Einfluss der Wurzelbehandlung auf das Baumwachstum
Vergleich des Anwachsverhaltens von Jungbäumen mit und ohne freigespülten Wurzelballen
von: Diana Ganzert, Tobias Seidler

Mit Blick auf die Wurzeln ist von einer guten Pflanzqualität zu sprechen, wenn das Gehölz regelmäßig verschult wurde und daher ein gut verzweigtes Wurzelwerk mit hohem Feinwurzelanteil aufweist. Zudem sind bekannte Qualitätsmängel wie eine Übererdung des Ballens, eine zu geringe Ballengröße, eine Ring- oder Würgewurzelbildung sowie Verletzungen als beeinträchtigende Faktoren für die langfristige Etablierung eines Gehölzes anzusehen (Lichtenauer 2024). Als entsprechendes Regelwerk sei an dieser Stelle auf die TL-Baumschulpflanzen der FLL verwiesen, welches Qualitätsanforderungen für Baumschulware definiert.
Um den Jungbaum in der Anwachsphase optimal zu unterstützen, werden verschiedene Pflanzverfahren propagiert. So kann der Ballen mitsamt dem Wurzelwerk auf verschiedene Weise bzw. in unterschiedlicher Intensität behandelt werden. Er kann beispielsweise ohne eine vorherige Bearbeitung gepflanzt werden, d.h. auch ohne eine notwendige Entfernung von geschädigten oder herausstehenden Wurzeln. Die Pflanzung kann aber genauso wurzelnackt erfolgen (Balder 2012).
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Der Ballen ist stark von den Pflegebedingungen und den standörtlichen Gegebenheiten geprägt, welche in den jeweiligen Anzuchtquartieren vorherrschten. So befindet sich innerhalb des Ballens der baumschuleigene Boden, welcher je nach Ausprägung seiner Eigenschaften starke Auswirkungen auf die Ausbildung des Wurzelsystems hat (Balder 2012). Außerdem kann es durch das Stechen des Ballens (insbesondere durch Maschinen) zu erheblichen Wurzelschäden kommen, wenn das Gehölz nicht regelmäßig verschult wird.
Auch die Art der Bewässerung beeinflusst die Wurzelbildung und somit die Kompaktheit des Ballens. Diese Faktoren bestimmen maßgeblich das Auswurzelungsverhalten, den Bewässerungsbedarf und die Etablierung eines Gehölzes. Die Pflanzung von belassener Ballenware kann demnach, mitunter auch aufgrund eines Kapillarbruchs, mit einem verminderten Auswurzeln in das umgebende Substrat einhergehen (Balder & Schneeweiß 2014). Aus diesen Gründen wird eine wurzelnackte Pflanzung als Option angesehen, um ein Anwachsen zu fördern sowie den Kontakt zwischen den Wurzeln und der neuen Bodenumgebung zu optimieren. In diesem Zusammenhang wird das Ausspülen des Wurzelballens empfohlen (Beltz & Rösler 2018). Durch eine wurzelnackte Pflanzung soll demnach die Wurzel- sowie eine vitale Kronenentwicklung gefördert werden (Balder & Schneeweiß 2014). Als weiterer Vorteil von wurzelnackter Ware wird angeführt, dass eine genaue Kontrolle des Wurzelwerkes hinsichtlich Mängel und Schädigungen möglich ist (Balder 2012).

