Wege und Plätze gezielt begrünen

Blumenschotterrasen und attraktive Fugen

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Als Alternative zu den monotonen und ökologisch unattraktiven, geschlossenen Pflasterflächen bietet sich, als Gegenmodell zur cleanen Fuge, für uns Gärtner/-innen der Blumenschotterrasen und die begrünte Fuge nach Naturgartenprinzip an. Wir kämpfen nicht gegen die Natur, sondern planen sie mit ein.
Rieger-Hofmann Pflanzenverwendung
Wir kämpfen nicht gegen die Natur, sondern planen sie mit ein. Foto: David Seifert – Die Naturgartenexperten

Blumenschotterrasen und Pflasterflächen mit erhöhtem Fugenanteil samt Begrünung bieten sich als Gestaltungselement in vielen Bereichen an: Wege, Sitz-, Park- und Stellplätze sowie Feuerwehrzufahrten können so gleichzeitig als Funktions- und Lebensraum gestaltet werden – einer der wichtigen Aspekte im Naturgartenbau. Auch Lauf- und Spielbereiche sowie Straßenbankette sind denkbar. Eine hohe Aufenthaltsqualität entsteht durch lebendige Vegetation und verbessertes Kleinklima. Der Hitzesommer wird ein Stück erträglicher und es sieht auch noch gut aus. Bei viel befahrenen Auffahrten und im Straßenbau mit entsprechender Belastung (starke Schub- und Scherkräfte) sind hier allerdings klare Grenzen gesetzt – zeitweise beanspruchte Flächen, die nur "überrollt" werden, sind das richtige Einsatzgebiet. Auch können, je nach Nutzung, nur Teilbereiche wie die Ränder von Wege- und Platzflächen eingesät werden.

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Blumenschotterrasen: Reichblühend und trotzdem tragfähig. Foto: David Seifert – Die Naturgartenexperten

Bauweise

Der Blumenschotterrasen kann als Sonderform der uns bekannten wassergebundenen Wegedecke bezeichnet werden, sollte aber keinesfalls mit dem Schotter-Rasen (wesentlich höherer Erdanteil im Aufbau) verwechselt werden.

Tragschicht und Deckschickt werden, wie bei der wassergebundenen Wegedecke, in Abhängigkeit von den regional zur Verfügung stehenden Materialien und den zu erwartenden Belastungen bzgl. Dicke und Material ausgeführt. Es gelten hier die gleichen Einbauregeln. Entscheidender Unterschied des Blumenschotterrasen-Prinzips nach Dr. Reinhard Witt: Bei der Deckschicht wird vor dem Verdichten eine 1 bis 3 cm hohe Kompostschicht oberflächlich mit dem Krail oder auch Rechen 2 bis 5 cm tief eingearbeitet, mit entsprechendem Saatgut eingesät und anschließend feucht verdichtet. Die Ansaat kann auch nach dem Verdichten vorgenommen werden, dann sollte das Saatgut allerdings angewalzt werden.

Bei Sitzplätzen macht es zudem Sinn, vor der Ansaat Brechsand 0/2 aufzutragen und ebenfalls anzuwässern. Der Auftrag erfolgt dabei sehr dünn (wenige Millimeter) und der Arbeitsvorgang wird mehrmals wiederholt (zwei- bis dreimal), bis ein ansprechendes Bild entsteht. So werden Unebenheiten ausgeglichen und weder Tische noch Stühle wackeln auf der Gartenparty.

Bei der Fugenbegrünung von Pflasterflächen ist die Verwendung des richtigen Substrats für die erfolgreiche Ansaat entscheidend. Ein Sand-Kompostgemisch oder Split-Kompostgemisch mit Verhältnis 9:1 liefert eine solide Grundlage. Je breiter und tiefer die Fugen und der damit zur Verfügung gestellte Wurzelraum, um so artenreichere Ansaaten sind möglich.

