Weniger Teilzeit kann 1,7 Millionen zusätzliche Vollzeitstellen bringen

Deutschland sitzt auf einem wahren Schatz an ungenutzten Arbeitskräftepotenzialen. Der größte Hebel zu deren Freisetzung liegt in der Erhöhung der Arbeitszeit pro Kopf und nicht in der Erhöhung der Zahl der Erwerbstätigen. Das hat das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen in einer Simulationsrechnung ermittelt. Um die Beschäftigungseffekte besser vergleichen zu können, hat das IAW als nützliche Vergleichsgröße Vollzeitäquivalente gebildet.
Arbeitsmarkt Ausbildung und Beruf
Unter teilzeitbeschäftigten Frauen ohne betreuungspflichtige Kinder gibt es besonders viel Arbeitskräftepotenzial. (Symbolbild). Foto: Martin Erdmann/ Floeter & Uszkureit GaLaBau

Viel Potenzial bei Frauen und Zugewanderten

Große Reserven bestehen noch bei der Erwerbsbeteiligung der über 50- bis 70-Jährigen und den in Deutschland lebenden Zugewanderten. Auch bei teilzeitbeschäftigten Frauen ohne betreuungspflichtige Kinder gibt es besonders viel Potenzial. Wenn zum Beispiel in der letztgenannten Gruppe nur 50 Prozent so viel arbeiten würden wie die Männer der entsprechenden Altersgruppen, stünden dem Arbeitsmarkt rechnerisch 1,7 Millionen zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung.

m internationalen Vergleich habe Deutschland einen der höchsten Anteile an Arbeitsstellen, die nicht besetzt werden können, so das Forscherteam um Prof. Dr. Bernhard Boockmann. Zugleich arbeite die Bevölkerung pro Kopf weniger als in fast allen anderen Industrienationen. Der sparsame Umgang mit knappen Arbeitskräften sei auch eine Aufgabe für die öffentliche Verwaltung, denn die dort stetig wachsende Zahl der Beschäftigten steht der Wirtschaft nicht zur Verfügung. Mit zielgerichteten Anreizen können Behörden, Wirtschaft und Politik die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf steigern und mehr Beschäftigung schaffen.

Bessere Rahmenbedingungen schaffen

Um den Beschäftigungsumfang von teilzeitbeschäftigten Frauen ohne betreuungspflichtige Kinder zu erhöhen, empfehlen die Forscher vor allem Änderungen bei den steuerlichen und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen. Um mehr reguläre Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen, sollten die Regelungen für Minijobs eingeschränkt werden. Auch die steuerlichen Vorteile für verheiratete Paare müssten sich ändern. Dadurch würde es für viele Frauen attraktiver, mehr Stunden zu arbeiten.

Die Verbesserung der beruflichen Qualifikationen, von Personen ohne Abschluss bis hin zu solchen mit Meister- oder Technikerabschluss um je eine Niveaustufe, könnte zu einem Zuwachs von 1,175 Millionen Vollzeitkräften führen. Bisher scheitert dies jedoch häufig am Zugang zu Weiterbildungen und an deren Finanzierung. Als gutes Praxisbeispiel verweisen die Autoren auf das Fachkräftestipendium in Österreich (FKS). Es richtet sich zum Beispiel an gering und mittelqualifizierte Arbeitskräfte und hat das Beschäftigungsvolumen deutlich erhöht.

Gezielte Förderung und flexiblerer Renteneintritt

Allein durch die bessere Unterstützung und Förderung von Menschen ohne Berufsabschluss könnte ein Potenzial von 609.000 Vollzeitkräften entstehen. Für diese Gruppe brauche es mehr individuelle Begleitung und Mentorings, so die Forscher. Bei den schon in Deutschland lebenden Personen mit Migrationshintergrund könnte realistisch ein Beschäftigungszuwachs von 432.000 zusätzlichen Vollzeitkräften erzielt werden.

Bei den älteren, arbeitswilligen Arbeitnehmern ab 50 Jahren steht eine zu hebende Reserve von 414.000 Vollzeitkräften bereit. Die Politik sollte dafür sorgen, dass die "Rente mit 63" gezielt bei denen ankommt, die sie wirklich benötigen – zum Beispiel bei Menschen mit körperlich fordernden Berufen. Die Bundesagentur für Arbeit sollte ältere Arbeitnehmer, die nach dem Rentenalter befristet weiterarbeiten möchten, zudem stärker als bisher bei der Jobsuche unterstützen.

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