Veranstaltungsreihe des "Forums Grünes Bauen Bayern"

Wie mehr Stadtgrün gegen den Klimawandel hilft

Organisatoren und Referenten im Juli in Würzburg: Gunther Weber (Informationszentrum Beton), Dr. Susanne Böll (LWG Veitshöchheim), Peter Menke (Stiftung Die Grüne Stadt), Jürgen Eppel (LWG Veitshöchheim), Stefan Brandhorst (Vertiko GmbH), Julian Herold (VGL Bayern). Foto: Julian Herold, VGL Bayern

Die Veranstaltungsreihe der Initiative "Forum Grünes Bauen Bayern" beschäftigte sich in diesem Jahr mit den Themen "Regenwasser-Management" und "Stadtbegrünung". Die Veranstaltungen fanden im Mai und Juli Zentrum für angewandte Energieforschung (ZAE) in Würzburg statt. Teilnehmer waren Landschaftsarchitekten und -planer, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und ausführende Fachbetriebe im GaLaBau.

Besserstellung von Begrünungs- und Naturschutzmaßnahmen

Der Klimawandel stellt viele Planer und Ausführende vor große Herausforderungen. Die Zahl der extremen Wetterereignisse steigt von Jahr zu Jahr. Einerseits verursachen kurze, heftige und meist lokal begrenzte Starkregen, sogenannte urbane Sturzfluten, hohe Sachschäden, die es zu vermeiden gilt. Städte und Kommunen gehen deshalb bereits dazu über, gesonderte Niederschlagswassergebühren für versiegelte Flächen zu erheben oder schreiben vor, sämtliche Niederschläge auf dem eigenen Grundstück zu entwässern. Andererseits nehmen extreme Hitzeperioden kontinuierlich zu. Bei weiter steigenden Sommertemperaturen, gerät die urbane Vegetation zunehmend an ihre Grenzen. Die Veranstaltung im Mai behandelte deshalb Bereiche einer nachhaltigen, urbanen Infrastruktur für ein sinnvolles Regenwasser-Management, um Niederschläge entweder länger zurückzuhalten oder schneller versickern zu lassen. Dabei wurde vor allem versickerungsfähigen Belägen und dem Retentionsvolumen von Dachbegrünungen eine wichtige Rolle eingeräumt. Zudem forderte Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern, dass Kompensationsmaßnahmen durch eine Begrünung der Stadtquartiere bei der Berechnung besser bewertet werden müssten, da sie nur zu deutlich höheren Kosten durchzuführen seien: "Bei der gesetzlichen Regelung müssen Begrünungs- und Naturschutzmaßnahmen unmittelbar am Investitionsobjekt gegenüber Ausgleichsaktivitäten in der freien Landschaft deutlich bessergestellt werden. Damit werden Anreize für Bauherren geschaffen, in eine begrünte Immobilie zu investieren." Der Präsident des VGL Bayern appellierte an die Entscheidungsträger, Bebauungspläne dahingehend zu überprüfen und entsprechende Regelungen zu verankern - beispielsweise zur Dachbegrünung. "Würzburg geht mit gutem Beispiel voran: So wurde im vergangenen Herbst ein Discounter mit einer extensiven Dachbegrünung im Würzburger Stadtteil Lindleinsmühle eröffnet", sagte Zäh.

Die Teilnehmer beteiligten sich rege an der Veranstaltungsreihe. Auch die Materialmuster vor dem Veranstaltungsraum waren stark gefragt. Foto: Julian Herold, VGL Bayern

Enge Vernetzung von Gebäude und Pflanze unerlässlich

Unter dem Motto "Mooswände, Living Walls und Stadtbäume - nachhaltige, energieeffiziente Stadtbegrünung" konzentrierte sich die Veranstaltung im Juli auf die Darstellung von Lösungen im Zusammenhang mit der Hitzeresilienz urbaner Vegetation. In seinem Fachreferat "Grüne Klimafassaden - Utopie und Wirklichkeit" stellte Jürgen Eppel, Leiter des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim, neue Trends und Bauweisen in der Fassadenbegrünung vor. In der weiteren Entwicklung der Klimafassaden sei eine enge Vernetzung von Gebäude und Pflanze unerlässlich. Dabei gelte es auch Synergien auszuschöpfen, beispielsweise mit der Erdwärme, so der Institutsleiter. Außerdem berichtete er über einen Testversuch im Nürnberger Stadtteil Muggenhof und präsentierte Ergebnisse von Vertikalbegrünungen im Systemvergleich sowie eine Pflanzenauswahl für Begrünungssysteme.

Dr. Susanne Böll, ebenfalls vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau, informierte in ihrem Referat über die neuesten Erkenntnisse im Forschungsprojekt "Stadtgrün 2021", das sie seit 2009 leitet. In diesem Langzeitversuch werden in repräsentativen Klimaregionen Bayerns, Würzburg, Hof-Münchberg und Kempten, 30 Baumarten auf ihre Stresstoleranz und klimaresiliente Eignung getestet. Darüber hinaus untersucht ein weiteres Forschungsfeld die Biodiversität auf Straßenbäumen. Ein weiterer Vortrag mit dem Titel "Rettet den Vorgarten" von Peter Menke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Die Grüne Stadt, knüpfte an die Initiative des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau an. Eine Führung über das Gelände der Landesgartenschau schloss die beiden Fachtagungen ab. Die letzte Veranstaltung in diesem Jahr, unter dem Motto "Städtebau - Innenentwicklung und Baukultur", wird am 25. September erneut in Würzburg stattfinden. Das Forum Grünes Bauen Bayern ist eine Initiative des VGL Bayern, des Bayerischen Industrieverbandes Baustoffe, Steine und Erden sowie der InformationsZentrum Beton. Die Initiative unterstützt unter anderem die qualitätvolle Planung und Ausführung baulicher Anlagen im öffentlichen Raum.

VGL Bayern

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2018 .

http://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[division]=2&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=424&no_cache=1