Nachhaltiges Design trifft kreative Architektur
Von Kalifornien bis Florida: Ein Jahr Golfplatzdesign in den USA
von: Marius SchulzeDer Aufenthalt begann im August 2022 mit dem Neubau des Golfplatzes Ladera in der Nähe von Palm Springs, Kalifornien. Dieses Projekt war bereits im März 2022 gestartet und umfasste Erdarbeiten, im Umfang von etwa 100.000 m³, um großzügige, möglichst naturnah wirkende Designelemente wie tiefe Barancas (schluchtähnliche Täler) und Gebirgsausläufer zu gestalten. Nach Abschluss der groben Erdarbeiten wurden das "Shaping" ausgeführt: die Königsdisziplin des Golfplatzarchitekten. Das Shaping ist der entscheidende Arbeitsschritt bei der Gestaltung eines Golfplatzes. Mit Raupen und Baggern modellieren die "Shaper" die Spielelemente. Dabei ist Ihre Kreativität besonderes gefragt. Die Herausforderung ist es, die Golfspielelemente in topographische Merkmale und die vorhandene Landschaft einzubetten, um somit ein interessantes und herausforderndes Layout zu schaffen.
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Auf das Shaping kommt es an
Die Firma Hanse Golf Design des Golfplatz Architekten Gil Hanse verfolgt den Ansatz des "Infield Designs". Dabei wird den Shapern eine gewisse Freiheit und Kreativität eingeräumt. Zunächst wird das Layout des Golfplatzes mit grundlegenden Designelementen und des Routings im Voraus geplant. Die eigentlichen Design- und Gestaltungsentscheidungen werden im Detail jedoch vor Ort "im Feld" getroffen. Die beiden Architekten des Büros Hanse und Wagner, saßen dabei persönlich auf den Raupen und shapeten die Grüns jeder einzelnen Spielbahn. Dieser Ansatz ermöglichte eine bessere Integration der Spielelemente in die vorhandenen, natürlichen Bewegungen der Landschaft, die sich über mehrere Bahnen erstrecken, und in die Grüns sowie anderen Spielelemente einfließen. Damit war es möglich, dass sich das "Modelling" über drei vier Bahnen hinwegzog und sich über mehrere Grüns erstreckte.
Besondere Einbindung in die Landschaft
Auf diesem Projekt konnte dieser Modelling-Ansatz besonders intensiv umgesetzt werden, indem die umliegenden Bergausläufer über den Golfplatz über Grüns und Fairways "hinwegflossen". Eine weitere ungewöhnliche Besonderheit ist das Mähhöhenkonzept der Architekten: Bis auf die Grüns wurde der gesamte Rasen auf eine Höhe gemäht. Grünumfelder gingen so nahtlos in die Abschlagsbereiche der folgenden Spielbahn über, und diese wiederum in das Fairway und das nächste Grünumfeld. Statt formaler Abschläge gab es flachere Bereiche, in denen die Abschlagsmarkierungen platziert wurden. Dies verbesserte nicht nur die natürliche Integration der Abschläge in die Landschaft, sondern ermöglichte auch eine effizientere Nutzung der gepflegten Spielflächen, insbesondere bei hoher Spielerbelastung.
Hightech im Verborgenen
Trotz des naturnahen Designs werden auf den Golfplätzen von Hanse nur die modernsten technischen Einrichtungen in die Grüns integriert. In Kalifornien lag ein Schwerpunkt auf ressourcenschonender Pflege, was durch die Integration des Subair-Systems in die Grüns ermöglicht wurde. Das System ist an die vorhandenen Grüns-Drainagen angeschlossen und verfügt über eine größere Luftpumpe beziehungsweise Luftbläser. Ist das System geschlossen, saugt das System über die Drainage die Feuchtigkeit aus der Tragschicht auf den Grüns. Wird das System "geöffnet" pumpt das System Luft in das Drainagesystem die xdarüber in die Tragschicht aufsteigt. Dies erlaubt dem Superintendenten eine komplexe Steuerung des Wasser- und Sauerstoffgehalts im Grün. Es ermöglicht ebenfalls die Temperaturregulierung. Das bedeutet, dass die Grüns bei extremen Wetterbedingungen erwärmt oder gekühlt werden können.
In den Bunkern kam das Billy-Bunker-Konzept zur besseren Drainagewirkung zum Einsatz. Die Bunkerkanten wurden mit einer 2,5 cm dicken Splittschicht bedeckt, die mit der Billy-Bunker-Flüssigkeit behandelt wurde. Diese Flüssigkeit bindet den Splitt ab, bewahrt aber dessen Drainagefähigkeiten und leitet das abfließende Wasser in den Bunkersohlen in Drainagerohren ab.Moderne Bewässerungstechnik spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Dabei wurden auf der gesamten Anlage nur Regner mit Einzelsteuerung installiert. Mit dieser Steuerung ist es möglich, die Bewässerungsanlage so präzise und effizient wie möglich einzustellen.
