Der Kommentar

Verlierer sind jene, die keine Rücklagen haben

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Was hat dieses Virus mit unserem Land in nur wenigen Wochen angestellt? Schon die rasend schnellen Veränderungen in den wenigen Tagen vom Schreiben dieses Kommentars, bis Sie ihn lesen werden, sind außergewöhnlich, ganz zu schweigen von den Veränderungen, die danach folgen.

Die Zellstruktur des Coronavirus SARS-CoV-2, nicht Pflanze, nicht Tier, hat sich in unglaublich kurzer Zeit auf der ganzen Welt verbreitet, in unserer schnelllebigen und hoch mobilen, dadurch anscheinend auch sehr verletzlichen Gesellschaft. Dabei war eigentlich zu erwarten, dass die Szenarien, die Experten schon bei Vogelgrippe, Schweinegrippe und Schweinepest angekündigt hatten, irgendwann tatsächlich unser Land erreichen. Aber dass es gleich so heftig wird …

Der Stand heute ist, dass es praktisch keinen stationären Einzelhandel mehr gibt. Gleiches gilt für Dienstleitungen des persönlichen Bedarfs, wie Frisöre oder Fitnessstudios. Aber auch die großen Konzerne, allen voran die Lufthansa und die Autoindustrie, gehen in Zwangsferien. An der Börse haben viele Menschen schon sehr viel Geld verloren. Dax und Dow Jones sind deutlich über 30 Prozent gefallen. Die Bundesregierung hat unglaubliche 156 Milliarden bereitgestellt, damit die Wirtschaft nicht untergeht. Das Privatleben heißt #WirBleibenZuhause "Kontaktverbot".

Die Bewertung der Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Zusammenleben fällt im Moment nicht nur negativ aus. Entschleunigung, Runterkommen, Raus aus dem Hamsterrad ist für manche bestimmt zutreffend. Das Gefühl, dass der gemeinsame Feind, das Virus, die Menschen wieder enger zusammenbringt und solidarischer werden lässt, verbreitet sich. Die zum Teil dogmatisch-ideologisch diskutierten, politisch aufgeheizten Themen rücken in den Hintergrund und viele wirken heute fast lächerlich. Wirtschaftlich gesehen hätte es keinen besseren Zeitpunkt für Deutschland geben können. Die Staatskassen sind voll und die Unternehmen befanden sich in einer Boomphase.

Viel spannender sind zwei Fragen: 1. Wie lange wird das gehen? 2. Was kommt danach?

Wie lange das gehen wird, weiß niemand. Auch die Fachleute sprechen von Wochen oder Jahren oder etwas dazwischen. Hoffnung macht, dass in China die Produktion wieder voll anläuft. Sollte das ohne Rückschlag funktionieren, wäre das die Blaupause für den Rest der Welt. Scheinbar funktioniert es besser, radikal alle nach Hause zu schicken und zu warten, bis das Virus ohne neue Wirte ausstirbt.

Noch spannender ist die Frage, was kommt danach? Aktuelle Verlierer sind Hotels, Gaststätten, Reiseanbieter, Fluggesellschaften, der stationäre Non-Food-Einzelhandel, sicher auch viele Industrieunternehmen, weil aktuell die Märkte einbrechen. Verlierer werden vor allem diejenigen sein, die in guten Jahren nicht für Rücklagen und eine gut gefüllte Kasse gesorgt haben. Die Betriebe, bei denen Mieten und Leasingraten schon jetzt drücken, weil es noch ein schöner neuer Bagger sein musste, werden Probleme bekommen. Auch wenn aktuell alle Betriebe arbeiten können, wird es wohl einen Einbruch von Auftragseingängen geben. Im Hausgarten werden allein schon durch das Kontaktverbot wenig neue Aufträge kommen. Die öffentliche Verwaltung wird vom Home Office aus auch weniger neue Projekte auf den Weg bringen können. Die Industrie hält das Geld erstmal zusammen.

Die Gewinner von heute sind Hersteller von Klopapier und Seife. Zu den Gewinnern von morgen kann auch der Landschaftsbau gehören. Die 156 Milliarden des Bundes werden den Einbruch im Konsum abmildern. Der Einbruch an der Börse könnte noch mehr Geld zu den Immobilien bewegen. Auch könnte das Virus zunächst länger die Reisebegeisterung bremsen. Dann muss zuhause etwas im Garten passieren.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2020 .

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