Jahresgespräch mit dem BGL-Präsidenten

Von Wurmb: Auf die Digitalisierung und den Fachkräftemangel frühzeitig reagieren

BGL-Präsident Lutze von Wurmb plädiert dafür, die Möglichkeiten der Digitalisierung im betrieblichen Ablauf zu erkennen, zu nutzen und konsequent anzugehen. Foto: NürnbergMesse, Frank Boxler

Die Digitalisierung der GaLaBau-Betriebe und der Fachkräftemangel werden dieses Jahr im Mittelpunkt der Arbeit des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) stehen. "Die Digitalisierung verändert nicht nur Gesellschaft, sondern auch die Wirtschaft", sagte BGL-Präsident Lutze von Wurmb im Jahresgespräch mit der Neuen Landschaft. Es sei wichtig, dass sich die Geschäftsleitungen diesem Wandel stellen und frühzeitig auf diese Veränderungen reagieren.

Wichtig ist es, die Möglichkeiten, die die Digitalisierung im betrieblichen Ablauf bietet, zu erkennen, zu nutzen und konsequent anzugehen", sagte der BGL-Präsident. Allerdings sei es nur sinnvoll, Prozesse zu digitalisieren, die bereits im analogen Zustand klar strukturiert und definiert sind. Deshalb sollten zunächst Dokumente und Prozesse von einer analogen Form in eine digitale Form überführt werden. "Je nach Bereich, Firmengröße und Ausrichtung des Unternehmens sind damit mittelfristig erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen möglich", so von Wurmb, "auch wenn die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung dieser Bereiche nicht zu unterschätzen sind."

Mit klar strukturierten Prozessen beginnen

Der BGL-Präsident rechnet damit, dass diese Investitionen zunächst nur kurz- und mittelfristig zu Marktvorteilen führen, "weil diese Entwicklung, wenn sie einmal begonnen hat, schnell neue Standards setzt und weitere Investitionen erforderlich werden". Die technische Entwicklung werde damit automatisch zum Treiber, immer auf dem aktuellen Entwicklungsstand zu bleiben. "Wir kennen das von der immer schneller veralternden Hardware", so von Wurmb. Dennoch erziele man auf diese Weise immer wieder die entsprechenden Innovationsvorteile.

Der BGL-Präsident empfiehlt, zunächst Prozesse zu digitalisieren, die bereits im analogen Zustand klar strukturiert sind. Foto: Dataflor AG

Dieser Schritt sei "eigentlich ein Muss für jedes Unternehmen". Erst in einer zweiten Umsetzungsphase schlummerten dann die großen Potenziale. Die neuen Technologien würden dann dazu führen, dass die Arbeitsorganisation und Ausführung auf eine ganz neue und andere Art erfolgt. Von Wurmb: "Die dadurch möglichen Einsparungen und Marktvorteile werden den frühzeitig agierenden Unternehmen auch finanzielle Vorteile bringen."

BGL will der Digitalisierung Impulse geben

Der BGL sehe sich als Impulsgeber und Begleiter von digitalen Veränderungsprozessen, erläuterte der BGL-Präsident: "Entsprechend haben wir bereits erste Maßnahmen auf den Weg gebracht, weitere werden folgen." Gegenwärtig arbeite der Verband an einem Orientierungskompass für die Mitgliedsbetriebe. Außerdem erscheinen sukzessive zahlreiche Merkblätter, die den Unternehmen entsprechend ihrer Größe erste Empfehlungen für eine sinnvolle Umsetzung einzelner Digitalisierungskomponenten geben. "Diese Papiere dienen zusammen mit einer kleinen Checkliste zur Einschätzung der eigenen Digitalisierungskompetenz bei der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie", erklärte von Wurmb.

Zudem habe der BGL einen Wissenschaftspreis 4.0 ausgelobt, der die drei besten Studienabschlussarbeiten im Rahmen des Projekts "Digitalisierung im Landschaftsbau - GaLaBau 4.0" jeweils mit einem Preisgeld in Höhe von 1500 Euro auszeichnen werde. Bearbeitet werden sollen vorgegebene Themen, die einer Umsetzung der Digitalisierung in die betriebliche Praxis des Garten- und Landschaftsbaus dienen. Im Ergebnis müssten die Arbeiten eine praxisorientierte Handlungsempfehlung zur Umsetzung im Unternehmen enthalten oder mit praktischen Erkenntnissen einhergehen. Zugleich widme sich der BGL dem Thema Building Information Modeling (BIM).

Die Nachwuchswerbekampagne der Landschaftsgärtner ist bei jungen Menschen auf großes Interesse gestoßen. Die Protagonisten wirkten erstmals älter und rauer. Foto: AuGaLa

Im Fachkräftemangel Arbeitgebermarke entwickeln

Bei der Forschungsgesellschafts Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) sei ein Arbeitskries BIM initiiert worden. "Hier sind wir als BGL mit den Grünen Verbänden, Hochschulen und Vertretern der Softwarebranche aktiv", sagte der BGL-Präsident. Außerdem arbeite der Berufsverband in der Fachgruppe BIM beim buildungSmart e.V. mit, um die erforderliche Schnittstellen für die grüne Branche zu beeinflussen. Auch dort sei der Bundesvernd Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau mit den grünen Verbänden, Hochschulen und Vertretern der Softwarebranche aktiv.

Beim Fachkräftemangel verhalte es sich ähnlich, so von Wurmb: "Auch hier gilt, wer sich frühzeitig auf die neuen Gegebenheiten einstellt, wird erfolgreich sein." Voraussetzung sei, dass man sich als Unternehmer überlege, was einen attraktiven Betrieb ausmache, welche Anforderungen ein Auszubildender oder Mitarbeiter gegenüber dem Betrieb habe und welche Möglichkeiten der Förderung es für ihn gebe. Von Wurmb: "Wer hier die richtigen Schlüsse zieht und ein Konzept zur Personalführung entwickelt, ist schon auf dem besten Weg eine Arbeitgebermarke aufzubauen."

Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist ein Einstieg

Bisher sei es gelungen, die Anzahl der Auszubildenden des gewerblichen GaLaBaus und die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen auf einem stabilen und hohen Niveau zu halten. Dazu gehöre auch "die neue Nachwuchswerbekampagne, die bei jungen Menschen auf großes Interesse stößt". Eine Rolle spiele auch die Vergütung, die bereits im ersten Ausbildungsjahr mit 825,00 Euro pro Monat deutlich über einer von der Bundesregierung angedachten Mindestausbildungsvergütung liege, und die Initiative "GaLa-Q". Damit habe das Berufsbild attraktiver werden können.

Neben den konkreten Maßnahmen im Inland, spielten auch potenzielle Arbeitskräfte aus der Europäischen Union, aus Drittländern und Geflüchtete eine wichtige Rolle. Damit aus diesen Gruppen Fachkräfte für den Garten- und Landschaftsbau gewonnen werden können, müssten deutsche Behörden flexibel und unbürokratisch helfen. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz "bildet einen guten Einstieg, ist jedoch mit vielen Herausforderungen in der eigentlichen Umsetzung bestückt", sagte der BGL-Präsident. "Mit konkreten Resultaten, also der Einsetzung ausländischen Potenzials, kann wahrscheinlich erst mittel- bis langfristig gerechnet werden."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 01/2019 .

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