Weiterentwicklung des "Weißbuch Stadtgrün"

Bundesbauministerin Hubertz stellt Agenda "Stadt grün-blau" vor

Bundesbauministerin Verena Hubertz hat im Mai auf dem 4. Bundeskongresses "Grün in der Stadt" in Berlin die Agenda "Stadt grün-blau" vorgestellt. Das Handlungsprogramm zeigt praxisnah, wie Städte durch mehr Grün und einen besseren Umgang mit Wasser lebenswerter und widerstandsfähiger werden können. Die neue Agenda knüpft an das 2017 veröffentlichte "Weißbuch Stadtgrün" der Bundesregierung an.
Weißbuch Stadtgrün Stadtklima
„Jeder entsiegelte Platz, jeder neue Baum und jede begrünte Straße macht einen Unterschied“, sagte Ministerin Verena Hubertz bei der Vorstellung der Agenda „Stadt grün-blau“. Foto: Hartmut Balder

Breit angelegter Dialogprozess

Vor ihrer Veröffentlichung stand ein breit angelegter Dialogprozess mit einem gleichnamigen Netzwerk. Beteiligt daran waren neben verschiedene Bundesministerien auch Vertreter von Verbänden und Vereinen, Stiftungen sowie Fachakteuren aus Wissenschaft und kommunaler Praxis. Begleitet von dem Konsortium Urbanizers eG, bgmr Landschaftsarchitekten GmbH und plan zwei GbR erarbeiteten sie, wie der Bund und seine Partner Städte und Gemeinden gezielter bei der Weiterentwicklung ihrer Grün- und Freiraumentwicklung unterstützen kann.

Im Mittelpunkt die Agenda „Stadt grün-blau“ stehen konkrete Maßnahmen, mit denen Städte die Grünflächen stärken und Wasser besser in ihre Planung integrieren können: Etwa, um Hitze zu reduzieren, die Gesundheit zu fördern und öffentliche Räume attraktiver zu gestalten. Die Agenda setzt dabei klare Schwerpunkte für die laufende und kommende Legislaturperiode.

Gegliedert in fünf Fokusthemen

Ziel ist es, eine grüne und wassersensible Stadtentwicklung stärker ressort- und fachübergreifend umzusetzen. Denn Grün und Wasser leisten einen wichtigen Beitrag für klimaresiliente, gesunde und soziale Städte, in denen sich Menschen gerne aufhalten, bewegen und sich begegnen.

Das Handlungsprogramm ist in fünf Fokusthemen gegliedert: Im Fokus „Grün-blau vital“ geht es um die wassersensible Stadtentwicklung und das Prinzip der Schwammstadt. Der Fokus „Grün-blau gesund“ adressiert die Bedeutung urbanen Grüns für Gesundheit und Vorsorge. Der Fokus „Grün-blau sozial“ beleuchtet den Beitrag grün-blauer Infrastruktur für soziale Teilhabe, gutes Zusammenleben und Umweltgerechtigkeit.

Der Fokus „Grün-blau statt grau“ betrachtet die Nutzung von Flächenpotentialen – von Schulhöfen bis zu Straßenräumen – die für grün-blaue Infrastruktur mobilisiert werden können. Der Fokus „Grün-blau kompetent“ befasst sich mit Querschnittsthemen wie Daten, Digitalisierung sowie Planungsinstrumenten und soll bis zum Herbst dieses Jahres bearbeitet werden.

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Am Rande des Kongresses in der Alten Malzfabrik in Berlin-Schöneberg wurden Roll-ups mit Vorschlägen zur Stadtbegrünung gezeigt. Foto: Hartmut Balder

„Jeder neue Baum macht einen Unterschied“

„Grün in der Stadt ist kein Extra, das man sich irgendwann leistet - es gehört ganz selbstverständlich dazu, wenn wir unsere Städte fit für die Zukunft machen wollen“, sagte Bundesbauministerin Hubertz auf dem Bundeskongress in Berlin:

„Jeder entsiegelte Platz, jeder neue Baum und jede begrünte Straße macht einen Unterschied: für kühlere Quartiere, bessere Luft und mehr Lebensqualität im Alltag.“ Genau darum gehe es mit der Agenda „Stadt grün-blau“. Sie zeige ganz konkret, wie man gemeinsam mit den Partnern im Netzwerk „Weißbuch Stadtgrün“ mehr Tempo in die Umsetzung bringen könne, damit die Städte nicht nur baulich wachsen, sondern durch Stadtgrün und Wasser auch lebenswerter werden.

Beim Bundeskongress im Mai kamen zahlreiche Vertreterinnen des Netzwerks zu Wort, darunter kommunale Spitzenverbände, Bundesressorts sowie Verbände, Vereine und Stiftungen, die an der Agenda mitgewirkt haben. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Umsetzung.

Denn die grün-blaue Infrastruktur in den Städten ist für das Bundesbauministerium kein Hindernis für schnelleres Bauen, sondern eine wichtige Voraussetzung dafür. Im Zusammenspiel mit Maßnahmen wie dem Bau-Turbo, der Novellierung des Baugesetzbuch-Upgrades und europäischen Vorgaben zur Wiederherstellung der Natur bildet sie einen integralen Bestandteil moderner und zukunftsfähiger Stadtentwicklung.

cm/BMWSB

„Stadt grün-blau“

Wie kann die Agenda Fahrt aufnehmen?

Es war ein langer Weg und bedurfte konsequenter Dialoge, in einem nahezu 30-jährigen Prozess ein praxisorientiertes Handlungsprogramm zur strategischen Stärkung der kommunalen Grün- und Freiraumplanung für die Stadt der Zukunft schrittweise zu entwickeln.

So waren die Erwartungen der breiten Fachöffentlichkeit groß, die zum 4. Stadtsymposium in Präsenz und im Online-Stream dem gelenkten Programm folgten.

Leider gab es aber kaum Möglichkeiten, sich als Teilnehmer mit Fragen oder Anregungen einzubringen. Wie also kann die Agenda Fahrt aufnehmen? Wenn aber die Agenda Wirkung entfalten soll, dann müssen jetzt nicht nur die politischen Netzwerke konsequent weiterentwickelt werden, sondern planende und ausführende Akteure müssen mit viel Engagement und kreativen Lösungen für die funktionierende Umsetzung sorgen.

Aber wo ist der „grüne Aufbruch“ zur Anpassung und Optimierung in der Praxis durch die vielen Akteure? Gefragt sind doch jetzt Aktivitäten, um mit Kontinuität die vielfach beklagten Mängel bei der Pflanzenkenntnissen, der Pflege, der Verkehrssicherheit und dem Artenschwund abzubauen. Nur Worte helfen da nicht, sondern nur das positiv gelebte Beispiel!

Der Bundeskongress endete bei vielen Teilnehmern mit dem Gefühl, dass zwar die Agenda gute Ziele beschreibt, aber viele Fragen offen sind und Details noch der Klärung bedürfen. Neben der finanziellen Ausstattung von Förderprogrammen ist es wohl an dem Netzwerk Weißbuch Stadtgrün, den Gesamt- prozess weiter mit Leben zu füllen.

Prof. Dr. habil. Hartmut Balder

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