FLL: Online-Fachtagung zu Baumstandorten der Zukunft

Trockenheitsresistente Straßenbäume mit dem richtigen Substrat

"Das grobe Gestein wird schichtweise mit Feinsand und Langzeitdünger eingeschlämmt, der für maximal 18 Monate den Bäumen als Starthilfe dient", erklärte der Sachverständige für urbane Vegetation, Dr. Markus Streckenbach. Foto: Örjan Stål

Im Juni veranstaltete die FLL eine Online-Fachtagung zu dem Thema "Baumstandorte der Zukunft". Rund 280 Teilnehmer verzeichnete die Veranstaltung, bei der aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für verbesserte Baumstandorte diskutiert wurden.

Der Fokus lag auf innovativen Konzepten und Bauweisen für die Bäume der Innenstädte. "Mit dem Stockholmer Modell lassen sich Wurzelwachstumsraten an Bäumen von bis zu 80cm im Jahr erreichen", begann der Sachverständige für urbane Vegetation, Dr. Markus Streckenbach, sein Referat. An den Straßenrändern entlang wird ein großer Graben ausgehoben, der mit Skeletterde gefüllt wird. Dafür werden Bruchsteine übereinandergeschichtet und gerüttelt, sodass möglichst kleine Hohlräume entstehen, die die Bäume als Wurzelraum nutzen können. "Das grobe Gestein wird schichtweise mit Feinsand und Langzeitdünger eingeschlämmt, der für maximal 18 Monate den Bäumen als Starthilfe dient", führte Streckenbach weiter aus.

Verbesserte Baumstandorte durch Skeletterde

"Die Skeletterde wird von den Bäumen sehr gut angenommen und besonders das Wurzelwachstum steigt an, wodurch die Bäume am Standort trockenheitsresistenter werden", erklärte Streckenbach. Die höhere Wurzelausbreitung gewährleistet den Bäumen eine flächendeckendere Wasseraufnahme entlang der Straßenzüge. Zudem werden mithilfe von Dachwasser, dass über ein Rinnensystem über die Gehwege zu den Bäumen geleitet wird, die Baumstandorte zielgerichtet bewässert. Die Stadt würde es schaffen, das Stockholmer Modell öffentlich wirksam zu machen für die gesamte Bevölkerung, so Streckenbach. "Eingelaserte Rauten auf kleinen Schachtdeckeln markieren, dass sich unter dem Pflaster große Wurzelräume für die Straßenbäume befinden", führte Streckenbach weiter aus.

In zwei weiteren Vorträgen wurde aufgezeigt, wie sich aus verschiedenen Gesteinen und Pflanzenkohle Baumsubstrate gewinnen lassen.

"Ziegel eignen sich sehr gut, um daraus Baumsubstrate für die Zukunft zu gewinnen", erklärte Frank Morbach vom Prüflabor für Freisportanlagen, Straßen- und Tiefbau. Ziegel könnten viel Wasser und Wärme aufnehmen und die Feuchtigkeit wegen ihrer feinporigen Eigenschaften wieder gut an die Umgebung abgeben. Bisher würden Ziegel von den Kommunen zu selten erlaubt werden, da der reine Ziegel oft mit Schadstoffen wie Scherben verfälscht wäre und damit die Eigenschaften für die Nutzung als Baumsubstrate verschlechtert werden würden, so Morbach weiter.

Prof. Dr. Claudia Kammann referierte über den Einsatz von Pflanzenkohle in Baumsubstraten. Pflanzenkohle würde CO2 binden und Schwermetalle im Boden verringern. "In den Pflanzgruben Stockholms wird Pflanzenkohle schon verwendet und eingebaut", erklärte Kammann.

Danilo Ballhorn

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe ProBaum 03/2022 .

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