High-End-Qualität in Florida
Nach Abschluss des Projekts in Kalifornien ging es für mich an die Ostküste der USA nach Hope Sound, Florida. Dort begannen im Frühherbst die Arbeiten am West Course des Apogee Club in Martin County. Der Apogee Club wird am Ende über drei 18-Loch-Plätze, zwei Kurzplätze, zwei Driving Ranges, zwei Clubhäuser und etwa 70 kleine Häuser zur Unterbringung von Mitgliedern und deren Gästen verfügen. Die beiden Projekte konnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Während in Kalifornien der Fokus auf ressourcenschonendem Bauen und Pflegen lag, um vor allem so wenig Wasser wie möglich zu verwenden, lag in Florida der Schwerpunkt auf der optimalen Drainage des Platzes für eine erstklassige Platzqualität während des regnerischen Sommers. Die Landschaft in Florida ist besonders flach und zeichnet sich nicht durch starke Höhenunterschiede aus. Der Golfplatz wurde auf einer Höhe von 6,5 m über dem Meeresspiegel errichtet. Die erste Bauphase umfasste den Bau von Speicherteichen, um ausreichend Platz für Niederschlagswasser zu schaffen. Auch musste genügend Füllmaterial gewonnen werden, um die Spielflächen auf die erforderliche Mindesthöhe zu erhöhen. Damit sollte sichergestellt werden, dass bei erhöhten Niederschlägen im Sommer die Golfanlage spielbar bleibt und bei Hurrikans nicht überschwemmt wird.
Fine-Tuning der Anlage
Während des Aushubs der Teiche wurde ausreichend Sand gewonnen, um den Golfplatz nach dem Shaping fast vollständig mit einer 30 cm dicken Sandschicht zu bedecken. Lediglich für die Grüns wurde ein spezielles Rasentragschichtgemisch angeliefert.
Der Baufortschritt umfasste zunächst die Fertigstellung der Erdarbeiten für jede Spielbahn, wobei der Bauherr die Erdarbeiten aufgrund des hohen Bauvolumens und der Dauer selbst ausgeführt hatte. Anschließend übernahm die Firma Caveman Construction wie auch schon in Kalifornien als Shaper die Arbeit. Die beiden Architekten Hanse und Wagner konzentrierten sich auf die Grüns und die Grünumfelder, während wir anderen Teammitglieder die Bunker, Fairways und Abschläge modellierten. Danach übernahm erneut ein Team der Bauherren die Arbeiten an der Drainage und Vegetation. Nach dem die Spielflächen mit dem Sand bedeckt wurden, übernahm Caveman Construction wiederum die Arbeit, um mit Bunkerharken das letzte Fine-Tuning an den Spielelementen durchzuführen. Dabei ging es hauptsächlich um das Herausarbeiten von den Bewegungen auf den Spielelementen, um diese noch einmal zu verdeutlichen.
Das Design der Bunker und der anschließende Bau unterschieden sich vom Üblichen. Die Kanten, die nicht als Verbindung zum Fairway oder Grün dienten, wurden nicht im herkömmlichen Revetted-Stil, mit übereinanderliegenden Rasensoden an den Bunkerkanten gestaltet. Stattdessen wurden sogenannte "Chunks" verwendet. Als Chunks werden Dicksoden bezeichnet, die von etablierten wildwachsenden Grasflächen auf dem umliegenden Gelände geschnitten werden. Diese werden verwendet um den Bunkerkanten einen authentischen Look zu verpassen. Dieser soll die Bunker so aussehen lassen, als wären sie schon immer an diesem Ort gewesen.
Ansaat "Warm Season Grasses"
In beiden Projekten wurden die Spielflächen mit Bermudagras eingesät, und zwar nicht in Form von Saatgut, wie in Mitteleuropa üblich, sondern mithilfe des sogenannten Sprigging-Verfahrens. Hierbei wurden Soden von einem Fertigrasenproduzenten geschnitten und auf den Golfplatz geliefert. Dort wurden sie in kleine Teile zerschnitten, auf der Fläche verteilt und eingewalzt. Anschließend wurde die "Neueinsaat" in den ersten Wochen intensiv bewässert, um dem Bermudagras optimale Wachstumsbedingungen zu bieten, wobei besonders in den ersten Tagen das Wasser oftmals sogar auf den neuen Flächen stand. Abhängig von den Wetterbedingungen konnten die Flächen bereits nach drei bis vier Monaten bespielt werden.

Masters in Augusta und mehr
Es ergab sich auch die Gelegenheit mehrere der renommiertesten Golfturniere zu besuchen, darunter das Masters in Augusta und Los Angeles Country Club zur US Open 2023. Beeindruckend war, wie viel Aufwand und jahrelange Vorbereitung hinter der Vorbereitung eines Turniers dieser Größe stecken. Jeden Morgen und Abend wurden die Plätze von rund 150 Greenkeepern vor- und nachbereitet. Es war eindrucksvoll zu sehen, wie ein ganzer Golfplatz innerhalb von nur 30 Minuten nach den Morgenarbeiten bereit zum Spielen war, jeder Grashalm gemäht und jeder Bunker von Hand geharkt.
Nach diesem erlebnisreichen Jahr blieb mir vor allem eine Eigenschaft der Golfbranche in den USA im Gedächtnis: Die große Leidenschaft für den Sport. Hier wird Golf nicht nur gespielt, sondern regelrecht gelebt. Diese Leidenschaft spiegelt sich in der Qualität vieler Golfanlagen wider, die in den USA designt, gebaut und jeden Tag gepflegt werden.
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