
Im Mai 2020 wurde eine neue Online-Version seines Straßenbaumtest 2 im GALK-Internetportal veröffentlicht. Die bundesweiten Pflanzungen lassen sich in stufenlos zoombaren Karten und Luftbildern ansteuern. Auf Formularen kann der Internetbesucher auf alle verfügbaren Angaben der Teilnehmerstädte und Fotos der Baumstandorte zugreifen. In einem Katalogformular sind die für den Test ausgewählten Sorten detailliert beschrieben.
In Verbindung mit der neuen, auch inhaltlich erweiterten GALK-Straßenbaumliste verknüpft der Arbeitskreis Stadtbäume damit vielfältige Detailinformationen über die Verwendung von Bäumen in den Städten und stellt sie auf seiner Homepage zur Verfügung. Seit 2024 ist die Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz vom Umweltbundesamt als Klimavorsorgedienst in das Deutsche Klimavorsorgeportal (KLiVO) aufgenommen worden.










