Willkommen auf dem Petersberg

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Am Petersberg entstehen opulente Pflanzungen als Begrüßungsgruß. Foto: Hanne Roth

Am Petersberg entstehen opulente Pflanzungen als Begrüßungsgruß. Foto: Hanne Roth

Übersicht Willkommensbereich. Graphik: Büro Heuschneider

Die Blumenstadt Erfurt schaut auf eine lange, traditionsreiche Geschichte des Gartenbaus und der Gartenschauen zurück. Im Mittelalter bildete das Blaufärbemittel Waid eine wesentliche Grundlage für den Wohlstand der Stadt. Neben dem südfranzösischen Toulouse dominierte Erfurt vom 13. bis 17. Jahrhundert den europaweiten Handel mit dem "blauen Gold". Fast nahtlos mit dem Niedergang des Waidhandels begründete im 18. Jahrhundert der Gärtner Christian Reichart den modernen Erwerbsgartenbau. Sukzessive wurde Erfurt zum Zentrum dieses Wirtschaftszweiges. Ihren Höhepunkt erreichte die Entwicklung um 1900. Die großen Erfurter Gartenbaudynastien Haage, Benary, Schmidt, Heinemann und Chrestensen erlangten Weltgeltung.

Auch große Gartenbauausstellungen sind seit dem 19. Jahrhundert ein Markenzeichen Erfurts. Ein erster Höhepunkt wurde 1865 mit der "allgemeinen deutschen Ausstellung von Produkten des Land- und Gartenbaus" erreicht. Schon damals kamen Aussteller aus der ganzen Welt. Es folgten in regelmäßigen Abständen größere Schauen. Nach 1945 knüpfte man an die, im Zeitalter der beiden Weltkriege ins Stocken geratene, Tradition an. Mit der Gartenschau "Erfurt blüht" 1950 und insbesondere mit der Internationalen Gartenbauausstellung 1961 (iga'61) erhielt Erfurt seine Stellung als wichtiger Gartenbaustandort zurück. An diese geschichtliche Entwicklung will die BUGA Erfurt 2021 anknüpfen. Die Wiederaufnahme der Tradition soll sich in drei Standorten (ega-Park, Petersberg und Nordpark) widerspiegeln. Aus ihrer historischen Entwicklung heraus bieten die Standorte unterschiedliche Schwerpunkte.

Petersberg: "Gartenkultur", gestern - heute - morgen

Der Petersberg geht nach geschichtlicher Recherche auf die Gründung eines Benediktinerklosters 1060 zurück, den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Im Volksmund hieß es das Peterskloster, wie man den Berg Petersberg heute noch nennt. Entsprechend wird zum einen die Geschichte des Petersberges und Erfurts gezeigt. Zum anderen wird neben einer Reihe Ausstellungsbeiträge Gartenkultur und -geschichte präsentiert. Der Petersberg soll die Bewohner Erfurts und ihre Gäste mit einer Reihe von innovativen, an die heutigen Anforderungen, an eine attraktive Gartenschau angepassten Angeboten begeistern. Die Besucher erreichen den Haupteingang des Gartenschaubereichs auf dem Oberen Plateau vom Domplatz aus über die Petrinistraße oder den neuen Aufzug. Hier werden sie von großzügigen Wechselflorflächen und einem grandiosen Blick über die Altstadt und den Dom empfangen.

Willkommen

Farbenvarieté an der Glashütte

Die opulente Blumenpflanzung überrascht die Besucher und Besucherinnen mit ihrer fröhlichen und in der Bastionsanlage unerwarteten Lebendigkeit. Die Flächen mit dem Farbenvarieté an der Glashütte sind sozusagen der Willkommensgruß an alle Besucher, die den Petersberg erkunden wollen.

