Versiegelte Großparkplätze entpuppen sich als urbane Hitzeinseln
Dabei könnten schon 30 Prozent mehr Bäume in Städten die Zahl der Hitzestunden um über die Hälfte reduzieren, wie eine neue Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zeigt. Dennoch dominieren auf vielen Parkplätzen weiterhin grauer Asphalt und Beton – mit spürbaren Folgen für das Stadtklima. Der Südwestrundfunk (SWR) hat dazu eine Dokumentation unter dem Titel "Zugepflastert!" gedreht.
Eine aktuelle Recherche der Transparenz-Plattform FragDenStaat in Zusammenarbeit mit dem KIT hat die Problematik umfassend beleuchtet. Untersucht wurden 220 großflächige Parkplatzareale in sechs deutschen Großstädten – darunter Stuttgart, Mannheim, Köln, Braunschweig, Hannover und Frankfurt am Main. Anhand von Stadtplänen, Luftbildern und KI-Analysen prüften die Fachleute, welche Begrünung auf diesen Parkplätzen vorgeschrieben war und ob entsprechende Vorgaben tatsächlich umgesetzt wurden.
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Das Ergebnis der Untersuchung fällt ernüchternd aus: Oft fehlen selbst vorgeschriebene Bäume völlig, und in vielen Fällen hatten die Kommunen eine Begrünung erst gar nicht zur Pflicht gemacht. Ob und wie viele Bäume auf Parkflächen gepflanzt werden müssen, regeln die örtlichen Bebauungspläne. Seit einer Baugesetzbuch-Novelle im Jahr 2011 haben Kommunen zwar mehr Möglichkeiten, Begrünung vorzuschreiben, sie sind dazu aber nicht verpflichtet. Viele Städte nutzen ihre Spielräume offenbar nur zögerlich. Fachleute mahnen, die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten konsequenter auszuschöpfen, um die Aufheizung der Städte zu bremsen.
Die Analyse zeigt große Unterschiede zwischen den Städten. Besonders drastisch ist die Situation demnach in Mannheim: Über die Hälfte der bebauten Fläche dort ist versiegelt. "Die rechteckige Struktur der Quadratestadt, wenig Grün im Zentrum und dicht bebaute Flussufer verhindern Kühlung", erklärt Sina Keller vom KIT zur Hitzelage in Mannheim. In Hannover hingegen sind bereits seit den 1990er-Jahren Baumpflanzungen auf Parkplätzen per Satzung verbindlich vorgeschrieben – eine Vorgabe, die in anderen Kommunen oft fehlt oder nicht umgesetzt wird. Hannover hat früh reagiert und solche Begrünungspflichten in nahezu alle neuen Bebauungspläne aufgenommen. Dennoch ist selbst in Hannover inzwischen mehr als die Hälfte der Stadtfläche versiegelt. Das zeigt, dass auch vermeintlich vorbildliche Städte weiter vor Herausforderungen stehen.
Köln gehörte ebenfalls zu den untersuchten Städten. Auch dort offenbarten sich ausgedehnte versiegelte Flächen ohne Schattenspender – teils, weil Bäume von vornherein nicht vorgeschrieben waren. Stadtklima-Experten fordern daher ein Umdenken: Kommunen und Politik müssten stärker gegen überhitzte Betonwüsten vorgehen. Mehr Bäume und Grün auf Parkplätzen und anderen versiegelten Arealen sollten zur Pflicht werden, begleitet von strengerer Kontrolle der Auflagen. Nur so lasse sich die urbane Hitzeinsel entschärfen, um künftige Hitzewellen für die Bevölkerung erträglicher zu machen, so der Tenor der Fachleute. cm/ots/SWR