Am Kompetenzzentrum Garten- und Landschaftsbau Quedlinburg startete Anfang April 2023 ein Versuch, bei welchem die beschriebene Fragestellung im Zentrum stand. Es wurde das Anwachsverhalten von Jungbäumen mit unterschiedlicher Behandlung des Wurzelballens verglichen.
Dabei wurden unmittelbar vor der Pflanzung die Ballen von vier Tilia cordata 'Greenspire' und vier Carpinus betulus 'Fastigiata' (alle 14 bis 16er-Stammumfang) mit einem Wasserdruck von vier bar und weitere vier Ballen je Baumart mit einem Wasserdruck von sechs bar ausgespült. Zum Vergleich wurden weitere 16 Bäume, acht je Art gepflanzt, bei denen lediglich das Balliermaterial entfernt wurde.
Während des Freispülens wurde der Zeitaufwand und der Wasserverbrauch dokumentiert.
Die Pflanzung erfolgte gemäß den FLL-Richtlinien "Empfehlungen für Baumpflanzungen Teil 1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege". Die Jungbäume wurden in einem Abstand von fünf mal fünf Metern jeweils in einer Pflanzgrube von 1 x 1 x 0,8 Meter gepflanzt, mit einem Dreibock verankert und einem Bewässerungssack versehen. Gewässert wurden 60 bis 80 Liter im 14- bis 21-tägigen Rhythmus, abhängig vom natürlichen Niederschlag. Vor der Pflanzung wurde an allen Bäumen ein Pflanzschnitt durchgeführt.
Als Ergebnis konnte festgestellt werden, dass der Wasserverbrauch beim Freispülen mit einem Wasserdruck von vier bar mit 81,5 Liter um 35 Liter im Durchschnitt höher lag als beim Spülen mit 6 bar. Auch im Hinblick auf den zeitlichen Aufwand hat der geringere Wasserdruck im Durchschnitt mit 8,7 Minuten drei Minuten mehr Zeit in Anspruch genommen. Während des Freispülens war Vorsicht geboten, da der Wasserdruck die feine, junge Rinde der Wurzeln verletzt hat. Dadurch war ein gewisser Abstand vom Wasserschlauch zur Wurzel notwendig.
Der Wasserverbrauch und auch der zeitliche Aufwand für das Freispülen eines Ballens waren einerseits abhängig von der Größe und dem Volumen des Wurzelwerkes sowie andererseits von der baumschuleigenen Bodenbeschaffenheit im Ballen. So hat zum Beispiel das Freispülen eines Carpinus Ballens 19 Minuten gedauert, bei einem Wasserverbrauch von 179,9 Liter (siehe Abbildung 2). Dagegen wurde bei einer Tilia cordata circa 58 Liter in sieben Minuten verbraucht (siehe Abbildung 1). Nachdem die 16 Jungbäume freigespült waren, ist ein stark verschmutzter Arbeitsplatz zurückgeblieben (siehe Abbildung 3).
Durch das Verfahren des Ballen-Freispülens konnten keine positiven Auswirkungen auf das Anwachsverhalten festgestellt werden. Im Gegenteil, alle "wurzelnackten" Prüfbäume haben wesentlich später mit dem Blattaustrieb begonnen, siehe Abbildung 4.
Der spätere Laubaustrieb der behandelten Bäume lässt mutmaßen, dass das Wurzelwerk durch das Freispülen in solchem Maße geschädigt wurde, sodass die Anwachsphase am neuen Standort erschwert wurde. Es ist mindestens mit einem Verlust von Feinwurzeln sowie Verletzungen zu rechnen. Dies führt zu einer beeinträchtigten Wasser- und Nährstoffaufnahme und darüber hinaus zu potenziellen Eintrittspforten für Schaderreger. Teilweise entfernt beziehungsweise gehemmt wird sicherlich auch die bereits vorhandene Mykorrhiza, mit welcher im Ballen zu rechnen ist (Floris 2018). Zudem steigt mit diesem Verfahren einmal mehr die Gefahr eines Austrocknens des freigespülten Wurzelwerkes, wenn dieses länger auf der Baustelle gelagert wird oder gar ohne den Schutz des Ballens transportiert wird. Neben diesen baumbiologischen Aspekten ist ein derartiges Vorgehen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit sowie des Ressourcenverbrauches kritisch zu hinterfragen.

Literatur
- Balder, Hartmut; Schneeweiß, Fabian (2014): Gehölze mit Ballen nicht nur ,,hinstellen", sondern ,,funktional pflanzen". In: Pro Baum (2), S. 2–10.
- Balder, Hartmut (2012): Leitfaden für eine fachgerechte Baumpflanzung. Baustellen bezogener Pflanzeneinkauf, Ballenbehandlung und Kronenschnitt. In: Dujesiefken, Dirk (Hg.): Jahrbuch der Baumpflege 2012, Haymarket Media GmbH, Braunschweig (16), S. 151–164.
- Beltz, Heinrich; Rösler, Veronika (2018): Wurzelballen. Ausspülen oder nicht? In: Taspo Gartendesign (6), S. 54–55.
- Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL); Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. (FGSV): Empfehlungen für Baumpflanzungen. Teil 1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege. Ausgabe 2015. Bonn.
- Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL): TL-Baumschulpflanzen. Technische Lieferbedingungen für Baumschulpflanzen (Gütebestimmungen). Ausgabe 2020. Bonn.
- Floris, Pius (2018): Die Interaktion von Wurzeln und Boden besser verstehen. In: Taspo Baumzeitung (2), S. 31–34.
- Lichtenauer, Antje (2024): Ballenqualität von Baumschulware - ein Blick in die Schweiz und nach Deutschland. In: Pro Baum (2), S. 18–22.