Der Paradiesbaum aus Stahl und Kupfer auf dem Petersberg. Er wurde von den Künstlern Ruth Horam und Nihad Dabeet geschaffen. Foto: Hanne Roth

Farbvariationen im Willkommensbereich. Die Grundfarben der einzelnen Flächen orientieren sich am Spektrum eines Glasprismas, also gelbe, orange, rote und violette Töne. Foto: Hanne Roth

Farbvariationen im Willkommensbereich. Die Grundfarben der einzelnen Flächen orientieren sich am Spektrum eines Glasprismas, also gelbe, orange, rote und violette Töne. Foto: Hanne Roth

Farbvariationen im Willkommensbereich. Die Grundfarben der einzelnen Flächen orientieren sich am Spektrum eines Glasprismas, also gelbe, orange, rote und violette Töne. Foto: Hanne Roth

Farbvariationen im Willkommensbereich. Die Grundfarben der einzelnen Flächen orientieren sich am Spektrum eines Glasprismas, also gelbe, orange, rote und violette Töne. Foto: Hanne Roth

Die Beete sind konvex, also überhöht ausgebildet, die einzelnen Farbkompositionen sind bodeneben wie aus der Vogelperspektive gut erkennbar. Die Grundfarben der einzelnen Flächen orientieren sich am Spektrum eines Glasprismas, also gelbe, orange, rote und violette Töne. Zu Beginn der Gartenschau ergänzen Kaiserkronen, Hyazinthen, Tulpen und Narzissen den Frühjahrsflor von Stiefmütterchen, Akeleien, Goldlack in vielen Farbnuancen, Anemonen und Vergissmeinnicht. Im Frühjahr sind die Pflanzen flächig angeordnet, mit Linien aus Zwiebelpflanzen, und einzelnen Einsprenkelungen anderer Arten.

Im Sommer wandert ein Willkommensbogen durch die einzelnen Beete, sozusagen die erste Umarmung an den Besucher. Er hebt sich in Höhe und Zusammensetzung von der restlichen Fläche deutlich ab. Dieser Bogen setzt sich zusammen aus Ziertabak Marshmallow, Löwenmaul, Celosien, Fenchel und verschiedenen Gräsern. Fleißige Lieschen, Zigarettenblümchen, spanisches Gänseblümchen, Zauberschnee, Goldmarie, Punktblatt und viele andere sind flächig zugeordnet. Eine besondere Herausforderung ist der Erhalt der Bäume im Wechselflor. Der Kronenbereich ist deshalb bewusst von der Bepflanzung freigehalten.

Eine weitere Attraktion in einem der Willkommensbeete ist der Paradiesbaum. An einem stählernen Olivenbaum hängen 70 000 kupferne Blätter. Geschaffen wurde die Skulptur von der jüdischen Künstlerin Ruth Horam und dem arabisch-christlichen Künstler Nihad Dabeet aus Israel, um den Wunsch nach Frieden und ihre besondere Bindung zum Land Israel zu versinnbildlichen. Begleitet wird das Projekt vom Erfurter Verein Achava und den BUGA-Freunden. Jeder Interessierte kann dieses Kunstwerk mitgestalten, indem er für 20 Euro die von Hand gestalteten Olivenblätter im Pressehaus in der Erfurter Meyfartstaße 19 erwirbt.

Ess-Bar/Bereich Festwiese

Kleine Flächen begleiten den Weg aus dem Festungsgraben hinauf zum Eingang Bastion. Voraussetzung für diesen wegbegleitenden Wechselflor ist seine Fernwirkung. Nur dann wird er sowohl vom Festungsgraben als auch von der Bastion aus wahrgenommen. So bekommt jede Einheit eine eigene Farbzuordnung, zum Teil mit Kontrasttönen ergänzt.

