Der Kommentar

Think big, act big

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Alles, was die Amerikaner heute haben, gibt es spätestens in zehn Jahren auch bei uns", so jedenfalls eine weitläufige These. Auch deshalb sind Unternehmer aller Branchen schon immer gerne in die USA gereist, um zu schauen, wie es auch anders gehen kann. Warum also nicht auch einmal schauen, was der Landschaftsbau so macht?

Der größte Landschaftsgärtner in USA generiert über zwei Milliarden US-Dollar Umsatz. Dafür braucht die Firma "Bright View" in 70 Niederlassungen 13000 Trucks. Die eigentliche Botschaft aber ist, dass dieses Unternehmen Investoren gehört, die nur Interesse an einer guten Verzinsung ihres Kapitals haben. Allein der wirtschaftliche Erfolg steht im Fokus. Zudem hat das Unternehmen eine klare Expansionsstrategie und kauft andere Unternehmen, um weiter zu wachsen. Hört sich eher nach Konzern als nach Landschaftsgärtner an. Eigentümer von "Gothic" sind zwei Brüder, die das Unternehmen ihres Vaters übernommen haben. Mit über 1700 Mitarbeitern ist der Umsatz ihres Unternehmens innerhalb eines Jahres um 50 Millionen Dollar gestiegen und soll weiter wachsen. Warum? Damit es ein Familienunternehmen bleiben kann und nicht von den großen finanzstarken Unternehmen aus dem Markt gedrängt wird. Natürlich gibt es auch die kleinen. Klein ist man in diesem Land aber auch mit 200 Mitarbeitern.

Dass sich Finanzinvestoren für den Landschaftsbau interessieren, liegt auch daran, dass die Gewinne hoch sind. Egal ob groß oder klein: 10 Prozent bis 15 Prozent Gewinn sind nicht ungewöhnlich. Deutlich höher als das, was die Kennzahlen der deutschen Unternehmen hergeben. Interessant ist der Landschaftsbau auch deshalb, weil es langfristige Verträge für die Pflege und Instandhaltung von Freianlagen gibt. Die meisten Betriebe machen mehr Pflege als Neubau und sind damit unabhängiger von der in den USA sehr schwankenden Baukonjunktur. "Das Gras wächst immer", so die treffende Feststellung eines Unternehmers.

Auch Baustoffhändler haben sich auf den Landschaftsbau fokussiert. Der größte "SiteOne Landscape Supply" liefert, wie viele andere auch, alles für den Landschaftsbau aus einer Hand: Kies, Schotter, Beton, Pflaster, Bewässerungsteile, Schwimmteiche, Pflanzen und vieles mehr. Gerade der Handel mit Baumschulware läuft ganz anders als bei uns: In der Regel läuft er über einen Händler. Ein Model, das in Deutschland noch eine Ausnahme ist.

Spannend ist auch die Struktur des Verbands. So sind in der California Landscape Contractors Association Landschaftsarchitekten (CLCA) Baustoffhändler und Landschaftsbauunternehmer in einem Wirtschaftsverband zusammengeschlossen, während sich bei uns die grüne Branche immer weiter aufsplittert. Immerhin hat es der Verband in Kalifornien geschafft, Beschränkungen des Tätigkeitsfeldes weit zu fassen. Während an der Ostküste der USA Landschaftsgärtner keine Beregnungen bauen dürfen - das ist dort den Klempnern vorbehalten - dürfen die kalifornischen Landschaftsgärtner sogar Gartenküchen, einschließlich Gasanschluss, herstellen.

Sicher ist nicht alles gut, was aus Nordamerika kommt, alles schlecht aber auch nicht. Ob wir das alles in zehn Jahren hier haben, darf bezweifelt werden, Anregung aber ist es allemal.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2018 .

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