Umfrage des IdW

Was tun Unternehmen gegen den Mangel an Auszubildenden?

Die Besetzung von Ausbildungsstellen wird zunehmend schwieriger. Unternehmen ergreifen vielfältige Maßnahmen, um die Qualität der Ausbildung zu sichern. Eine Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt: Das reicht von Förderunterricht für leistungsschwächere Jugendliche bis hin zur Darstellung von Zukunftsperspektiven.
Ausbildung Ausbildung und Beruf
Neben qualifizierteren Bewerbern wünschen sich viele Unternehmen auch mehr Ressourcen und Wertschätzung für die Ausbildung im Betrieb. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, Grafiken: © 2025 IW Medien/iwd

Die duale Berufsausbildung, einst Deutschlands Vorzeigemodell für die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte, hat ein Problem: Zum einen gibt es wegen des demografischen Wandels immer weniger Schulabsolventen, zum anderen streben immer mehr junge Menschen nach der Schulbank an die Hochschulen. Studierten im Jahr 2000 erst 33 Prozent eines Absolventenjahrgangs, waren es 2023 annähernd 57 Prozent. Und viele der Jugendlichen, die kein Abitur in der Tasche haben, möchten laut Bertelsmann Stiftung nach der Schule lieber ungelernt arbeiten gehen, als eine Ausbildung zu absolvieren.

Rund 35 Prozent aller Lehrstellen unbesetzt

Kein Wunder also, dass sich die Unternehmen mit der Rekrutierung von Auszubildenden schwertun. Mehr als die Hälfte aller ausbildungsaktiven Betriebe in Deutschland gibt laut IW-Personalpanel an, Probleme mit der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze zu haben. Im vergangenen Jahr konnten deshalb rund 35 Prozent aller Lehrstellen, gut 260.000 Plätze, nicht besetzt werden. Acht von zehn Unternehmen geben dafür einen Mangel an Bewerbungen an, knapp drei von zehn sagen, dass Bewerber nicht passend qualifiziert waren.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass den Betrieben zufolge das Gelingen einer hochwertigen Ausbildung an erster Stelle von den entsprechenden Qualifikationen der jungen Menschen abhängt: Knapp 90 Prozent der Unternehmen halten besser qualifizierte Bewerber für eine exzellente Berufsausbildung für relevant. Dabei heißt besser qualifiziert nicht, dass die Betriebe generell einen höheren Schulabschluss von ihren Bewerbern fordern. Denn insbesondere Ausbildungsplätze, die von den Unternehmen explizit für Hauptschüler ausgeschrieben werden, bleiben häufig unbesetzt.

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Gesucht: Mehr Innovation und Qualifikation

Während die schulische Ausbildung sowie eine bessere Berufsorientierung, die sich ebenfalls fast 86 Prozent der Betriebe wünschen, nicht oder nur teilweise von den Unternehmen beeinflusst werden können, sind knapp zwei Drittel von ihnen der Auffassung, dass mehr Ressourcen und Wertschätzung in der eigenen Firma einen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Ausbildung leisten. Auch eine innovativere Ausbildung im Betrieb sowie eine bessere Qualifikation der betrieblichen Ausbilder hält etwa die Hälfte der Personalverantwortlichen für nötig. Für die Jugendlichen selbst gehört geeignetes Ausbildungspersonal zu den wichtigsten Qualitätsaspekten der Berufsausbildung.

Und was tun die betrieblichen Ausbilder, um die Qualität in der Berufsausbildung zu halten oder gar zu steigern? Von zwölf abgefragten Aktivitäten treffen durchschnittlich sieben auf den Alltag der Ausbilder in den Unternehmen zu. In den meisten Firmen wird Selbstmarketing betrieben: Mehr als acht von zehn Unternehmen geben an, dass ihre Ausbilder den Auszubildenden spätere Entwicklungs- und Karriereperspektiven aufzeigen.

Förderunterricht für weniger fitte Azubis

Dieser Aspekt ist sowohl für die Unternehmen als auch für die Azubis selbst relevant. Denn für junge Leute spielt ein sicherer Arbeitsplatz bei der Berufswahl eine wichtige Rolle. Und die Firmen untermauern damit das zentrale Ausbildungsmotiv: den eigenen Fachkräftenachwuchs zu qualifizieren. Tatsächlich ist die Übernahmequote von Azubis in den vergangenen Jahren gestiegen – aktuell liegt sie bei 76 Prozent.

Im Ausbildungsprozess selbst liegt vielen Betrieben (71 %) die Förderung leistungsschwächerer Jugendlicher am Herzen, etwa durch zusätzlichen Förderunterricht. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Firmen aufgrund von zunehmenden Besetzungsschwierigkeiten vermehrt leistungsschwächere Jugendliche einstellen.

Rund die Hälfte der befragten Unternehmen (55 %), die den weniger fitten Azubis unter die Arme greifen, gibt hierfür externen Unterstützungsbedarf an. Idealerweise sollte die gezielte Förderung dieser Jugendlichen schon vor Ausbildungsbeginn ansetzen und bei Bedarf bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss anhalten. iwd

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