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Die Alternative zur Rasenmischung: Fugenmischung von Rieger-Hofmann im vierten Jahr mit viel Thymian. Foto: Kerstin Gruber – Foto: Kerstin Gruber – Kerstin Gruber Freiraumplanung

Vegetation und Pflege

Die Begrünung erfolgt durch heimische Kräuter und Gräser für sonnige bis halbschattige Bereiche. Typische Vertreter sind Arten, die an nährstoffarme und trockene Standorte auch in ihrem natürlichen Lebensraum gewöhnt sind. Gerade diese Lebensräume werden in der Natur immer seltener – genau das macht unser Modell auch für die Fauna attraktiv und ökologisch umso wertvoller.

Ein paar typische Vertreter für den Blumenschotterrasen: Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare), Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Staudenlein (Linum perenne), Wilder Majoran (Origanum vulgare) und die Gräser Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina) und Rot-Schwingel (Festuca rubra). Weitere Arten sind möglich und in verschiedenen Mischungen auch vertreten.

Für die Fugenbegrünung bei Belägen eignen sich zudem auch bei weniger Substrat: Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), Echter Quendel (Thymus pulegioides), Sand-Thymian (Thymus serpyllum), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) und Weißer Mauerpfeffer (Sedum album). Diese Arten sollten auch in den Blumenschotterrasenmischungen nicht fehlen.

Als Naturgärtner legen wir hier großen Wert auf Herkunft und Qualität des Saatguts. Am besten man verwendet entsprechende Mischungen von renommierten Saatgutherstellern. Speziell mit Rieger-Hofmann, Hof Berg-Garten oder Syringa-Samen haben wir persönlich gute Erfahrungen gemacht. Gern verwenden wir Mischungen mit höherem Kräuteranteil (30 bis 50 %), dann ist auf den Flächen auch mehr los.

Vorzugsweise kann April bis Oktober gesät werden, wobei die kühlere Jahreszeit zu bevorzugen ist. Geduld ist gefragt: Allmählich entwickelt sich ein spärlicher Bewuchs – blütenreich und attraktiv. Ein Teil der Pflege des Blumenschotterrasens übernimmt der Nutzer selbst: Stark beanspruchte Bereiche bleiben sehr niedrig und licht, teils entstehen vegetationsfreie Zonen. In den Randbereichen hingegen wachsen höhere und ausdrucksstarke Arten. Je nach Belastung etablieren sich die entsprechenden Arten. Im Herbst sollte man die abgestorbenen Pflanzenteile und angewehtes Laub abrechen. Die höheren Bereiche sind gerne ein- bis zweimal im Jahr je nach Artenzusammensetzung zu mähen, die Mahd wird dabei aufgenommen, um den Standort mager zu halten.

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Randbereich mit deutlich höherem Aufwuchs – hier blüht und summt es. Foto: Stefanie Biel
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Typische Elemente des Naturgartens: Trockenmauer samt Bepflanzung, Polygonalplatten mit breiter Fuge und ein Holzdeck. Foto: Andrea Margot Schweiger

Vor- und Nachteile/Resümee

Der Blumenschotterrasen hat aus unserer Sicht viele Vorteile: Ökologisch sehr wertvoll, optisch attraktiv, kostengünstig in der Herstellung, keine Versiegelung, heizt sich weniger auf, pflegt sich zum Teil von selbst und vor allem: Wir können unser gärtnerisches Wissen einbringen und Flächen erblühen lassen. Bei der klassischen Fugenbegrünung liefern wir mit den heimischen Kräutern eine gute Alternative zu nicht funktionierenden Rasenmischungen, die zudem für unsere Insektenwelt nichts zu bieten haben. Diese Flächen leben.

