BDLA-Bauleitergespräche in Bochum

Trotz verschärfter Norm: Beim Spielplatzbau mehr Risiko wagen

Wer Kindern ein spannendes Spielerlebnis bescheren möchte, muss verhaltenspsychologische Aspekte berücksichtigen: Das war eine der Kernbotschaften des Frankfurter Landschaftsarchitekten Dirk Schelhorn. Foto: Hendrik Behnisch, Neue Landschaft

In welch großem Spannungsfeld sich Spielplatzbauer bewegen, wurde einmal mehr auf den 29. BDLA-Bauleitergesprächen deutlich, zu denen der Bund deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) traditionell nach Bochum geladen hatte. Der Frankfurter Planer Dirk Schelhorn begnügte sich jedoch nicht damit, gültige Vorschriften für den Spielplatzbau durchzuexerzieren und sich an juristischen Fragen abzuarbeiten; vielmehr nahm er sich des Themas auf eine sehr grundsätzliche Art und Weise an.

Risikokompetenz für eine gute Kindsentwicklung

Schelhorn erwies sich als engagierter Spielplatzplaner, der von sich sagt, für Kinder "eine Welt voller Abenteuer" schaffen zu wollen. Er erinnerte das rund 400-köpfige Auditorium daran, worin die Pflicht von Spielplatzplanern besteht: Nämlich darin, Kindern "ein kalkulierbares Risiko" anzubieten und gleichzeitig das Regelwerk für Sicherheit zu beachten. Auf die Semantik legte Schelhorn dabei besonderen Wert, denn während Erwachsene oft nur "Gefahren" für ihren Nachwuchs sähen, ginge es tatsächlich aber um "Risiken" - diese gehören unleugbar zum Leben dazu und seien somit für die kindliche Entwicklung essenziell. Vor diesem Hintergrund seien Grenzerfahrungen ein gesunder Alltagsprozess, um Risikokompetenz zu erwerben. Durch diese Haltung entpuppte sich Schelhorn als Albtraum aller Helikopter-Eltern - eine Rolle, die er furchtlos annahm und hinter dem Rednerpult eine Stunde lang konsequent ausfüllte.

Zwar zielten die Ausführungen des Frankfurters durchweg auf eine ausgefallenere, risikofreudigere Spielplatzplanung ab. Doch dieses Bekenntnis zu Spielräumen mit vermeintlich höherer Verletzungsgefahr unterfütterte Schelhorn immer wieder mit schlüssigen Argumenten aus Psychologie und Medizin: Etwa, dass sich Kinder dank weicherer Knochen und eines niedrigeren Schwerpunkts nach einem Sturz nicht so schnell die Knochen brechen wie Erwachsene. Auch wenn ein solcher Sturz demnach in der Regel keine dramatischen Folgen nach sich ziehe, so Schelhorn weiter, sei er aber natürlich nicht erstrebenswert.

Verhaltenspsychologie berücksichtigen

Damit Kinder gar nicht erst von einem erhöhten Spielgerät fallen, sei es entscheidend, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt in Sicherheit wiegen. Mit anderen Worten: Wenn ein Spielplatz anspruchsvoll konstruiert sei - beispielsweise mit schwer erkletterbaren Objekten -, dann ergebe sich anhand der Schwierigkeitsgrade der Spielelemente eine natürliche Auslese dafür, welches Kind wo spielt. Die weniger Bewegungsbegabten würden so gar nicht erst in die Höhe gelangen und in weniger anspruchsvollen Bereichen verweilen, während die geschickteren Kinder sich die Höhe erst mühsam erarbeiten müssten - sie "qualifizieren" sich also mittels ihrer körperlichen Fähigkeiten für das erhöhte Risiko. Und diese besser ausgeprägten Fähigkeiten ließen sie das Risiko im Umkehrschluss auch leichter meistern.

Jene verhaltenspsychologischen Aspekte, so Schelhorn, würden bei der DIN 1176 nicht genügend berücksichtigt werden. Diese Richtlinie sei in den vergangenen Jahren aber dennoch deutlich verschärft worden - obwohl sich nicht mehr Unfälle auf Spielplätzen ereignet hätten, sondern nur, weil immer neue Prüfmethoden für Spielgeräte entwickelt worden seien. Dabei, mahnte der Frankfurter Landschaftsarchitekt, dürfe man das Spielgerät und den gesamten umliegenden Spielraum nicht entkoppelt betrachten - beide müssten dem kalkulierbaren Verhalten der Kinder Rechnung tragen. Im Klartext: Solange es auf Spielplätzen keine "gebaute Einladung" in riskante Höhen gibt, würden nur gute Kletterer solche Orte erschließen. Wer als Spielplatzplaner also spannende Räume für Kinder kreieren will, sollte kindliche Selbsterfahrung höher gewichten als die Unkenrufe von Helikopter-Eltern.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2019 .

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