Der Kommentar

Wieviel Bau steckt im Landschaftsgärtner?

Wer sich im Landschaftsbau selbstständig macht, landet automatisch als Zwangsmitglied bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Damit gehören Unternehmen des Landschaftsbaus streng genommen zur Bauindustrie. Die Bauindustrie hat sich auf Bundesebene im Hauptverband der deutschen Bauindustrie organisiert. Es wurden sogar eigene Berufsbilder entwickelt, wie beispielsweise Fassadenmonteur, Industrieisolierer oder Kanalbauer. Landschaftsgärtner könnte hier auch eines von den fast 30 Berufsbildern der Bauindustrie sein. Das Argument, dass die Pflanze als lebender Baustoff doch etwas Besonderes ist, greift nicht, denn am Ende hat jedes Berufsbild seine besonderen Herausforderungen. Außerdem: Auch wenn es keine gesicherten Zahlen gibt, ist die Pflanze am Umsatz im Landschaftsbau nur von geringer Bedeutung, in der Regel unter 10 Prozent.

Wer sich nach etablierter Selbstständigkeit als Ausbildungsbetrieb für den Nachwuchs einsetzen will, muss seinen Antrag auf Zulassung als Ausbildungsbetrieb wiederum bei der Landwirtschaftskammer einreichen. Hier ist der Ausbildungsberuf Gärtner mit der Fachrichtung Landschaftsgärtner verankert. Der Spitzenverband der Gärtner ist der Zentralverband Gartenbau. Bei diesem hat der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau allerdings vor etwa zehn Jahren seine Mitgliedschaft gekündigt.

Ein Unternehmen des Landschaftsbaus, das mit seinen Pflasterarbeiten den Hausgarten verlässt, läuft Gefahr, in Konflikt mit dem Straßenbauhandwerk zu kommen. Handwerksbetriebe genießen einen hohen gesetzlichen Schutz. Jeder, der Arbeiten eines Handwerks ausführt ohne Eintragung in die entsprechende Rolle, verrichtet Schwarzarbeit, was sogar mit Freiheitsentzug bestraft werden kann. Daher lassen sich Betriebe gerne in die Handwerksrollen der Handwerkskammern eintragen. Das Bauhandwerk ist auf Bundesebene im Zentralverband des deutschen Baugewerbes organisiert.

Durch den stark wachsenden Markt in Bereich Hausgarten wachsen auch die Aufgaben für den Landschaftsbau. Ein gut aufgestellter Landschaftsbaubetrieb hat weitreichende Kenntnisse im Erd- und Grundbau, kann Stützmauern rechnen, die Beleuchtung installieren, Schwimmteiche bemessen, Zäune und Sichtschutzwände aufstellen, edle Terrassen aus Holz oder Keramik herstellen, Kunststoffrasenplätze ohne Mikroplastik bauen und natürlich den Eichenprozessionsspinner zeitgerecht und bei optimalen Artenschutz beseitigen. Das alles in einem Berufsbild?

Wenn der Landschaftsbau weiterhin so wächst, wird es Zeit über eine Spezialisierung nachzudenken. Warum eigentlich nicht gleich drei neue Berufsbilder? Der Ausbildungsschwerpunkt "Vegetation und Pflege" (etwas was meist zu kurz kommt) erfolgt als Landschaftsgärtner bei der Landwirtschaft. Der Ausbildungsschwerpunkt "Bau" (mit Holz, Stein und Wasser) als Landschaftsbauer in der Bauindustrie bei der IHK und nicht zuletzt wird nach Schweizer Vorbild der Pflasterer gemeinsam mit dem Handwerk ausgebildet.

Natürlich gibt es sehr viele Argumente gegen ein solches Modell, aber auch einige dafür. Auf jeden Fall lohnt es sich, darüber nach zu denken.

Ihr

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2019 .

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