Wie einst die Römer

Weinbau mit Bäumen wiederentdeckt

Bäume und Sträucher in Weinbergen? Das galt lange als nutzlos. Doch Zeiten ändern sich: Jakob Hörl, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Koordinationsstelle Agroforstsystem-Forschung Universität Hohenheim, stellte den aktuellen Stand des vom Land geförderten Forschungsprojekts "Vitiforst – Gehölze im Weinbau zur Steigerung von Klimaschutz und Biodiversität" kürzlich im Programm der VHS Nürtingen vor.
Weinberge Forstwirtschaft
Präsentierten das Forschungsprojekt "Vitiforst" (v. l. n. r.): Susanne Röhl, Jakob Hörl und Prof. Dr. Markus Frank. Foto: HfWU

"Vitiforst" ist eine besondere Form der Agroforstwirtschaft, erläuterte Hörl. Die Landnutzungsform kombiniert Pflanzen- oder Tierhaltung mit Bäumen oder Sträuchern auf derselben Fläche, um von den daraus resultierenden ökologischen und ökonomischen Wechselwirkungen zu profitieren. Weinreben (Vitis vinifera) mit Bäumen und Sträuchern im Weinbau zu kombinieren sei keineswegs neu, so der Forstwissenschaftler.

Bereits die Römer nutzen die Vorteile des Anbausystems, das über die Jahrhunderte vor allem in Italien und Frankreich praktiziert wurde und wird. Der Nutzen von Vitiforst zeige sich in einem verbesserten Mikroklima und der Landschaftskühlung, sagte Hörl. Bäume und Sträucher böten Erosionsschutz, Lebensraum für Vögel und Insekten, reicherten den Boden mit organischem Material an, dienten als Mineralstoff- und Wasserpumpe, verbesserten die Wasseraufnahme und minderten die Sonneneinstrahlung.

Das Konzept stoße auf Interesse bei den Winzern und die praktische Umsetzung werde gerade im Südwesten an etlichen Orten erprobt. Die aktuelle Situation im Weinbau sei geprägt von Klima- und Strukturwandel sowie dem Verlust der Artenvielfalt. Ökoweinbau spielte bislang kaum eine Rolle.

"Vitiforst kann vor diesem Hintergrund ein Baustein sein, den Weinbau ökologischer zu machen", ist Hörl überzeugt. Für Winzer sieht der Agroforstexperte die Chance ein Alleinstellungsmerkmal zu kultivieren, das sich auch wirtschaftlich auszahlen könne. Über die ökologischen Vorteile für den Weinbau seien zudem Alternativ-Nutzungen im Weinberg vorstellbar und würden mancherorts schon praktiziert: Etwa der Anbau von Nüssen, Pfirsichen, Mandeln, Feigen oder Pistazien.

Mitstreiter im Vitiforst-Forschungsprojekt sind neben der Universität Hohenheim und der Universität Freiburg auch die HfWU. An der Hochschule in Nürtingen wird das Projekt von Dr. Markus Frank betreut. "Die Landwirtschaft ist auch Teil des Problems. Wir wollen uns aber vor allem fragen, wie sie Teil der Lösung werden kann", so der Professor für Pflanzengesundheitsmanagement an der HfWU. Dort ist das Forschungsprojekt eingebunden in den Master-Studiengang Nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Ein Vitiforst-Forschungsschwerpunkt liegt auf den Aspekten Artenvielfalt und Klimaschutz. Projektmitarbeiterin Susanne Röhl erläuterte im Dialog mit Markus Frank den Stand der Forschung an der HfWU: Konkret untersucht wird unter anderem der Bestand von Insekten. Projektflächen stellte das Weingut Singer und Bader dafür zur Verfügung. HfWU Nürtingen

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