Urbane Strategien für Regenwassermanagement

Fachtagung zeigt Wege und Grenzen der Schwammstadt auf

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Schwammstadt-Konzepte gelten als zentral für klimaresiliente Stadtplanung. Bei der vom Entwässerungsspezialisten Hauraton organisierten Tagung Regen.Impulse im Berliner Spreespeicher standen ihre praktischen Umsetzungen und Grenzen im Fokus – besonders mit Blick auf die selbsternannte "Schwamm-Hauptstadt".
Hauraton Stadtplanung Fachtagungen und Kongresse
Louis Kott zeigte unter anderem Best-Practice-Beispiele des von der Berliner Regenagentur ins Leben gerufenen Regenial!-Wettbewerbs. Foto: Patricia Hempel, Neue Landschaft

Als größte Hindernisse wurden Überbürokratisierung, Fachkräftemangel, mangelnde Kommunikation zwischen Ämtern, Behörden und Liegenschaften sowie Finanzierungsprobleme genannt.

Die Vortragenden waren sich einig: Klimaangepasstes Bauen gelingt nur, wenn alle Akteure zuvor an einem Tisch sitzen und "über den Tellerrand blicken". Damit sich Schwammstadtpuzzle zusammensetzen lassen, müsse interdisziplinär zusammengearbeitet werden.

Auch die Berücksichtigung bestehender Erfolgsgeschichten samt ihren technischen Lösungen, wie zum Beispiel bei der Entwässerung von Salzstreugebieten oder der richtigen Bepflanzungswahl, biete Potenziale, regensensible Projekte erfolgreich und im Austausch miteinander umzusetzen, so Tancredi Capatti (capattistaubach urbane landschaften).

Mit den Regen.Impulsen will Hauraton dafür eine regelmäßige Plattform schaffen.

Drahtseilakte zwischen privatem und öffentlichem Raum

In Berlin lägen die größten Herausforderungen in der dicht bebauten, überwiegend aus Bestandsbebauung bestehenden Innenstadt, wo zugleich der höchste Handlungsbedarf bei Hitzestress, Mischwasserentlastungen, Grünmangel und Starkregen besteht, sagte Louis Kott (Berliner Regenwasseragentur).

Da Platz knapp ist und Nutzungskonflikte bestehen, ist die Umsetzung geltender Normen und Gesetzgebungen im Bestand oder im Neubau oft schwierig.

Zugleich sichern geltende Vorgaben wie die zum Beispiel in Berlin geltende BReWA-BE, die Einholung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur Versickerung oder die Niederschlagswasserfreistellungsverordnung (NWFreiV) das Ziel der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, die Anlagenfunktion und den Grundwasserschutz, so Kott weiter.

Gleichzeitig können aneinandergrenzende Liegenschaften zu Verzögerungen von Projekten führen. Im Fall des 76 ha großen Vorzeigequartiers "Siemensstadt Square" traf öffentlicher auf privaten Raum.

Das Ziel war, den Standort sowohl als Corporate Headquarter des Siemens-Konzerns, als auch als öffentlichen Erholungs- und Begegnungsort zu betrachten, referierte Marcel Wiegard (Greenbox Landschaftsarchitekten).

Die Absprachen zwischen Siemens, dem Berliner Senat und dem Bezirksamt Spandau hätten viele Prozesse verlangsamt, bevor man den richtigen Umgang mit den schadstoffbelasteten Böden fand sowie eine dezentrale, pumpengesteuerte Zisternen-Quellschacht-Lösung zur Nutzung des sich im privaten Bereich sammelnden Regenwassers.

Schneller ging es beim Georgen-Parochial-Friedhof II, wo sich zwei private Liegenschaften in weniger als einem Jahr auf eine Grundstücksübergreifende Lösung (GüL) geeinigt hatten, um das Regenwasser dem Friedhof zur Bewässerung zur Verfügung zu stellen.

Da das Abschließen einer nachbarschaftlichen Vereinbarung unter juristischer Begleitung zur Übergabe von Regenwasser bis dato noch nicht umgesetzt worden war, ist unter Heranziehung des Projekts eine Studie zu "Grundstücksübergreifenden Lösungen der Regenwasserbewirtschaftung" entstanden, die unter anderem einen Prozessablauf und einen Mustervertrag für zukünftige Vorhaben als Ergebnis hatte.

Als Negativbeispiel nannte Prof. Axel Klapka (K1 Landschaftsarchitekten) den Mauerparkkanal zwischen den Berliner Bezirken Mitte und Pankow. Dort führte die fehlende Abstimmung zwischen Bezirken, Senat und den Berliner Wasserwerken zu Verzögerungen und Fehlentscheidungen.

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Video "HAURATON Event RegenImpulse Berlin", Quelle: youtube

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Prof. Axel Klapka gab technische Einblicke in den Klimahain auf dem Friedrichshafener Adenauerplatz am Bodensee. Fotos (2): Patricia Hempel, Neue Landschaft

Die unklare Nutzung und Vernachlässigung der Wasserinfrastruktur verursachten Überschwemmungen und Verfall. Zudem wurde das Gelände nicht sinnvoll in den Park integriert und blieb gestalterisch unattraktiv.

Digitalisierung gegen Leerstellen wie Fachkräftemangel

Auch der Fachkräftemangel und begrenzte finanzielle Ressourcen können Projekte ausbremsen. "Vor allem die bezirklichen Straßen- und Grünflächenämter, die für die Koordinierung der Planung und Umsetzung sowie die Pflege und Unterhaltung der neu entstehenden blau-grünen Infrastrukturen zuständig sind, sind personell und finanziell nicht ausreichend ausgestattet", ergänzte Kott.

Insbesondere bei innovativen und/oder grundstücksübergreifenden Lösungen der Regenwasserbewirtschaftung stellten "Schnittstellen-Themen" wie Zuständigkeiten, Verkehrssicherung und interdisziplinäre Zusammenarbeit Herausforderungen dar. Für Daniel Brand (RX Watertec) müssen sich die technischen Komponenten der Schwammstadt dem Smart-City-Konzept annähern, um Personalmangel, Ausfälle und Kostenfaktoren langfristig auszugleichen:

Digitales Wassermanagement über IoT-sensorisch gesteuerte und KI-gestützte Steuerungselemente seien die richtige Strategie um den dringend benötigten Paradigmenwechsel voranzutreiben.

Vom Charlottenburger Büroneubau AERA mit terrassiertem Dachgarten bis zum Neubau am Postbahnhof, wo ein Eisenbahnviadukt als Regenspeicher fungiert: Berlin ist auf dem Weg zur Schwammhauptstadt zu werden.

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Hauraton sieht sich als Teil eines sich weiterbildenden Netzwerks: Thorin Oesterle (Hauraton) beim eröffnenden Impulsvortrag. Foto: Hauraton

Doch urbane Räume abzukühlen, zu begrünen, regensensibel und klimaresilient umzugestalten, ist nicht nur eine Frage der öffentlichen Hand. Im privaten Sektor könnten die Ermittlung des Abkopplungspotenzials zur dezentralen Bewirtschaftung von Regenwasser oder konkrete Förderprogramme, wie zum Beispiel das GründachPLUS-Programm, dass die Dach- und Fassadenbegrünung im Bestand fördert, entscheidende Anreize oder Hilfen darstellen.

Auch kleinflächige Lösungen wie die "grünen Gullys", die seitens der Berliner Wasserbehörde keine wasserrechtlichen Erlaubnisse erfordern, bringen die Transformation voran.

Patricia Hempel

 Patricia Hempel
Autorin

Autorin, Redaktion Neue Landschaft

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