Der Kommentar

Von Davos lernen

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Was haben Sie vom Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos für die Bewältigung Ihrer Zukunftsfragen als Verantwortlicher im Unternehmen erfahren? Der Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat sieben Botschaften aus der Tagung abgeleitet: "2020 wird ein gutes Jahr", "Anstrengender Gipfel", "Wo bleibt Europa", "Superstar Merkel", "Klimaschutz dominiert", "Digitalisierung ist Alltag" und "Gewinnstreben am Ende".

Kaum vorstellbar, dass Wall-Street-Banker auf Gewinne verzichten und mehr für den Umweltschutz tun wollen. Trotzdem schien dies ein verbreiteter Tenor in Davos zu sein. So hat der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock prominent angekündigt, das eigene Portfolio mehr auf Nachhaltigkeit auszurichten. Dabei hat BlackRock, wie alle anderen nordamerikanischen Fondsgesellschaften, bisher einen großen Bogen um Umwelttechnologiewerte gemacht. Ob das nur leere Worte sind, wird sich zeigen. Auch die deutschen CEOs halten zu 78 Prozent die Klimafrage für wichtig, viele europäische Fondsgesellschaften sehen hier einen Wachstumsmarkt und halten bereits große Anteile.

Überraschend klingt vielleicht für den einen oder anderen Landschaftsgärtner, dass die Digitalisierungs-Sau schon durch das Dorf durch ist. Da das Weltwirtschaftsforum in der Vergangenheit Digitalisierungstrends wie das Internet, Facebook und Google, sehr früh erkannt hat, wird da viel Wahres dran sein. Gut ist auf jeden Fall, dass das Gefühl, abgehängt zu sein, sich nicht weiter verbreitet. Die vielen Facetten der Digitalisierung sind wie der PC eine gute Entwicklung, aber am Ende in den meisten Branchen und auch im Landschaftsbau nicht entscheidend für Erfolg oder Misserfolg.

Was aber ein Trend zu werden scheint, der den mittelständischen Bau erreichen wird, ist die Definition eines "Purpose", eines höheren Ziels und Zwecks des Unternehmens. In Zukunft werden sich also Unternehmen am Umgang mit Werten beim Wettbewerb um kluge Köpfe und fleißige Hände aber auch beim Kunden messen lassen müssen. Der Fall eines eher kleinen Auftrages von Siemens für Lichtanlagen, die den Zugverkehr zwischen einem Hafen und einer Kohlenmine steuern sollen, hat gerade dem Vorstand großes Kopfzerbrechen bereitet. Dass solche Probleme auch beim Mittelstand und auch im Landschaftsbau ankommen werden, lässt sich schon in Nordamerika sehen.

Die meisten Landschaftsgärtner präsentieren sich bei Kunden und Arbeitnehmern mit einer Beschreibung, wofür das Unternehmen steht: Gegenüber den Kunden, den Mitarbeitern, der Umwelt, der Gesellschaft. Stakeholder-Kapitalismus steht dafür, dass wir Geld damit verdienen, dass alle Akteure mitgenommen werden. Geld verdienen und Gewinne machen, bleibt natürlich das Ziel eines jeden Unternehmens, die Sorge die in Davos formuliert wurde, ist, dass ohne eine Verpflichtung auf gesellschaftlich anerkannte Werte, die Gewinne zurück gehen könnten. Gut, dass nach dem, was in Davos diskutiert wurde, 2020 wieder ein gutes Jahr wird.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2020 .

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