Fachkräftemangel in Deutschland

VGL Nordrhein-Westfalen will junge Rumänen für den GaLaBau gewinnen

Hinter diesen Fassaden ist der Migrationsdruck hoch, weil fast jeder vierte junge Erwachsene in Rumänien weder in Beschäftigung, noch in einer Schul- oder Berufsausbildung ist. Foto: Fotolia

Seit Jahren wächst die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge für den Beruf des Landschaftsgärtners. Auch in diesem Jahr hat es wieder eine Steigerung gegeben. Doch wie lange das so bleiben wird, steht in den Sternen. Nach einer Studie der Baseler Prognos AG wird sich die Lage am Arbeitsmarkt in den nächsten zehn bis 20 Jahren erheblich verschärfen. Neben der Integration junger Flüchtlinge setzt der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Nordrhein-Westfalen deshalb auch auf die Gewinnung junger Menschen aus Südosteuropa.

Der VGL überlegt, junge Erwachsene in Rumänien zu akquirieren. Bereits dort sollen sie in den Grundlagen der deutschen Sprache geschult und auf das Leben in Deutschland vorbereitet werden. Gedacht ist an das Sprachniveau B1 als Minimum für die Berufsvorbereitung, möglicherweise auch an B2 als Minimum für eine Ausbildung. Die Prüfungen würden dann vom Goethe Institut abgenommen werden. Besonderen Wert soll auf den Erwerb der Berufssprache und der Fachbegriffe gelegt werden. Gestartet werden sollte im landwirtschaftlich geprägten Süden Rumäniens mit einer Pilotgruppe von zehn bis 20 Personen. Wenn sie die ersten Kurse in Rumänien abgeschlossen haben, könnten sie zu Berufspraktika in ausgewählten GaLaBau-Betrieben nach Nordrhein-Westfalen kommen. Ihr Aufenthalt in Deutschland sollte dann eng begleitet werden, um ihn zu einem Erfolg zu machen.

Der Migrationsdruck ist hoch

Partner in der Vorbereitung des Projekts sind die Deula und die Mediko Hire GmbH aus Winsen (Aller), die bereits umfangreiche Erfahrung bei der Gewinnung rumänischer Fachkräfte gesammelt hat. Das Unternehmen mit einer Niederlassung in Sibiu/Hermannstadt in Siebenbürgen konzentrierte sich bisher auf die Rekrutierung von Pflegekräften für die 24 Pflege- und Gesundheitszentren der Mediko Gruppe in Deutschland. Dabei machte es die Erfahrung, dass rumänische Mitarbeiter nicht nur motiviert, fleißig und freundlich sind, sondern auch gewillt, lange in Deutschland zu bleiben. Der Migrationsdruck zwischen Westkarpaten und Schwarzem Meer ist hoch.

Christoph Lau, Geschäftsführer des VGL Nordrhein-Westfalen ist davon überzeugt, dass an dem Versuch, neue Mitarbeiter aus dem Ausland zu gewinnen, kein Weg vorbeiführt. Foto: VGL Nordrhein-Westfalen

Nach einer kurzen Phase des Aufschwungs versinkt die Wirtschaft Rumäniens im Chaos. Die Regierung verabschiedet fast jeden Monat neue Steuergesetze und Regularien per Notverordnung. Manche werden wieder umgestoßen, noch bevor sie in Kraft getreten sind. Ab Januar soll der Mindestlohn um 30 Prozent erhöht werden. Kleinere Unternehmen müssen Steuern auf ihren Umsatz bezahlen, selbst wenn sie Verluste schreiben. Arbeitnehmer stöhnen, dass sie ihre Sozialversicherungsbeiträge künftig alleine bezahlen sollen. Gemeinden auf dem Land stehen vor der Insolvenz, nachdem die Regierung beschloss, einer Million Staatsbediensteten 25 Prozent mehr Gehalt zu bezahlen. Die Korruption ist in Rumänien allgegenwärtig. Sie wird nicht bekämpft, sondern von der Regierung gefördert.

Hohe Arbeitslosigkeit unter Jüngeren

2016 waren laut Eurostat 23,6 Prozent der 20- bis 24-jährigen Rumänen weder in Beschäftigung, noch in einer Schul- oder Berufsausbildung. Bei den 25- bis 29-Jährigen lag die Quote bei 24,7 Prozent. Das ist fast jeder Vierte in diesen Altersgruppen. Besonders schlimm ist es dabei um junge Frauen bestellt: Unter den 20- bis 24-jährigen Rumäninnen sind 30 Prozent ohne Beschäftigung, Schul- oder Berufsausbildung, unter den 25- bis 29-Jährigen sind es sogar 33,1 Prozent.

Europaweit liegt Rumänien bei der Arbeitslosigkeit junger Erwachsener damit auf Platz vier nach Mazedonien, Italien und Griechenland. Zwar ist der Bildungsstand der jüngeren Arbeitslosen in Rumänien eher niedrig - fast die Hälfte der 20- bis 24-Jährigen und rund 42 Prozent der 25- bis 29-Jährigen erreichen gerade das Hauptschulniveau oder haben vorher abgebrochen - doch könnte das mit einer geeigneten beruflichen Bildung ausgeglichen werden. Die Lernbereitschaft, Ausdauer und Anpassungsbereitschaft rumänischen Arbeitskräfte sind sehr stark, hat Mediko Hire festgestellt. In berufsbegleitenden Deutschkursen erzielten sie die höchsten Erfolgsquoten. Wie überall in Mittel- und Südosteuropa ist handwerkliches Vorwissen weit verbreitet.

Manuelle Arbeit unverändert wichtig

Christoph Lau, Geschäftsführer des VGL Nordrhein-Westfalen ist davon überzeugt, dass an dem Versuch, neue Mitarbeiter aus dem Ausland zu gewinnen, kein Weg vorbeiführt: Der Garten- und Landschaftsbau werde auch in Zukunft nicht ohne manuelle Arbeit auskommen, die qualifiziert und hochwertig ist. Zwar finde auch im GaLaBau die Digitalisierung statt, doch die Aufträge müssten von Menschen abgearbeitet werden. "Der Faktor Mensch ist und bleibt unverändert wichtig", sagt Lau.

cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2017 .

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