Die Nachteile: Bei der Belastung sind klare Grenzen gesetzt, Nacharbeit über die Jahre kann notwendig werden und der Kundentyp muss passen – nicht ein jeder ist für dieses Gartenbild der Richtige, ein Aufzwingen unserer Lösung führt nicht zum Erfolg. Das gilt generell für naturnahes Gärtnern und bei vielen Elementen des Naturgartenbaus. Zudem braucht es, wie bei vielen naturnahen Ansaaten, vor allem auch eines: Geduld – es dauert einfach ein wenig länger bis die Flächen das gewünschte (Blüten-)Bild ergeben.

Zum Abschluss noch ein kleiner Exkurs zum Thema Naturgarten nach dem klassischen Naturgartenelement des Blumenschotterrasens.

Unsere Naturgärten

Oft fragen Interessenten und Kunden: "Was zeichnet denn einen Naturgarten aus?" Generell ist ja ein von Menschen gemachter Garten ein gestalteter Raum und keine Natur – ergo entscheiden wir Gartenbauer/-innen und Planer/ -innen, wie nahe wir der Natur sein wollen, oder auch nicht.

Beginnen wir mit der Begrifflichkeit: Wir sind hier sehr nah an der Definition des NaturGarten-Vereins. Wir schaffen mit unseren Funktionsräumen gleichzeitig Lebensräume mit Hilfe der Verwendung von vorwiegend heimischer Vegetation in Kombination mit ressourcenschonenden und regionalen Materialien. Dazu planen wir ohne viel Equipment und Ausstattung wie Gartenbeleuchtung, Beregnung und anderer technischer Ausstattung. Wir akzeptieren Dynamik und Veränderung in unseren Freiräumen, ohne die Ästhetik außer Acht zu lassen. Wichtig ist uns dabei, dass das Ganze auch reduziert möglich ist.

Doch für den Gartennutzer, ob klein, ob groß, mindestens genauso interessant sind die emotionalen und erlebbaren Aspekte:

  • die Nutzer können hier mit allen Sinnen das Leben spüren und beobachten;
  • den Nutzern ist bewusst, dass der Naturgarten unterschiedlichsten Lebewesen Lebensraum bietet;
  • der Naturgarten begleitet die Nutzer über das Jahr gesehen mit unterschiedlichsten Erscheinungsbildern – und kein Jahr ist wie das andere;
  • der Naturgarten bringt vor allen auch den jüngeren Nutzern die Faszination der Natur näher.

Und neben all diesen Punkten haben die Nutzer eines Naturgartens das Gefühl, der Welt etwas Gutes zu tun. Und so ist es auch. Wir finden, das sind die besten Argumente, um Menschen in Zeiten des größten Artensterbens seit den Dinosauriern von naturnahen Gärten zu überzeugen und der Natur auch im Garten nahe zu kommen, ohne den Zeigefinger zu heben. Wir als Gärtner haben großartige Möglichkeiten in der heutigen Zeit, Dinge anzugehen und der Natur mehr Raum zu geben.

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Unser Themengarten "Ort des Lebens" auf der Landesgartenschau in Kirchheim 2024. Foto: Quirin Lippl
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Typische Elemente des Naturgartens: Trockenmauer samt Bepflanzung, Polygonalplatten mit breiter Fuge und ein Holzdeck. Foto: Andrea Margot Schweiger
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Typische Elemente des Naturgartens: Trockenmauer samt Bepflanzung, Polygonalplatten mit breiter Fuge und ein Holzdeck. Foto: Birgit Helbig, Natur.Garten.Helbig

Quellen:

  • Hilgenstock, F. und Witt, R. (2017): Das Naturgartenbau Buch I – Nachhaltig denken, planen und bauen – Naturgarten-Verlag, Ottenhofen.
  • Witt, R. (2017): Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten – Jahrzehnte erfolgreich gärtnern – Naturgarten-Verlag, Ottenhofen.
  • Aufderheide, U. (2024): Die Rasen-Revolution: Rasen und Wiesen verstehen, Lebensräume neu entwickeln – Pala-Verlag, Darmstadt. n
 Müller Nicolas
Autor

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 Andreas Schweiger
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