Interview mit dem BGL-Präsidenten

Wurmb: "Die klimafitte Kommune hat höchste Priorität"

von Wurmb fordert ein langfristiges Förderprogramm, eine "grüne Milliarde" zu Gunsten der Kommunen, mit der öffentliches Grün nachhaltig gestärkt wird. Foto: NürnbergMesse/ Frank Boxler

Für Lutze von Wurmb, Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau hat der Umbau zur klimafitten Kommune höchste Priorität. Er will auf der GaLaBau-Messe in Nürnberg verdeutlichen, dass die Landschaftsgärtner dabei eine ganz wichtige Rolle spielen und unterstreicht die BGL-Forderung nach einem langfristigen Förderprogramm, einer "grünen Milliarde" zu Gunsten der Kommunen. Das Gespräch führte Christian Münter.

"Gemeinsam klimafit in die Zukunft!" ist das Fokusthema der diesjährigen GaLaBau-Messe in Nürnberg. Es geht um den Beitrag des Garten- und Landschaftsbaus zur Klimaanpassung. Es scheint so, als halte die Branche den Schlüssel zu einem angenehmeren Stadtklima der Zukunft bereit.

Mit dem von Ihnen zitierten Leitmotiv der Messe wollen wir jedenfalls deutlich machen, dass wir - die Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner - eine ganz wichtige Rolle bei der Verbesserung des Stadtklimas spielen. Klimaanpassung in den Städten, Artenschutz und attraktive Freiräume für die Menschen funktionieren nur mit urbanem Grün. Da genau bringen wir unsere Expertise rund um die Pflanze in die öffentliche Debatte ein und sagen, dass wir nicht nur eine ausreichende Zahl grüner Inseln in den Städten brauchen, sondern auch der Zustand der Grünanlagen eine wichtige Rolle spielt. Mit Blick auf den Bau wie auch auf die Pflege des öffentlichen Grüns sind wir die zentralen Ansprechpartner für die Kommunen. Denn die müssen entsprechende Projekte anstoßen und ausschreiben. Deshalb setzen wir uns auch auf Bundes- und Landesebene vehement dafür ein, dass die Städte und Gemeinden mit dieser Mammutaufgabe - die der klimagerechte Umbau bedeutet - nicht allein gelassen werden. Wir ziehen mit den Kommunen an einem Strang was den Wunsch nach mehr Grün in der Stadt angeht und können als Berufsstand sicherlich einen entscheidenden Beitrag zur Realisierung leisten.

Machen sich die neuen umweltpolitischen Aufgaben bereits bei der Gewinnung des landschaftsgärtnerischen Nachwuchses bemerkbar?

Klar ist, dass auch der Garten- und Landschaftsbau in einem harten Wettbewerb um Fach- und Nachwuchskräfte steht. Da müssen wir als Betriebe und als Branche überzeugen. Viele Menschen - gerade auch junge Leute - wollen mit ihrer beruflichen Tätigkeit einen eigenen sichtbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Hier können wir als grüne Branche punkten, weil wir grüne und blaue Infrastruktur bauen und erhalten. Gestaltete Grün- und Freiflächen sind nicht nur schön anzusehen, sie tragen ja ganz entscheidend zum Mikroklima und zur Lebensqualität einer Stadt oder Gemeinde bei. Wir spüren zwar auch den Fachkräftemangel. Aber nach wie vor ist die Entwicklung bei den Auszubildenden wie auch bei den Beschäftigten positiv. Natürlich sind da weitere Faktoren wichtig - Arbeitsplatzsicherheit, Vergütung, gutes Betriebsklima, Aufstiegschancen, um nur einige zu nennen. Aber die Arbeit mit der Pflanze, mit und in der Natur, ist ein ganz wichtiger Punkt, gerade auch in der Nachwuchswerbung.

Der Privatgartenmarkt war in den vergangenen Jahren der Umsatztreiber im GaLaBau. Erwarten Sie jetzt mehr Aufträge für das öffentliche Grün?

Mit Beginn der Pandemie haben wir bei vielen öffentlichen Auftraggebern zunächst eine abwartende Haltung erlebt. Wenn unsicher ist, wie sich die kommunalen Steuern entwickeln, ist das auch ein Stück weit nachvollziehbar. Jetzt sind wir weiter und wissen, dass die Wirtschaft - und damit auch die öffentlichen Haushalte - in großen Teilen bislang gut durch diese Ungewissheit gekommen sind. Aber klar ist auch, dass der Umbau zur klimafitten Kommune jetzt höchste politische Priorität haben muss. Der Klimawandel lässt sich nicht aufhalten, das erleben wir gerade in diesem heißen und trockenen Sommer wieder. Das heißt aber auch, dass der Bund hier umfassend unterstützen muss. Der BGL fordert deshalb ein langfristig angelegtes Förderprogramm, eine "grüne Milliarde" zu Gunsten der Kommunen, mit der das öffentliche Grün nachhaltig gestärkt werden muss. Ich glaube, dass die Dringlichkeit in den Köpfen der Politikerinnen und Politiker angekommen ist. Die Umsetzung muss vor Ort angepackt werden. Der Zugang zu den Förderprogrammen muss so einfach wie möglich sein. Idealerweise ohne Eigenanteil von der Kommune. Dazu sind sie finanziell oft nicht in der Lage oder setzen andere Prioritäten.

Kann sich der Garten- und Landschaftsbau dem Sog negativer Entwicklungen in der wirtschaftlichen Lage entziehen?

Noch ist die Auftragslage in der grünen Branche zum Glück sehr erfreulich. Aber ich sehe auf uns große Herausforderungen zukommen. Steigende Zinsen, Rohstoffknappheit und steigende Preise, Fachkräftemangel - all das betrifft natürlich auch uns. In welchem Umfang, das ist aktuell kaum absehbar. Schöne Gärten und klimastabile Parks werden auch in Zukunft gefragt sein - da bin ich mir sicher - , aber wir werden uns von der wirtschaftlichen Großwetterlage und der Entwicklung im Wohnungsbau im Besonderen nicht entkoppeln können.

Was erwarten Sie von der GaLaBau-Messe in Nürnberg? Schon oft bot sie den Unternehmen der grünen Branche Inspiration für die kommenden Jahre.

Das Fokusthema haben Sie schon genannt. Das Motto der Messe lautet in diesem Jahr "Zukunft grüner Lebensräume". Damit wollen wir die Leistungen der grünen Branche Branche für den Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität ins Zentrum rücken. Mit dem "Grün-Blauen-Pfad" heben wir rund 40 Aussteller hervor, deren Produkte besonders nachhaltig sind. Und wir wollen den Besucher*innen Inspiration für ihre Arbeit in den Betrieben bieten. Ob Digitalisierung, betriebliche Nachhaltigkeit oder Lösungen mit Grün für die Klimaanpassung - die Messe wird spannende Perspektiven darauf bieten, was den Garten- und Landschaftsbau in den kommenden Jahren prägen wird. Last but not least wollen wir unseren kommunalen Auftraggebern einen tiefen Einblick in unser Leistungsportfolio und unsere Innovationskraft geben.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2022 .

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