Nisthilfen. Grafik: Büro Heuschneider

Vorbereitung der Pflanzungen an der Festwiese. Foto: Hanne Roth

Entlang der Treppenanlage gleitet eine Blüten-Fläche den Hang hinunter, im Frühjahr wie im Sommer. Foto: Hanne Roth

Im Frühjahr leuchten Hyazinthen mit Narzissen und Tulpen um die Wette, ergänzt von Stiefmütterchen und Goldlack. Im Sommer sind zwischen Gräsern, Dahlien und Lilien, Löwenmäulchen und anderen essbare Arten integriert, wie Zitronenverbenen, Basilikum, Dill, und Zierkohl, um nur die Eindrucksvollsten zu nennen und den Titel dieses Bereichs zu untermauern.

Der in der Nähe angesiedelte Ausstellungsbeitrag der Thüringer Gärtner zum speziellen Thema Gemüse und Kräuter gab mir die Vorlage, besonders im Sommer essbare Pflanzen in den Wechselflor aufzunehmen. Entsprechend dazu ist auch die Überschrift Ess-Bar zu erklären.

Das lange Beet ganz oben, also der Abschluss des Gartenschaugeländes vor Zaun und Gehweg liegend, nimmt alle Farben mit auf, die sich vorher den Hang hinaufgearbeitet haben, in rhythmischer Anordnung. Die besonders herausragenden und dominanten Arten wie Ziertabak, Mangold, Artischocken und Pampasgras prägen das Bild und geben die Grenze an zum Gehweg, der schon außerhalb des Geländes liegt.

Bienenfutter im Bereich Spielplatz

Die ebenen Flächen bieten aufgrund ihrer Lage zum Bienenlehrpfad eine gute Möglichkeit für alternativen Wechselflor. Eine Kombination aus Zwiebelpflanzen, Einjährigen, Zweijährigen und Wildstauden ermöglicht Bienen und anderen Insekten ein beinahe ganzjähriges Nahrungsangebot. Unter anderem Akelei, Glockenblumen und Natternkopf kombinieren sich mit Lauch, Hyazinthen und Tulpen, mit Ochsenzunge, Anemonen, Goldlack, Vergissmeinnicht und Stiefmütterchen im Frühjahr, im Sommer mit Leberbalsam, Salvien, Verbenen und vielen anderen. Die Anordnung ist gemischt und zeigt ein naturhaftes, duftiges Erscheinungsbild.

Diese Herangehensweise ist eine gute Variante, dem häufig doch mangelhaften Angebot für unsere Insekten auch auf privater Ebene entgegen zu wirken. Eine weitere Ergänzung bieten noch Ansaaten bestimmter einjähriger und mehrjähriger Arten in Kombination.

Wechselflor: Eine Kombination aus Zwiebelpflanzen, Einjährigen, Zweijährigen und Wildstauden ermöglicht Bienen und anderen Insekten ein beinahe ganzjähriges Nahrungsangebot. Foto: Hanne Roth

Entlang der Treppenanlage gleitet eine Blüten-Fläche den Hang hinunter, im Frühjahr wie im Sommer. Foto: Hanne Roth

Opulente Beete im Sommer auch an der Festwiese. Foto: Hanne Roth

Wechselflor: Eine Kombination aus Zwiebelpflanzen, Einjährigen, Zweijährigen und Wildstauden ermöglicht Bienen und anderen Insekten ein beinahe ganzjähriges Nahrungsangebot. Foto: Hanne Roth

Wasserfall

Entlang der Treppenanlage gleitet eine Fläche wie ein Wasserfall den Hang hinunter. Entsprechend des Themas finden hier zu jeder Jahreszeit überwiegend blau blühende Pflanzen Verwendung.

Frühjahr: Bänder aus verschiedenen Viola- Blautönen, auch blaue Zwiebelpflanzen, kombiniert mit Weiß und Gräsern.

Sommer: Trachelium, Scaevola, Salvia-Arten, Surphinia, Isotoma, Ageratum; Euphorbia und Gräser, die schäumendes Wasser suggerieren.

Nach der BUGA dürfen die Flächen verwildern. Ein besonderer Beitrag zur Nachhaltigkeit, was sonst üblicherweise bei Verwendung von Annuellen auf der Strecke bleibt.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2021 .

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